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Unternehmensführung Kampf der Alphatiere

Das Verhalten von Tieren ist oft ein guter Spiegel für Menschen. Auch in Unternehmen gibt es Alphamännchen oder -weibchen, Platzhirsche und Leitkühe.

Führungskraft | Nora Jakob, wiwo.de | , aktualisiert

Kampf der Alphatiere

Kampf der Alphatiere 2

Foto: PrettyVectors / Fotolia.com

Klassische Entlehnungen aus dem Tierreich stehen für starkes Machtbewusstsein. Konstruktive Führungstypen sind dagegen unbekannter, passen aber besser in die heutige Zeit.

Haben Sie sich schon mit dem Führungsstil von Tieren auseinandergesetzt? Davon können Manager durchaus etwas lernen. Löwe und Gorilla – Typ starker Herrscher – sind allerdings keine idealen Vorbilder, wenn es darum geht, im Unternehmen zu kooperieren oder Konflikte auszutragen. Leithammel können auf Dauer den finanziellen Gewinn eines Unternehmens schmälern. Auf lange Sicht tun sie auch der Unternehmenskultur nicht gut.

"Ein Wolfsrudel zum Beispiel ist sehr interessant, weil es von einer Art Doppelspitze geführt wird. Der Leitwolf übernimmt den freundlichen, anerkennenden Part. Während sich der Beta-Wolf um die Disziplin kümmert und die Rudelmitglieder auf Linie bringt. Sowas macht unbeliebt", sagt Autor Matthias Nöllke. Er schreibt Bücher über Management und Kommunikation, aber auch über Managementbionik. Ein Beta-Männchen steigt übrigens sehr selten zum Leitwolf auf. Es hat schlicht zu wenig Rückhalt im Rudel.

Die Wölfe machen ein Verhalten vor, das sich gut auf Unternehmen übertragen lässt – und eine "kaum zu schlagende Kombination" für ein Unternehmen darstellt, wie Nöllke es nennt. Hinter dem beliebten Chef steht eine Nummer zwei, die für die unangenehmen Dinge zuständig ist – sich gleichzeitig aber durch absolute Loyalität für das Alpha-Tier auszeichnet, ebenso wie durch Genauigkeit, Fachwissen und Hartnäckigkeit.

Führungskräfte dürfen nicht konfliktscheu sein

Dafür eigenen sich allerdings nicht alle Menschen, denn es wird schon sehr deutlich, dass einer immer wieder zurückstecken muss und niemals an die Spitze aufsteigen kann – und das wollen nur wenige. Gleichzeitig gilt: Nummer zwei kann nicht immer als Blitzableiter fungieren, auch der Leitwolf muss zubeißen können.

Anders ist es beispielsweise bei Meerschweinchen, die keinem Kampf aus dem Weg gehen, um sich an die Spitze der Gruppe zu setzen. Das bedeutet aber auch: Meerschweinchen-Chefs können sich nicht lange halten. Ihre Amtszeit verkürzt sich mit jedem machtbewussten Tier in der Gruppe. Nicht selten stirbt der Gewinner dieser Revierkämpfe an einem stressbedingten Herzversagen – und die Kämpfe beginnen wieder von vorn.

Meerschweinchen haben es nicht leicht. Trotzdem können Führungskräfte sich von ihrem Verhalten etwas mitnehmen: Sie dürfen nicht konfliktscheu sein, vor allem nicht dann, wenn sie die Führungsrolle gerade erst übernommen haben. Denn Kollegen vom Typ Meerschweinchen, die einen ähnlich hohen oder höheren Machtanspruch haben, werden versuchen, den neuen Chef herauszufordern und vielleicht auch zu diskreditieren.

"Ein Unternehmen funktioniert nur schlecht, wenn die Führungskultur sehr kompetitiv ist", sagt Nöllke. Dann stehen die Machtinteressen einzelner Personen im Vordergrund. Es geht nicht mehr um das Wohl des Unternehmens. Die Mitarbeiter denken nur noch politisch und nicht sachorientiert. Dass das alles anders sein kann, zeigen im Tierreich etwa die Zwergmungos, die auf eine "konstruktive Führungskultur" setzen.

Schon in indischen Fabeln tauchen die kleinen Tiere als Beschützer der Menschheit auf, denn obwohl sie so klein sind, können es die Mungos in einem Kampf sogar mit Kobras aufnehmen – und sind sie es, die am Ende gewinnen. Auch Dschungelbuch-Autor Rudyard Kipling schrieb einem Mungo besondere Tapferkeit zu.

Die Gruppe wird von einem fürsorglichen Alphaweibchen geführt und alle Gruppenmitglieder stehen füreinander ein, im Mittelpunkt steht die Konzentration auf die Aufgaben, die oft schon schwierig und wichtig genug sind. Rangkämpfe sind weitestgehend unbekannt. Während sie anderen gegenüber aggressiv auftreten, halten sie untereinander stets zusammen.

Anerkennung schafft Loyalität

"Hätten die Mungos ein "Mission-Statement" formuliert," schreibt Nöllke in seinem Buch, "so fänden sich darin zu Recht solche Sätze wie: "Wir wissen, dass wir unseren Erfolg vor allem unseren Mitarbeitern verdanken. Ohne das Engagement jedes einzelnen Zwergmungos wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Um unsere Position auch in Zukunft zu behaupten und auszubauen, fördern und schützen wir unsere Mitarbeiter stärker als jede andere Tierart in der Steppe."

Wie auch bei den Wölfen gibt es aber auch bei den Zwergmungos ein Tier, das sich um die Disziplin kümmert – und in der Hierarchie die Nummer zwei ist. Und noch eine Besonderheit: Obwohl der Posten des Wächters als einer der gefährlichsten bei den Mungos gilt, wird dieser Job immer wieder freiwillig übernommen, um auch hier füreinander einzustehen.

Es scheint eine zunächst ungewöhnliche Führungskultur sein, von denen aber auch Manager etwas lernen können. Denn die Organisation profitiert davon, wenn die Mitarbeiter die Hierarchie als fair empfinden und ihre Werte teilen. Die gemeinsame Aufgabe – der Erfolg des Unternehmens – rückt in den Vordergrund.

Nöllkes Rat: Es müssen nicht immer mehr Geld oder bessere Karriereaussichten sein, die Menschen zu "außerordentlichen Leistungen" antreibt, sondern die Anerkennung. Dann versucht auch niemand mehr aus gekränktem Stolz oder Egoismus anderen – und damit dem Unternehmen – zu schaden.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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