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Was bringt der Doktortitel?

Eine Promotion läßt sich zu einer herausgehobenen Referentenstelle ausbauen, in eine Karriere als Führungskraft ummünzen oder aber zielt über die klassische Einflugschneise auf den Stuhl eines Vorstandsassistenten. Gut die Hälfte aller Vorstände und Geschäftsführer verfügt über höhere akademische Weihen.

Dirk Neubauer | , aktualisiert

Am eindeutigsten ist der Tarifvertrag der Chemischen Industrie. Er nennt zwei Zahlen für naturwissenschaftlich ausgebildete Berufsanfänger im 2. Berufsjahr. Ohne Promotion sollen sie ein Jahresgehalt von 80.400 Mark bekommen; mit Promotion sind es 93.600 Mark.

"Das entspricht in etwa unserer Daumenregel: Eine Promotion bringt einen Tausender pro Monat mehr - und zwar von Anfang an", sagt Dr. Heinz Evers, Geschäftsführer der Kienbaum Vergütungsberatung in Gummersbach.

Schon im nächsten Satz schränkt Evers jedoch ein: "Solche Betrachtungen haben einen gravierenden Schönheitsfehler: Sie unterstellen, daß sich Promovierte und Nichtpromovierte auf dieselbe Stelle bewerben." Dem sei aber nicht so. Die Kienbaum-Untersuchungen haben ergeben, daß Promovierte in der Regel eine Hierarchiestufe höher einsteigen als Arbeitsuchende ohne Doktorhut.

"Wenn sie geschickt verhandeln", sagt Evers, "folgt auf den höheren Einstieg ein rascherer Aufstieg." Eine Promotion läßt sich zu einer herausgehobenen Referentenstelle ausbauen, in eine Karriere als Führungskraft ummünzen oder aber zielt über die klassische Einflugschneise auf den Stuhl eines Vorstandsassistenten.

Gut die Hälfte aller Vorstände und Geschäftsführer verfügt über höhere akademische Weihen."Dabei muß man beachten, daß sich in den Vorständen die Doktoren aller Disziplinen sammeln", gibt Dr. Sigmar Gleiser zu bedenken. Juristen- und BWLer-Docs mischen sich mit promovierten Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Bei der Frankfurter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, ZAV, leitet Gleiser den Fachbereich für kaufmännische Berufe und Verwaltungsberufe. Promoviert hat der diplomierte Volkswirt in Philosophie. "Eine echte Überzeugungstat", sagt Gleiser. Seine Karriere habe jedenfalls durch die Promotion keinen Kick bekommen.

"Das ist oft so in wirtschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fächern," hat Gleiser beobachtet. Dort zähle weniger die Promotion als der frühe Einstieg in die Berufswelt. Manchmal stünden Geisteswissenschaftler, aber auch BWLer mit Promotion regelrecht unter dem Verdacht, sich dadurch noch ein paar Jahre vor dem Arbeitsalltag gedrückt zu haben. Wer jedoch eine Karriere in naturwissenschaftlichen Fächern anstrebt, genauer: in Forschung und Entwicklung, der kommt um eine Promotion nicht herum. "Aber auch dies weicht auf", meint Gleiser. So sei der Doktortitel für Chemiker nahezu obligatorisch, für Chemiker mit einer Position im Vertrieb oder Physiker mit einem Job in DV- oder Dienstleistungsbereichen hingegen "eigentlich überflüssig".

"Die Wirtschaft schätzt die Promotion als Statussymbol, bewertet sie aber immer schlechter", faßt Professor Dr. Oswald Neuberger von der Wiso-Fakultät an der Uni Augsburg zusammen. "Hier drinnen in der Uni geht es um wissenschaftliche Exaktheit, manchmal bis hin zur Haarspalterei. Draußen in den Unternehmen sind schlecht strukturierte Probleme unter Zeitdruck zu lösen."

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