Volker Schlöndorff "Regieführen ist Diplomatie"

Regisseur Volker Schlöndorff erlebte beim Deh von Homo Faber seinen persönlichen Albtraum. Verzögerungen, Budgetprobleme und Schauspieler mit Starallüren - der Dreh des Films stand unter keinem guten Stern.

Mariam Schaghaghi | , aktualisiert

Mein schlimmster Job war "Homo Faber". Das sieht man dem Film zum Glück nicht an - aber damals dachte ich: Wir brechen ab, die Firma ist ruiniert, der Film wird nie fertig. Es ging damit los, dass wir den Dreh um ein Jahr verschieben mussten. Durch die vielen Drehorte - Mexiko, New York, Italien, Griechenland - wurde der Film zu teuer, um ihn auf Deutsch zu drehen. Das Schlimmste war, Max Frisch mitzuteilen, dass es ein Jahr später wird, er hatte am Drehbuch mitgearbeitet und sich auf einen früheren Beginn eingestellt.

Ein Jahr später legten wir in Mexiko los, auf Englisch und mit Sam Shepard in der Hauptrolle. Nach zwei Wochen musste ich mir einen neuen Kameramann suchen. Unserer war viel zu langsam. Dabei hatte ich den Mann immer bewundert.

Probleme mit dem Hauptdarsteller

Dann litt Shepard unter Flugangst. Es gab keine Transatlantikschiffe, also musste er fliegen. "Wenn ich die Concorde nehme", meinte Sam, "dann geht's, dann sind es nur dreieinhalb Stunden. Ich habe nämlich nur Platzangst und kann nicht so lang eingesperrt sein." Er landete in Paris. Sturzbetrunken, keine Stewardess war vor ihm sicher. Nach drei Tagen sagte er mir: "Du, ich hab's mir anders überlegt. Ich bin Schriftsteller, kein Schauspieler. Wenn ich meine Gefühle vor der Kamera preisgebe, komme ich mir vor wie eine Prostituierte."

Er wollte echt hinschmeißen. Das hättest Du Dir früher überlegen müssen, sagte ich, Du kriegst hier eine Menge Geld, ein Drittel ist abgedreht - wir können Dich nicht ersetzen! Er blieb. Aber als wir auf einem Kreuzfahrtschiff drehten, sagte er, er könne nicht spielen, wenn auch nur ein anderer Passagier zu sehen sei. Es war aber nun mal ein Kreuzfahrtschiff! So ist das eben, Filme macht man mit 40 unberechenbaren menschlichen Elementen. Regieführen ist vor allem Diplomatie.

Das Härteste war, dass Max Frisch an Krebs erkrankte und starb, bevor wir Premiere hatten. Es war die Hölle. Auch wenn der Film letztlich so schön wurde, habe ich sieben Jahre nicht gedreht. Ich brauchte ein Sabbatical - und lernte meine Frau kennen. Ohne "Homo Faber" hätte ich sie nicht getroffen und auch keine Tochter, die gerade Abitur macht. Seitdem bin ich ein glücklicher Mensch. Phönix aus der Asche.

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...