Unternehmensnachfolge Berater helfen beim Generationswechsel

Unternehmer finden in der Familie oft keinen Nachfolger - die Suche nach externen Kandidaten ist schwierig.

Andreas Schulte | , aktualisiert


Foto: S. Hainz/Pixelio
Meilenstein für vorbildliche Firmenübergaben

Die Zeit drängt in Sachsen. Bis zum Jahr 2020 stehen im Freistaat rund 25.000 Unternehmensübergaben an. Die Gründer der Wendejahre kommen ins Rentenalter – und viele von ihnen werden sich nun eines Problems bewusst: „Zu wenige Unternehmer wissen, wie sie einen Nachfolger finden“, sagt Peter Krieck, Sprecher der Bürgschaftsbank Sachsen.

Zudem gebe es zu wenige Kandidaten für eine Übernahme. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium des Landes hat die Bürgschaftsbank daher vergangenen Monat den Wettbewerb „Sächsischer Meilenstein“ ins Leben gerufen. Dieser zeichnet vorbildliche Firmenübergaben aus. „Der Wettbewerb soll zeigen, welche Möglichkeiten es gibt“, sagt Krieck. Nicht nur sächsische Firmenchefs können sich hier ein Beispiel nehmen.

Das Problem: Immer häufiger sucht der Nachwuchs in Deutschland sein Glück außerhalb des Familienbetriebs. Nur noch die Hälfte der rund 20.000 Firmen, die hierzulande jährlich vor der Übergabe stehen, finden eine familieninterne Lösung. Bei der Suche nach einem externen Nachfolger jedoch stößt dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag zufolge mehr als jeder dritte Unternehmer auf Schwierigkeiten.

Abhilfe schaffen Online-Plattformen: „Biz-Trade“ und die „Deutsche Unternehmerbörse“ bringen Chefs mit möglichen Nachfolgern zusammen. Die KfW und das Bundeswirtschaftsministerium betreiben dazu „Nexxt-Change“: Dort sind 6.000 bundesweite Verkaufsangebote registriert. Ihnen gegenüber stehen 3.000 Interessenten. Die Aufgabe eines Inserats ist kostenlos. Will ein Interessent Kontakt aufnehmen, erfolgt das über die Partner der Börse – Kammern, Sparkassen und Berufsverbände.

Möglicher Karrieresprung

So manchem erlauben die Nachfolgebörsen einen Karrieresprung. Etwa Ralf Hock: Der Ingenieur hat vergangenes Jahr den Radebeuler Autozulieferer IP Industrie Partner übernommen. Zunächst habe er den Rahmen abgesteckt, sagt der 48-Jährige: „Wie viele Mitarbeiter muss die Firma haben? In welcher Branche und wo soll der Betrieb sein?“ Nachdem er sich bei der Hausbank über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten informiert hatte, forderte Hock über Nexxt-Change die Daten von sechs Firmen an. Am Ende blieb eine übrig – die Industrie- und Handelskammer vermittelte den Kontakt.


Foto: S. Hainz/Pixelio
Langwieriger Übergabeprozess

Die Kammern bieten zwar eine Erstberatung an. Sie dürfen aber nur über allgemeine Abläufe der Nachfolge und bei Finanzierungs- und Rechtsfragen aufklären. „Unsere Leistung hört da auf, wo wir in Konkurrenz zu unabhängigen Beratern treten“, sagt Sonja Smasal, Referentin bei der IHK Karlsruhe. Für Consultants indes gehört das Thema Nachfolge nicht immer zum Alltagsgeschäft. „Das kann nicht jeder“, sagt Klaus Reiners, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater. Er empfiehlt, auf Referenzen zu achten.

Laut einer Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung lassen sich 60 Prozent der Familienunternehmen bei externen Nachfolgeregelungen beraten. Spezialisiert auf das Thema hat sich das Unternehmenskontor in Dresden. „Kaum ein Unternehmer beherrscht die Übergabe“, sagt Geschäftsführer Ulf Herfurth. „Der Prozess dauert oft zwei Jahre. Viele unterschätzen das.“

25 bis 30 Beratungstage fallen in dieser Zeit an. Die Consultants überprüfen etwa Marktfähigkeit und Wert der Firma. Bei der Einschätzung des Verkaufspreises liegen die Unternehmer oft daneben: „Für die Bewertung ist die Ertragslage entscheidend. Das Herzblut, das ein Übergeber in den Betrieb gesteckt hat, zählt nicht. Ihr Bauchgefühl sagt den Seniorchefs oft aber etwas anderes“, sagt Herfurth.

Nicht nur an den Zahlen könne ein Geschäft scheitern: „Oft kommen sich Übergeber und Unternehmer auf menschlicher Ebene nicht nah genug“, sagt der Experte. Anders bei IP Industrie Partner: Ingenieur Hock war sich mit Firmenchef Thomas Jänicke beim Preis schnell einig. Ob Hock die Firma in seinem Sinne weiterführen würde, überprüfte Jänicke in den Weinhängen an der Elbe: bei einer dreistündigen gemeinsamen Wanderung. „Danach waren alle Bedenken zerstreut“, sagt Hock.

Sieben Monate dauerte die Übergabe insgesamt. Danach folgten sechs Monate im Betrieb, in denen der Senior den Nachfolger einarbeitete. Ganz abschalten kann Jänicke aber nicht. Er hat bei IP Industrie Partner noch einen Beratervertrag.

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