Wahl 2009 Der Wahlkampf im Internet

Die Nachwuchspolitiker buhlen um Wähler und Aufmerksamkeit - vor allem online. Erfolgreich sind sie nicht. Bekannter sind hingegen die Stars der großen Parteien, die sich derzeit auch im Netz dem Wahlkampf stellen. Doch hilft dies, um junge Wähler an die Urne zu locken?

Max Haerder | , aktualisiert

Jugend und Politik, das war noch nie eine große Liebe. Bei der letzten Bundestagswahl machte niemand so selten seine Kreuzchen wie die unter 35-Jährigen. Je nach Jahrgang lag die Wahlbeteiligung zwischen 66 bis 75 Prozent. Und damit mal wieder deutlich unter Durchschnitt - alle vier Jahre ein ähnlich trübes Bild.

Das soll jetzt endlich anders werden. Sämtliche Parteien drängen dorthin, wo sie ihr brachliegendes Wählerpotenzial vermuten: ins Netz. Da will sich in diesem Wahlkampf niemand überholen lassen. Alle haben ihre Auftritte renoviert, SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bloggt seit neuestem, die FDP steckt sogar erstmals mehr Geld in die Online-Kommunikation als in ihre Plakate. Dass aber selbst die Online-Offensiven, immer wieder gefordert und befeuert von den eigenen Jugendparteien, wenig bringen, beweist eine neue Studie zur politischen Beteiligung im Netz. Gerade für Nachwuchspolitiker ist das eine schlechte Nachricht. Denn sie müssen besonders um Aufmerksamkeit ringen.

Die Sozialwissenschaftler Martin Emmer und Jens Wolling von der TU Ilmenau zeigen, dass die unter 30-Jährigen so intensiv im Internet leben und sich dort informieren wie keine andere Altersgruppe. Gleichzeitig aber stagniert seit Jahren ihr Interesse, wenn es konkret um Parteien, Inhalte und Personal geht.

Der Wandel im politischen Engagement

Engagement sieht heute eben anders aus. Ein Klick für die Online-Petition und schon hat man sich politisch engagiert. Seit 2002 verdoppelte sich die Beteiligung der Jungen an solchen Aktionen nahezu, fanden Emmer und Wolling heraus. Ihr Fazit: Die Jugend pflege einen "grundsätzlich anderen Politikstil". Ihr gehe es zwar um politische Diskussion, allerdings weniger "um die politische Einflussnahme im Rahmen fester Strukturen".

Das ist wenig rühmlich für Julis, Jusos, Junge Union, Linksjugend und Grüne Jugend. Ihnen allen ist gemeinsam: Es fehlt die Strahlkraft. Die Vorsitzenden kennt kaum jemand. Der bekannteste unter ihnen ist noch Philipp Mißfelder, der Chef der Jungen Union. Berühmt und berüchtigt geworden ist er durch die Forderung, 85-Jährigen keine künstlichen Hüftgelenke mehr zu bezahlen.

Auch bei "Juli TV", der Youtube-Plattform der Jungen Liberalen, zeigt der Einstiegsfilm erst die Stars: Doku-Aufnahmen feiern den historischen Auftritt Hans-Dietrich Genschers auf dem Balkon der Prager Botschaft kurz vor dem Mauerfall; danach beschwört FDP-Chef Guido Westerwelle den "Geist der Freiheit". Erst dann darf Johannes Vogel ran. Johannes wer? Vogel, 27 Jahre, ist immerhin seit fünf Jahren Juli-Bundesvorsitzender; fast so lange wie sein einstiger Vorgänger Westerwelle. Weithin unbekannt ist er trotzdem. Für Martin Kroh, Politologe am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sind die Nachwuchspolitiker an ihrer Lage selber schuld: "Die Jugendparteien bilden zwar beeindruckend viele Interessen ab, aber in den öffentlichen Debatten tauchen sie kaum auf."

Und nicht nur wenn es darum geht, junge Wähler online für Politik zu mobilisieren, sieht die Bilanz der Jungpolitiker bescheiden aus. Auch außerhalb des Internets müssen die Jugendparteien kämpfen. Die Junge Union stagniert seit Jahren bei rund 130000 Mitgliedern, die Jusos bei 70000. Die Verbände der anderen drei Parteien kratzen gemeinsam gerade mal an der 20000-Mitglieder-Grenze. Auf so viele Unterstützer kommt auch die deutsche Abteilung von Attac. Die allerdings gibt es erst seit wenigen Jahren.

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