Vermeidungsstrategien bei Jobproblemen Unnötiges Unglück

Eigentlich könnte man doch ganz zufrieden sein. Wären da nicht die Alltagssorgen. Ärger mit dem Chef beispielsweise, Unzufriedenheit im Job und unnötige Streitereien mit dem Partner oder den Kindern. Warum sich Menschen unnötig unglücklich machen und wie sie das vermeiden können...

Tina Groll, Zeit.de | , aktualisiert

Unnötiges Unglück

Positiv denken im Job

Foto: olly/Fotolia.com

Viele Menschen könnten eigentlich glücklich sein, verglichen mit dem Leid, das andere auf dieser Welt ertragen müssen. Die meisten Deutschen sind gesund, haben eine Familie und Freunde, eine Wohnung, ein ausreichendes Einkommen – und die allermeisten können auch sofort entweder einen Menschen oder eine ideelle Sache nennen, die sie mit Sinn erfüllt. Und warum scheint das Gras auf der anderen Seite trotzdem grüner zu sein?

Es ist schon ein Phänomen, dass sich Menschen selten mit dem zufrieden geben, was sie selbst haben.

Wie man diese Selbstzufriedenheit erreicht, damit beschäftigt sich unter anderem auch die positive Psychologie, mittlerweile eine anerkannte Strömung der Psychologie. Seit den fünfziger Jahren beschäftigen sich Psychologen statt mit dem psychischen Leiden der Menschen mit den positiven Emotionen und psychischen Zuständen.

Notwendig: Positives Coaching

Seit den neunziger Jahren erfährt die positive Psychologie nicht zuletzt durch das Entstehen der ebenfalls positiv ausgerichteten Coachingbranche und dem Trend der Lebensberatungen einen regelrechten Boom. Interessant sind in vielerlei Hinsicht aber die vielfältigen wissenschaftlichen Studien, die diesen Ansatz verfolgen: Demnach gibt es zehn Hauptursachen dafür, dass viele Menschen sich nicht so zufrieden und glücklich fühlen, wie sie eigentlich könnten.

1) Man hat unrealistisch hohe Erwartungen
– und wird enttäuscht, wenn nicht alles reibungslos verläuft. Bestes Beispiel: ein harmonisches Weihnachtsfest mit der Familie. Gibt es in den seltensten Fällen, weil immer jemand schlechte Laune hat oder es irgendwie stressig wird.

2) Man hält sich grundlos für etwas ganz Besonderes.
Zwar spricht nichts gegen ein starkes Selbstbewusstsein – wer sich aber für Außergewöhnlich hält, wird meist dann enttäuscht, wenn andere das nicht so sehen und den vermeintlich Außergewöhnlichen ganz normal behandeln.

3) Man hält die falschen Werte für die einzig richtigen.
Wer etwa nur dem Geld hinterherläuft, wird in der Regel dann enttäuscht, wenn sich einmal im Leben zeigt, dass Geld nicht alles ist. 

4) Man gewöhnt sich an das, was man erreicht hat
– und will immer mehr. Sicherlich spornt es an, immer nach Neuem zu streben und sich hohe Ziele zu setzen – wer aber dabei aus den Augen verliert, was bereits erreicht wurde, verliert die Verhältnismäßigkeit. Besser ist es, sich an dem Erreichten zu erfreuen.

TIPP:
Wer unzufrieden in seinem Job ist, ist gut beraten, sich in der Branche einmal umzusehen und sich folgende Fragen zu stellen:

5) Man erwartet von anderen, dass sie einen glücklich machen.
Wer vom Partner, der Familie oder Freunden erwartet, dass sie für das persönliche Glück zuständig sind, der macht sich nicht nur abhängig von anderen – das Risiko ist auch groß, enttäuscht zu werden, wenn diese Dritten andere Prioritäten setzen. 

6) Man fürchtet die Enttäuschung und strebt daher gar nicht erst nach Glück.
In der Erwartung, sowieso nicht gewinnen zu können, versuchen viele Menschen erst gar nicht, ihres eigen Glückes Schmied zu werden. Ob Partnersuche oder Suche nach dem Traumjob – wer gar nichts erst wagt, kann zwar auch nicht verlieren. Aber er schließt eben auch im Vorfeld schon ein paar Chancen aus.
TIPP:
Wer unzufrieden in seinem Job ist, ist gut beraten, sich in der Branche einmal umzusehen und sich folgende Fragen zu stellen:


7) Sich mit Pessimisten umgeben.
Unzufriedenheit wird psychologischen Untersuchungen zufolge häufig noch von außen verstärkt. Wer sich viel mit negativ denkenden Menschen umgibt, wird sich also seltener über auch positive Nachrichten freuen. Denn wenn das direkte Umfeld sofort daran etwas Schlechtes sieht oder mögliche Sorgen und Zweifel aufwirft, fällt der positive Blick umso schwieriger.

8) Zu glauben, dass Glück und Zufriedenheit der natürliche Zustand seien.
Glücklich sein zu können und sich zufrieden zu fühlen, sind innerliche Zustände – und sie sind leicht vergänglich. Das merkt man spätestens, wenn das Schicksal wirklich zuschlägt und man sich ernsthafte Sorgen um die eigene Gesundheit, um Freunde und Angehörige machen muss – oder einen geliebten Menschen verliert. Aber auch Menschen in Trauer können sich zufrieden fühlen. Man sollte aber nicht davon ausgehen, dass dies der natürliche Zustand ist, denn dann kann man diesen auch nicht wertschätzen.

9) Anzunehmen, dass auf etwas Gutes immer etwas Schlechtes folgen wird.
Manche vermeintlich Schicksalsgläubige gehen fest davon aus, dass sich Gutes und Schlechtes abwechseln – und sie verfallen daher in Zweifel und Sorge, sobald ihnen etwas Gutes passiert. Weil sie befürchten, dass ihnen als nächstes etwas Schlechtes widerfahren könnte, sind sie nicht in der Lage ihr Glück zu genießen. Das mindert aber nur die Lebensqualität.

10) Seine eigene Leistung nicht wertzuschätzen.
Wer seine Erfolge immer nur äußeren Faktoren wie dem Zufall oder Glück zuschreibt, der spricht sich nicht nur die Kompetenz ab. Er ignoriert auch die eigene Leistung. Glücklich macht, seine eigene Arbeit wertzuschätzen – dann kann man auch gelassener Herausforderungen annehmen, weiß man doch, was man schon geleistet und gemeistert hat.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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