Unternehmensranking Wo Bewerber glücklich sind

Intransparente Webseiten, Floskeln statt Informationen und Bewerbungsverfahren wie aus den 90ern: Unternehmen machen es Bewerbern nicht leicht. Aber es gibt sie, die innovativen Arbeitgeber.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Wo Bewerber glücklich sind

Bewerber 2

Foto: Andrey Popov / Fotolia.com

Wer online nach einem neuen Job sucht, bekommt einiges zu sehen: "Du bist das Verkaufstalent (m/w), welches wir fördern möchten!" warb ein IT-Dienstleister – vermutlich um Vertriebsmitarbeiter.

Weiter geht es in der Stellenanzeige mit folgendem Text:

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Eine Personalberatung sucht eine "Werteorientierte Führungskraft als Driver und People Manager", die Lust darauf hat, sich mit Aufgaben zu beschäftigen, die nicht alltäglich sind. Und ein Autobauer hat eine Stelle für "Praxis-Fortzubildender Produktmarketing m/w" ausgeschrieben.

Bei Bewerbern kommen derartige Ausschreibungen nicht gut an. Sie haben ganz klare Erwartungen, wie sich ein Unternehmen in seinen Stellenanzeigen präsentieren sollte. Das zeigt die diesjährige Studie der Unternehmensberatung Potentialpark. Das Unternehmen hat 28.007 Studenten weltweit befragt, wie sie die Bewerberansprache von insgesamt 461 Unternehmen bewerten.

Bewerber bevorzugen Klarheit und Transparenz

Aus Deutschland haben 1312 Studierende aus den Fachrichtungen BWL, Ingenieurwissenschaften, Jura und Geisteswissenschaften teilgenommen, die sich mit der Bewerberfreundlichkeit von 147 deutschen Betrieben auseinandergesetzt haben. Sie bewerteten die Karrierewebseiten, Bewerbungsformulare, die Ansprache auf Facebook, LinkedIn, Instagram und Twitter sowie die Bewerbungsmöglichkeiten per Smartphone oder Tablet.

Grundsätzlich wollen die Studenten, dass die Unternehmen ehrlich und transparent zeigen, was auf neue Mitarbeiter zukommt. Das Unternehmen müsse für den Bewerber "menschlich und greifbar" werden, sagt einer der befragten Studenten. Stattdessen sind viele Stellenanzeigen standardisiert und voller Floskeln.

Außerdem scheinen viele Unternehmen ihren Bewerbungsprozess als Assessment-Center misszuverstehen und gestalten ihn unnötig kompliziert. Nach dem Motto: "Wer es wirklich ernst meint, der hält durch." Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass deutsche Personalchefs von sich behaupten, dass es ihre größte Herausforderung sei, Mitarbeiter zu rekrutieren und dauerhaft an sich zu binden. Zumindest sagten das die Teilnehmer einer Umfrage von Kienbaum Communications und dem Staufenbiel Institut.

Es gibt aber auch Unternehmen, die ihre Sache richtig gut machen.

Grundsätzlich haben Unternehmen, die sich trauen, etwas Neues ausprobieren, bei den Bewerbern die Nase vorn. Laut der Potentialpark Studie gibt es auch in Deutschland viele Arbeitgeber, die auf die Vorlieben der jungen Generation aktiv eingehen. Immer mehr Unternehmen machen die mobile Bewerbung möglich oder probieren neue Kanäle aus wie Instagram und Snapchat.

Das goutieren die Studenten und küren sie zu den kandidatenfreundlichsten Unternehmen in Deutschland. "Sie haben alle eines gemeinsam, sie setzen verstärkt auf Transparenz und Zugänglichkeit in der Kommunikation mit den Mitarbeitern von morgen", heißt es in der Studie. "Das generelle Fazit: Heutzutage sitzt die Krawatte deutlich lockerer im Kontakt mit den Kandidaten."


Das sind die 30 bewerberfreundlichsten Unternehmen


  • 1. Fresenius

Die Bewertung des Gesundheitskonzerns Fresenius ist im Vergleich zum letzten Jahr unverändert: Fresenius ist das bewerberfreundlichste Unternehmen Deutschlands. In den Kategorien Online-Bewerbung, Karrierewebsite und mobiles Bewerben belegt Fresenius bei 28.007 von den Meinungsforschern und Unternehmensberatern Potentialpark befragten Studenten den ersten Platz.


  • 2. Deutsche Telekom

 Das Telekommunikationsunternehmen belegte vergangenes Jahr noch Platz 1. Ausgerechnet in den Unterkategorien Online-Bewerbung und mobiles Bewerben schaffte es die Telekom in diesem Jahr nicht unter die Top Fünf. Sie belegt Platz sieben bei der Online-Bewerbung und Platz neun bei der mobilen Bewerbung. Für den Social Media-Auftritt reicht es aus Sicht der Bewerber für Platz vier.


  • 3. Deloitte

2016 noch Platz sechs, belegt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Jahr 2017 den dritten Rang. Besonders die Karrierewebsite und der Social Media-Auftritt des Unternehmens überzeugten die Bewerber.


  • 4. EY (Ernst & Young)

Für die Unternehmensberatung ging es im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze nach unten. EY belegt in der Kategorie Social Media zwar den ersten Platz, doch die mobile Bewerbung macht den Befragten offenbar bei EY noch nicht so viel Freude (Platz 17). 


  • 5. Thyssenkrupp

Einer der Aufsteiger des Jahres ist der Stahlkonzern Thyssenkrupp. 53 Plätze machte das Unternehmen wett – von Rang 58 geht es hoch auf Rang fünf. Die Stärken des Konzerns aus Sicht der Bewerber sind die Karriere-Website und die Online-Bewerbung.


  • 6. Infineon

Um einen Platz nach unten geht es für den Halbleiterhersteller Infineon. Die besondere Stärke des Unternehmens liegt in der Kategorie "Mobile". Hier vergaben die Teilnehmer Platz drei.


  • 7. Allianz

Die Münchner Allianzversicherung belegt Platz sieben. In zwei Kategorien (Mobile und Online Bewerbung) schafft es das Unternehmen in die Top Fünf. Im Vorjahr reichte es in der Gesamtwertung übrigens nur für Rang 14.


  • 8. BASF

Der Chemiekonzern aus Ludwigshafen kommt auf Rang acht und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze verschlechtert. Trotzdem schafft es BASF in den Kategorien Karriere-Website und Online-Bewerbung unter die Top vier.


  • 9. Bayer

Bayer hat ganze 22 Plätze gutgemacht und belegt nun Rang neun. Bei der Online-Bewerbung und in der Kategorie Mobile schafft es der Chemiekonzern nur auf die Plätze 27 beziehungsweise 25, aber in der Kategorie Social Media reicht es immerhin für Platz fünf.


  • 10. SAP

Auf Platz zehn der bewerberfreundlichsten Unternehmen hat es die Software-Schmiede SAP geschafft. Das ist ein Plus von erstaunlichen 77 Plätzen


  • 11. Accenture

Die Strategieberater von Accenture büßten im Ranking einen Platz ein und landen anstatt auf Rang zehn nur noch auf Rang elf.


  • 12. Peek & Kloppenburg

Drei Plätze nach unten ging es für Peek & Kloppenburg.


  • 13. ProSiebenSat1 Media

Die Sendergruppe Pro Sieben und Sat 1 Media büßte zwei Plätze ein und landet auf Platz 13.


  • 14. KPMG

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG belegt in der Bewerbergunst Platz 14 und macht damit 30 Plätze gut.


  • 15. Rohde & Schwarz

Der Elektronikkonzern Rohde & Schwarz macht sechs Plätze gut und kommt somit auf Platz 15.


  • 16. Altana

Einen Platz nach oben geht es für Altana.


  • 17. Intel

Auch Intel verbesserte sich um einen Platz und belegt nun Rang 17.


  • 18. Airbus Group

Bewerber der Airbus Group sind mit dem Bewerbungsablauf nicht mehr so zufrieden, wie es ihre Vorgänger im letzten Jahr gewesen sind. Von Platz 15 geht es runter auf Rang 18.


  • 19. Targobank

Die Targobank ist der Aufsteiger schlechthin im Ranking. Das Unternehmen hat sich in der Wahrnehmung der Bewerber im Vergleich zum Vorjahr um ganze 108 Plätze verbessert.


  • 20. Otto

13 Plätze runter ging es dafür für das Versandunternehmen Otto.


  • 21. Vodafone

Der Mobilfunkanbieter Vodafone verbesserte sich um stolze 97 Plätze und belegt jetzt Rand 21.


  • 22. Carls Zeiss

Ebenfalls einen stolzen Aufstieg kann Carl Zeiss verbuchen: Von Platz 68 ging es hoch auf Platz 22.


  • 23. zeb

Die auf den Finanzsektor spezialisierte Unternehmensberatung zeb belegt Platz 23.


  • 24. ABB

Zwölf Plätze runter ging es für ABB.


  • 25. adidas Group

Der Sportartikelhersteller belegt in diesem Jahr Platz 25. Vergangenes Jahr reichte es dagegen nur für Platz 89.


  • 26. Roche

Der Pharmakonzern Roche verliert: Von Rang 13 im letzten Jahr ging es bergab auf Platz 26.


  • 27. Henkel

Der Konsumgüterkonzern fällt i der Gunst der Bewerber ebenfalls ab: 19 Plätze ging es nach unten. 2017 reicht es also nur noch für Platz 27, statt wie zuvor für Platz acht.


  • 28. Bosch

Bei Bosch darf man sich um einen Aufstieg von immerhin 24 Plätzen freuen.


  • 29. Tchibo

Tchibo belegt Platz 29 im Ranking der bewerberfreundlichsten Unternehmen Deutschlands.


  • 30. Hays

Der Personalvermittler Hays hat bei seinen eigenen Bewerbern 37 Plätze gut gemacht und belegt nun Rang 30 der bewerberfreundlichsten Unternehmen Deutschlands.


Quelle: Potentialpark-Studie 2017
Trotz Digitalisierung und Online-Bewerbung läuft das Auswahlverfahren jedoch weiterhin klassisch ab: 98 Prozent der von Kienbaum und Staufenbiel befragten Unternehmen nutzen Vorstellungsgespräche, um sich für einen Kandidaten zu entscheiden. Immerhin 87 Prozent führen Telefoninterviews.

Weniger verbreitet ist das Assessment-Center: 53 Prozent der Unternehmen nutzen diese Methode, um einen geeigneten Bewerber zu finden. 42 Prozent der befragten Firmen machen Online-Tests oder führen Video-Interviews.



Laut der Potentialpark-Studie sind Karrierewebseiten für 94 Prozent der Studenten die Anlaufstelle Nummer eins, wenn sie sich über einen Arbeitgeber informieren wollen. Die sind allerdings nicht immer so informativ, wie es sich die Bewerber wünschen.

So sagen 60 Prozent der Jungakademiker, dass sie nach dem Lesen nicht wissen, ob ihr Profil den Anforderungen des Unternehmens entspricht und ob sie sich überhaupt bewerben sollen. Das bestätigt auch die Auswertung von Potentialpark: Nur jeder zweite Arbeitgeber stellt Informationen zu Funktionen und Rollen im Unternehmen bereit, und nicht mal jeder Vierte stellt den Arbeitsalltag der Mitarbeiter dar.

Wer trotzdem versucht, sich über die Karrierewebsite direkt zu bewerben, trifft häufig auf komplizierte, unübersichtliche Eingabemasken, kann Daten nicht oder nur eingeschränkt zwischenspeichern oder Dokumente hochladen. Da ist es kein Wunder, dass 39 Prozent schon einmal eine Bewerbung aufgrund von technischen Schwierigkeiten abgebrochen haben.

Bei diesen 30 Unternehmen lässt die Karriereseite dagegen keine Wünsche offen:


Top 30: Kategorie Karrierewebsite 

1. Fresenius

2. Deloitte

3. Deutsche Telekom

4. BASF

5. Thyssenkrupp

6. KPMG

7. Allianz

8. EY (Ernst & Young)

9. Infineon

10. Targobank

11. Bayer

12. Accenture

13. Peek&Cloppenburg

14. Rohde&Schwarz

15. ERGO

16. EnBW

17. ProSiebenSat1Media

18. Sanofi

19. ALDI Süd

20. Airbus Group

21. ABB

22. zeb

23. SAP

24. Altana

25. Maschinenfabrik Reinhausen

26. Postbank

27. Eismann

28. Enterprise Rent-A-Car

29. Tchibo

30. BMW

Fragt man die Unternehmen, welche Form der Bewerbung ihnen am liebsten ist, gibt die Mehrheit an, dass sie Bewerbungen über Online-Formulare oder die eigene Karrierewebsite bevorzugt. Außerdem erzielen die Befragten mit Online-Kanälen die besten Erfolge: Auf Platz eins der erfolgreichsten Recruiting-Kanäle liegen Online-Anzeigen mit 89 Prozent, gefolgt von der eigenen Karrierewebsite mit 72 Prozent und der eigenen aktiven Personalsuche und -ansprache mit 71 Prozent. Das zeigt zumindest die Studie Recruitingstrends 2017 von Kienbaum und dem Staufenbiel Institut.

Die Umfrageteilnehmer von Potentialpark sind allerdings häufig frustriert, wenn sie sich online bewerben wollen. Die Bewerbungsformulare sähen heute noch fast genau so aus wie vor zehn Jahren. Das macht genauso einen schlechten Eindruck auf Bewerber wie umgekehrt eine fleckige Bewerbung mit Rechtschreibfehlern auf Personaler. Oder, wie einer der befragten Studenten sagt: "Wenn bereits aussen 'pfui' ist, gilt innen selten 'hui'."

Aber auch in dieser Kategorie gibt es natürlich Musterknaben:


Top 30: Kategorie Online-Bewerbung


1. Fresenius

2. ProSiebenSat1Media

3. BASF

4. Allianz

5. Thyssenkrupp

6. Infineon

7. Deutsche Telekom

8. Airbus Group

9. Carl Zeiss

10. Dell

11. Union Investment

12. Dr Oetker

13. Otto

14. Targobank

15. DEKRA

16. Rohde & Schwarz

17. EnBW

18. Vodafone

19. Altana

20. Volkswagen

21. Roche

22. ABB

23. Sky Deutschland

24. SAP

25. Deutsche Post DHL

26. Nestlé

27. Bayer

28. Tchibo

29. zeb

30. KPMG

Mit einem Fingertipp die Bewerbung per Smartphone abschicken klingt praktisch, ist im Recruiting der Unternehmen hierzulande bisher aber kaum angekommen, zeigt die Kienbaum-Studie. Mobil optimiert sind noch immer nur wenig Angebote. Nur 22 Prozent der Firmen bieten sogenannte One-Click-Bewerbungen, beispielsweise über ein Xing-Profil, an.

Aber es gibt sie, die Unternehmen mit der transparenten, informativen und mobil optimierten Karriereseite:


Top 30: Kategorie Mobile Bewerbung

1. Fresenius

2. Thyssenkrupp

3. Infineon

4. Deloitte

5. Allianz

6. Peek & Cloppenburg

7. Altana

8. SAP

9. Deutsche Telekom

10. Accenture

11. BASF

12. Nestlé

13. Ergo

14. Carl Zeiss

15. Tchibo

16. msg systems

17. EY (Ernst & Young)

18. zeb

19. TÜV Nord

20. Intel

21. Otto

22. Hays

23. Munich Re

24. Roche

25. Bayer

26. Kaufland

27. Parfumeri Douglas

28. adidas Group

29. Porsche

30. Enterprise Rent-A-Car

Die meisten Unternehmen setzen auf die klassischen Social-Media-Kanäle: 88 Prozent präsentieren sich bei Xing, 72 Prozent sind bei Facebook aktiv, 69 Prozent bei kununu und 60 Prozent werben bei LinkedIn um die Aufmerksamkeit von potenziellen Bewerbern. "Nachholbedarf haben die Unternehmen jedoch bei der Nutzung neuerer Apps: Instagram wird nur von 17 Prozent für das Employer Branding genutzt, die Job-App Truffls und WhatsApp sogar nur von sechs und fünf Prozent", sagt Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer von Kienbaum Communications, der Agentur für Arbeitgeberkommunikation.

Die befragten Bewerber wollen dagegen in den Sozialen Medien mit potenziellen Arbeitgebern kommunizieren. Nur authentisch muss es sein – und nicht zu kumpelhaft. Unternehmen sollten "nicht so tun, als ob man schon befreundet wäre", sagt eine von Potentialpark befragte Studentin.


Top 30: Kategorie Social Media


1. EY (Ernst & Young)

2. Fresenius

3. Deloitte

4. Deutsche Telekom

5. Bayer

6. KPMG

7. Allianz

8. Intel

9. Dell

10. IBM

11. Infineon

12. Deutsche Bank

13. L'Oréal

14. Rohde & Schwarz

15. Thyssenkrupp

16. Vodafone

17. SAP

18. Daimler

19. Roche

20. BASF

21. adidas Group

22. Parfumerie Douglas

23. Procter & Gamble

24. Accenture

25. Bosch

26. Hays

27. Techniker Krankenkasse

28. PwC

29. Postbank

30. TÜV Rheinland

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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