Versicherungsmathematiker Nichts für einsilbige Mathe-Freaks

Sie berechnen Risiken und kalkulieren Tarife: Aktuare entwickeln Versicherungsprodukte. Die Berufschancen für Versicherungsmathematiker sind glänzend.

Markus Schleufe, zeit.de | , aktualisiert


Foto: Thorben Wengert/Pixelio

Auf Risiko programmiert

Wer heute eine Lebensversicherung abschließt, kann zwischen vielen verschiedenen Angeboten wählen. Individuell angepasst soll das Angebot sein. Und flexibel. Ebenso die Berufsunfähigkeitsversicherung. Oder die Hausratsversicherung. Oder, oder, oder.

Entwickelt werden all diese Angebote von Versicherungsmathematikern, auch Aktuare genannt. Ihr Job ist es, die Risiken zu berechnen und zu bewerten und anhand ihrer Berechnungen die Tarife und Beiträge zu entwickeln.

Welche Risiken bestehen? Welche Leistungen sieht das Produkt im Schadensfall vor? Wie hoch muss dann die Deckung sein – und welche Höhe müssen die Rücklagen mindestens haben? Nur wenn das Versicherungsunternehmen ausreichend Geld zur Verfügung hat, können die zugesagten Leistungen im Schadensfall auch erbracht werden.

Entwicklung komplexer Produkte

Trotzdem verbringen Aktuare einen großen Teil ihrer Arbeitszeit nicht allein mit Berechnungen. "Die Arbeit ist vielseitig. Eine Versicherung ist im Prinzip mit einem Auto vergleichbar", sagt Claudia Andersch, Mitglied des Vorstands der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und Vorstandsmitglied der CosmosDirekt Versicherungen.

"Versicherungen sind komplexe Produkte. Wenn eine Versicherung entwickelt wird, sind daran viele Spezialisten beteiligt. Fast so wie bei der Entwicklung von einem neuen Auto."


Foto: Thorben Wengert/Pixelio

Statistik und Stochastik sind ein Muss

Aktuare entwerfen und kalkulieren Versicherungsprodukte. Dazu brauchen sie Kreativität und viel Sachverstand, denn sie müssen verschiedene Szenarien durchdenken und zukünftige Wahrscheinlichkeiten mit einkalkulieren.

Beispiel Krankenversicherung: Wie wird sich das Gesundheitssystem in Zukunft verändern? Welche Leistungen kann die Versicherung erbringen, wenn der Anteil der älteren Kunden steigt? "Aktuare rechnen bisweilen weit in die Zukunft. Was passiert in 20 Jahren mit meinem Kunden? Wie sieht ein Unternehmen in 50 Jahren aus? Die Rechenmodelle sind sehr abstrakt", sagt Andersch.

Statistik und Stochastik sind ein Muss. Wer in diesem Beruf arbeiten möchte, braucht eine mathematische Ausbildung. Viele haben ein Mathematikstudium abgeschlossen. Auch betriebswirtschaftliches Verständnis gehört zum Job.

Mit Überblick über den Gesamtmarkt

Aktuare müssen überdies den Versicherungsmarkt kennen, die vorhandenen Produkte auf dem Markt einschätzen können und wissen, was die Konkurrenz macht. Weil die Mathematiker zumeist an den Schnittstellen innerhalb eines Versicherungsunternehmens arbeiten und auch Kundenkontakt haben, benötigen sie außerdem Kommunikationsvermögen. Für einsilbige Mathefreaks taugt dieser Beruf nicht.

Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend an der Deutschen Aktuar-Akademie (DAA) und dauert drei Jahre. Während der Ausbildung lernen Mathematiker alles, was man für den Job bei einer Versicherung braucht: Wie kalkuliere ich einen Tarif? Welche stochastischen Modelle benötige ich?

Auf dem Stundenplan stehen Finanz- und Schadenversicherungsmathematik, Risikotheorie sowie Personenversicherungsmathematik und Versicherungswirtschaftslehre. Erst nach der Prüfung können die Matheexperten die Mitgliedschaft in einer nationalen Aktuarsvereinigung beantragen und den Titel Aktuar führen.


Foto: Thorben Wengert/Pixelio

Jonglieren mit Zahlen

Jobs gibt es viele, Versicherungsmathematiker sind sehr gefragt. Zum einen gibt es ohnehin wenig Mathematiker, und an Rechenexperten, die auf Finanzen und Versicherungen spezialisiert sind, haben viele Arbeitgeber Bedarf.

Außer bei Versicherungen arbeiten Aktuare bei Banken, Finanzaufsichten, Finanzberatungsunternehmen und Behörden. Das Einstiegsgehalt liegt bei 3.200 Euro brutto aufwärts.

Schattenseiten hat der Beruf laut Andersch kaum. Der Job ist allerdings fast eine reine Bürotätigkeit. Trotzdem kann es stressig sein, denn Zahlen müssen termingerecht abgeliefert werden. "Man jongliert mit hohen Zahlen, da darf man sich nicht verrechnen. Da trägt man Verantwortung. Andererseits stellt genau das die Herausforderung dar", sagt Andersch. "Es dreht sich eben alles um die Frage: Was wäre wenn?"

In Kurzform

Gehalt: abhängig von der Erfahrung ab 3.200 Euro/brutto;
Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden/Woche;
Ausbildung: Studium der Mathematik, zusätzlich dreijährige Ausbildung zum Aktuar an der Deutschen Aktuar-Akademie

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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