Vorstellungsgespräch Gemeinsamer Tanz in den Job

Vor dem Bewerbungsgespräch bekommt der Bewerber oft Tipps, wie er sich zu verhalten hat. Nicht immer sind sie hilfreich. Zwei Personalexperten erzählen, welche Regeln zu beachten sind und was im Gespräch wichtig ist.

Rebecca Welsch, wiwo.de | , aktualisiert

Gemeinsamer Tanz in den Job

Tanz 2

Foto: tatoman / Fotolia.com

Bewerber können beim Vorstellungsgespräch einen guten ersten Eindruck hinterlassen, wenn sie fünf wichtige Ratschläge ernst nehmen. Sie wurden von der Jobsuchmaschine Jobrapido zusammengestellt. Die Personalexperten Felicitas von Kyaw und Jürgen Hesse ordnen ein, wie hilfreich diese Tipps wirklich sind und worauf es ihnen bei Bewerbern ankommt.

1. Vorab Informationen sammeln

Wer sich vorab auf der Homepage des Unternehmens, das die Stelle ausschreibt, oder in sozialen Netzwerken über das Unternehmen informiert, kann im Vorstellungsgespräch mit gezielten und wohlüberlegten Fragen zeigen, dass  man die Branche kennt. Zudem hinterlässt es einen guten Eindruck, wenn man die Antworten notiert. So zeige man seinem Gegenüber, dass man wert auf seine Informationen lege. Soweit Ratschlag 1.

"Grundsätzlich ist es richtig, sich Fragen zu überlegen und mitzuschreiben", sagt Hesse. Allerdings müsse man dabei den richtigen Rahmen finden: "Der Personaler sollte nicht das Gefühl bekommen, protokolliert zu werden."

Felicitas von Kyaw erwartet mehr Vorbereitung: "Eine einfache Onlinerecherche reicht nicht aus." Auch der Bewerber müsse sich überlegen, was er selber will und von dem Unternehmen als Arbeitgeber erwartet. "Der Bewerber sollte sich ein ganzheitliches Bild verschaffen, sich auch über seine Motivation, die Position und Aufgaben im Unternehmen bereits im Vorfeld Gedanken machen." Immerhin müsse auch der Bewerber dann in dem Gespräch feststellen, ob das Unternehmen und die Rolle tatsächlich zu ihm passt. Von Kyaw kommt es in diesem Zusammenhang auf die Fragen an: "Stellt ein Bewerber im Gespräch keine, fällt mir das negativ auf. Es ist eine ungenutzte Chance."

Zur Person

Jürgen Hesse ist Job-Coach. Zusammen mit Hans Christian Schrader gehört er zu den führenden deutschen Experten im Bereich der Bewerbungs- und Karriereberatung. In den letzten 35 Jahren veröffentlichten Hesse/Schrader über 200 Sachbücher zu den Themengebieten. 1992 gründete Hesse sein eigenes Beratungsunternehmen für Berufsstrategie (berufsstrategie.de) in Berlin. Weitere Standorte in Hamburg, Köln, Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf folgten.

Felicitas von Kyaw ist Personalleiterin des Geschäftsbereichs Customers & Solutions des Energiekonzerns Vatenfall. Zudem ist sie Beisitzerin im Bundesverband der Personalmanager.

2. Die richtige Kleiderwahl

Der nächste Tipp dreht sich um das Outfit. Jobrapido empfiehlt, nicht nur auf ein gepflegtes Äußeres zu achten, sondern sich auch modisch der Stelle anzupassen, auf die man sich beworben hat. So sollten Leute, die bei einer Bank vorsprechen, auf Jeans verzichten. Bewerber für Kreativagenturen sollten hingegen nicht im Anzug erscheinen.

Hesse und von Kyaw stimmen zu: "Die richtige Kleiderwahl gehört zu den grundlegenden Umgangsformen, die eingehalten werden sollten", sagt von Kyaw. Dafür gibt es aber keine pauschale Lösung, man sollte sich am Umfeld und der Rolle orientieren.

3. Souveränität und Selbstbewusstsein austrahlen

Bewerber sollen im Gespräch ein "gesundes Selbstbewusstsein" zeigen – das sei der Schlüssel zu einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch. Einen großer Teil der Wirkung erziele der Bewerber mit der Körperhaltung: Am besten sei es, auf eine gerade Haltung zu achten, die Arme nicht zu verschränken und es sich nicht zu bequem auf dem Stuhl zu machen. Dabei sei allerdings viel Fingerspitzengefühl gefragt, um nicht gleich steif oder sogar überheblich zu wirken. Das Ganze bedeute aber nicht, dass man seine eigene Persönlichkeit verstecken oder sich völlig verstellen solle.

"Bei Souveränität geht es nicht nur um Körperhaltung", sagt Hesse. Wichtig sei das Gesamtpaket: "Sie können einen Professor Doktor vor sich sitzen haben, wenn er schlecht riecht, stellen sie ihn auch nicht ein." Um souverän zu wirken, sei es nicht nur wichtig, selbstbewusst zu sein, man sollte auch andere Kriterien wie Aufgeschlossenheit, Kleidung oder Pünktlichkeit erfüllen.

Auch von Kyaw achtet bei Souveränität nicht nur auf Körperhaltung: "Um souverän zu wirken, ist die Vorbereitung wichtig. Gute Selbstreflexion und eine vernünftige Selbsteinschätzung gehören dazu." Dazu gehöre auch, sich klar zu machen, was man sich von dem Unternehmen und der konkreten Position erhofft. Um sich nicht selbst zu loben, sei es hilfreich, andere Menschen in Bezug auf sich zu zitieren. Aber auch kleine Fauxpas seien kein Drama: "Ich persönlich sehe darüber hinweg, wenn jemand anfangs aufgeregt ist. Das ist doch nur natürlich", sagt von Kyaw. Denn nicht nur Souveränität, auch die persönliche Note, Menschlichkeit und Enthusiasmus seien wichtige Einstellungskriterien: "Es ist okay, Humor zu zeigen und gemeinsam zu lachen, wenn eine Kaffeetasse umfällt."

4. Ehrlichkeit bei Lücken im Lebenslauf

Lücken im Lebenslauf sollten Bewerber nicht vertuschen oder schönen, sondern lieber schlüssig erklären. Man sollte gleichzeitig keine Eigenschaften angeben, die man später im Job nicht vorweisen kann. Lügen seien "ein Kartenhaus, das schnell zusammenfallen kann."

"Man muss grundsätzlich nicht alles erzählen", sagt Hesse. Ehrlichkeit sei so eine Sache: die eine Hälfte der Personaler würde sie honorieren, die andere nicht. "Ein Bewerbungsgespräch ist ein bisschen wie ein Rendezvous, man wirbt für sich. Da zählt man nicht schon am Anfang seine Schwächen auf." Grundsätzlich müsse man abwägen, wie offen und ehrlich man über seine Probleme redet. "Kein Personaler glaubt einem, dass man der Tollste und Beste ist", sagt Hesse. "Da muss man ja nicht nochmal extra die Schwächen aufzählen."

"Der Bewerber muss sich darüber im Klaren sein, dass er mit dem Unternehmen eine Beziehung eingeht", sagt von Kyaw. Die Frage sei, ob er wolle, dass die Beziehung von Anfang an auf Lügen basiere. Von Kyaw würde zur Gradlinigkeit raten. Lücken im Lebenslauf seien zunehmend Normalität, der Bewerber sollte dann eher versuchen hervorzuheben, wie er damit umgegangen ist. Grundsätzlich sollte der Bewerber natürlich versuchen, die Dinge in den Vordergrund zu rücken, die für ihn sprechen.

5. Handy im Vorstellungsgespräch

Ein Vibrationsalarm oder lautes Handyklingeln während des wichtigen Termins seien kein Kavaliersdelikt, warnt die Jobsuchmaschine – und ans klingelnde Handy ranzugehen erst recht nicht. Man suggeriere dem Personalchef damit, dass man ihn nicht wirklich respektiere. "In der Regel kann man die Stelle, für die man sich beworben hat, nach einem solchen Auftritt im Vorstellungsgespräch abschreiben." Hesse stimmt zu: "Sobald ich die Firma betrete, mache ich das Handy aus."

Für von Kyaw dagegen ist ein klingelndes Handy kein Ausschlusskriterium, wenn der Rest stimmt: "Grundsätzlich dient ein Vorstellungsgespräch dazu, sich bewusst füreinander Zeit zu nehmen, dabei stört ein Handy. Wenn es doch klingelt, einfach ausmachen und kurz entschuldigen." Deutschland sei in dieser Hinsicht noch etwas konservativ: "In anderen Ländern liegen die Handys in Besprechungen immer auf dem Tisch."

Expertentipp: Gelassen bleiben

Grundsätzlich raten die Bewerbungsexperten, das Gespräch entspannt anzugehen. Das Allerwichtigste sei die gute Vorbereitung: "Vieles ist ganz einfach, wenn man es mal richtig durchdenkt", sagt Hesse. Es gehöre dazu, bei einem Vorstellungsgespräch nervös zu sein, das wüssten die Personaler auch. Auch von Kyaw rät dem Bewerber, gelassen zu bleiben: "Der Arbeitsmarkt wird immer offener und die Rollen verändern sich." Ein Arbeitsverhältnis sei wie ein Tanz, den man nur zusammen gut tanzen könne. Das sei auch den Unternehmen klar.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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