Unternehmenskultur Die Fehler von Chefs sind tabu

In den meisten deutschen Betrieben machen Chefs keine Fehler. Zumindest darf davon keine Rede sein, wie eine Umfrage zeigt.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert

Die Fehler von Chefs sind tabu

Foto: vladimirfloyd/Fotolia.com

In zwei von drei Unternehmen werden Fehler von Vorgesetzten meist nicht öffentlich thematisiert. In jeder vierten Firma sind die Missgriffe der Chefs sogar ein absolutes Tabuthema. In deutschen Betrieben wird damit offener über familiäre oder gesundheitliche Probleme geredet als über die Fehlleistungen der Führungskräfte.

Offene Konfliktkultur sollte Ziel sein

Das sind die Ergebnisse der Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert. Dazu wurden Führungskräfte im Personalbereich von rund 70 mittelständischen Unternehmen sowie 1 000 Arbeitnehmer befragt.

Hans Schlipat von Rochus-Mummert ist überzeugt, dass die Tabuisierung kein sinnvoller Umgang mit Fehlern von Führungskräften ist. "Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren. Am besten von den Top-Führungskräften selbst. Denn das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird." Laut der aktuellen Studie haben die Vorstandsvorsitzenden oder Vorsitzenden der Geschäftsführung den mit deutlichem Abstand größten Einfluss auf die Leitkultur ihres Unternehmens.

Ehrlichkeit zahlt sich aus

"Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene ist essentiell, um einen kulturellen Wandel in einem Unternehmen zu bewirken", kommentiert Schlipat. Unternehmen, den dieser Wandel gelingt, profitieren zudem auch wirtschaftlich.

So zeichnen sich laut dieser Studie ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert und gemeinsame Überzeugungen durchgängig in allen Hierarchien gelebt werden. "Die auf diese Art ausgedrückte Wertschätzung durch Vorgesetzte ist über alle Hierarchien hinweg der größte Motivator – und dazu noch völlig kostenlos", so Schlipat.

Wie die Untersuchung weiter zeigt, gibt es in deutschen Büros und Werkhallen nur ein Thema, das noch tabuisierter als die Fehler der Chefs ist: die Gehälter. Drei von vier Arbeitnehmern sagen, dass der Lohnzettel in ihrem Arbeitsalltag ein Tabuthema ist.

Über familiäre und gesundheitliche Probleme kann hingegen immerhin in rund 40 Prozent der Firmen ohne Angst vor Sanktionen kommuniziert werden.

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