Was meint Klaus Landfried? "Bildung und Ausbildung sind keine Gegensätze"

Hochschulen müssen ihren Studenten zentrale Wege der Weltaneignung bieten. Wer da zwischen Bildung und Ausbildung unterscheidet, ist ein Traumtänzer. Meint Klaus Landfried.

Klaus Landfried | , aktualisiert

Wer in diesen Tagen meint, die neuen Bachelor-Studiengänge kritisieren zu müssen, der regt sich meist über die "Verschulung" des Studiums auf und behauptet, statt "Bildung" werde "nur" noch Ausbildung betrieben. Ein Gegensatz, wie ihn so nur weltfremde Traumtänzer konstruieren können.

Natürlich ist die da und dort tatsächlich anzutreffende "Verschulung" auf allen Ebenen menschlichen Lernens nur ein Zeichen für mangelhaftes Können derer, die als Lehrende das Lernen organisieren. Mit Christoph Markschies, dem Präsidenten der Humboldt-Uni in Berlin, darf man daran erinnern, dass der eigentliche Kern der Idee Wilhelm von Humboldts darin bestand, Ausbildung für eine berufliche Tätigkeit mit "berufsfreier Bildung" zu verbinden.

Wer jetzt behauptet, das gehe wegen des bösen Bologna-Prozesses nicht, oder weil die fiesen Unternehmer angeblich am liebsten nur Arbeitsroboter beschäftigten, nimmt schlicht nicht zur Kenntnis, was an deutschen Hochschulen inzwischen an kreativen Formen forschenden Lernens auf den Weg gebracht wurde. Und dass gerade die Unternehmer nicht müde werden, von den Hochschulen Absolventen zu fordern, die eigenständig denken und Fachwissen mit Sozialkompetenz zu verbinden gelernt haben.

Bei Bildung wie bei Ausbildung geht es um "Weltaneignung". Es geht um einen Lernprozess, der streng systematisches Analysieren, ganzheitliches Verstehen von Zusammenhängen, gekonntes, verantwortbares Handeln und Gestalten im Sport wie in der Kunst, in der Wirtschaft wie beim Staat ebenso einschließt wie die auch emotional geprägte Suche nach Antworten auf die Frage nach den letzten Dingen: nach dem Woher und Wohin des menschlichen Lebens.

So wenig eine sich auf bloße Fertigkeiten für bestimmte Berufe richtende Ausbildung einen Sinn ergibt, weil niemand die sich weiter entwickelnden Anforderungen der Arbeitswelt in 20 oder 30 Jahren kennen kann, so weltfremd wäre auch die Verabreichung eines scheinbar humanistischen Bildungs-Kanons à la Schwanitz.

Einmal, weil dieser Kanon auf einem Auge blind ist. Er unterdrückt mit seinem geisteswissenschaftlichen Monopolanspruch andere zentrale Wege der "Weltaneignung": Mathematik, Naturwissenschaft und Technik. Auch die gehören zur Bildung. Zum anderen aber, weil er mit seiner Besserwisserei den schon vom Philosophen Fichte vor rund 200 Jahren erkannten Kern vergisst: "Bildung beruht auf Selbsttätigkeit und zielt auf Selbsttätigkeit ab."


Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Im Unruhestand betätigt sich der emeritierte Politikprofessor als Wissenschaftsberater und Headhunter. Mit kritischem Blick kommentiert er für Junge Karriere monatlich die Hochschulszene.

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