Unternehmensgründungen Mit festem Willen etwas aufbauen

In der Krise gründeten viele aus der Not heraus. Jetzt entstehen wieder mehr junge Firmen, die mit echten Innovationen aufwarten. Deutsche Spitzenmanager geben ihnen Rat.

Martin-W.Buchenau, Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: med2help/Pixelio

Kaum mehr "Notgründer"

Es wird weniger gegründet und das ist gut. Paradox? Keineswegs. Nach den Gründungs-Boomjahren 2009 und 2010 hat das Interesse an der Selbstständigkeit im ersten Halbjahr 2011 abgenommen. Das Gute daran: Jetzt gründen vor allem wieder jene, die wirklich Unternehmer sein wollen.

„Wir sehen jetzt in der guten konjunkturellen Lage eine andere Klientel, die gründet. Es sind verstärkt jene, die eine größere Nachfrage nach ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung erwarten und weniger die Notgründer aus der Arbeitslosigkeit heraus“, sagt Ljuba Haunschild vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn.

Rund fünf Prozent weniger Existenzgründungen als im Vorjahr verzeichnete ihr Institut von Januar bis Juni dieses Jahres. Eine Abnahme hatten auch die Autoren des KfW-Gründermonitors vorausgesagt, 2010 hatten laut ihrer Schätzung noch rund 936.000 Menschen und damit 66 000 mehr als ein Jahr zuvor den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Der Anstieg war aber „allein auf eine höhere Zahl von Nebenerwerbsgründern zurückzuführen“, schreiben die Autoren der Studie.

Qualität geht vor Quantität

Im Klartext: Die Zahl derer, die ernsthaft und nachhaltig gründen wollen, geht keineswegs zurück, nur die Zahl derer, die die Selbstständigkeit als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit oder minimales Zubrot sieht. „Die Qualität der Gründungen ist doch wichtiger als die Anzahl“, sagt Peter Witt, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement an der Universität Wuppertal.

Er sieht gerade im High-Tech-Segment momentan spannende Gründungen. „Das Gründungsklima ist aktuell gut“, sagt er. Fast ungebremst wächst auch der Online-Handel. Witt glaubt, dass es auch hier noch neue Geschäftsideen geben wird.


Foto: med2help/Pixelio

Erfahrene Manager als Mentoren

Junge Unternehmer, die eine nachhaltige Idee haben und sie zu einem Produkt oder eine Dienstleistung umsetzten wollen – sie braucht die Wirtschaft. „Wir haben in Deutschland kluge Köpfe mit tollen Ideen, die den Mut haben, neue Unternehmen zu gründen. Das macht mich sehr zuversichtlich, da kann man nur begeistert sein“, sagt Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

Neben den staatlichen Förderinstrumenten sieht Bosch-Chef Franz Fehrenbach vor allem die Unternehmen in der Pflicht, den Austausch mit jungen Gründern zu fördern und ihnen mit Tipps aus ihrer langjährigen Praxis über die eine oder andere Hürde zu helfen.

Beide gehen im Wettbewerb Weconomy, den das Handelsblatt gemeinsam mit dem Netzwerk Wissensfabrik ausschreibt, mit gutem Beispiel voran: Neben Hambrecht und Fehrenbach gewähren weitere Topmanager wie Burkhard Schwenker (Roland Berger), Robert Friedmann (Würth) oder Eckard Gatzke (Randstad) exklusive Entwicklungshilfe für Jungunternehmer. Die neun Finalisten werden den Top-Managern an diesem Wochenende ihre Geschäftsideen vorstellen und mit ihnen diskutieren.

Weniger staatliche Hilfe, mehr Kapital aus der Wirtschaft

Viele Gründungsideen stammen inzwischen wieder aus Berlin. Dort boomt die Online- und Medienszene. Seien es interaktive Präsentationssysteme im Kinoformat, neue Suchmaschinen, die Unternehmen alarmieren, wenn sich auf Facebook oder Twitter etwas zusammenbraut. Aber auch forschungsintensive Technologie trauen sich die Gründer zu – Pflanzen-Scanner etwa. Die helfen Großgärtnern, mit der richtigen Menge an Licht, Wasser und Dünger Blumen punktgenau zu liefern.

Was den klugen Köpfen fehlt, ist in der Regel Geld. Geht es nach dem Willen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird der staatliche Gründungszuschuss zusammengestrichen – und das obwohl die Bundesagentur diese Hilfe als „eines unserer erfolgreichsten Instrumente“ bezeichnet. Trotzdem soll die Kürzung ab dem 1. November kommen.

Das Gesamtbudget von 1,8 Milliarden Euro soll um mehr als eine Milliarde gesenkt werden – bis 2013 auf weniger als ein Drittel der heutigen Mittel. Der Bundesrat hat die Pläne der Bundesarbeitsministerin vergangene Woche erst einmal gestoppt.

Die gute Nachricht: Kapitalgeber in der Wirtschaft zu finden sei für Gründer momentan nicht mehr so schwer wie noch vor ein paar Jahren, sagen die Experten.

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