Unternehmen im "Wahlkampf" Suche Fachkraft, biete Wohlgefühl

Ein sicherer und harmonischer Arbeitsplatz ist für Nicht-Akademiker mit Abstand das Wichtigste an ihrem Job. Wenn Unternehmen dies stärker berücksichtigen, können sie bares Geld sparen.

Nora Schareika, wiwo.de | , aktualisiert

Suche Fachkraft, biete Wohlgefühl

Wohlgefühl im Unternehmen

Foto: Andreas P/Fotolia.com

Nicht etwa viel Geld oder Karrierechancen, sondern Sicherheit und Unternehmensklima sind nicht-akademischen Fachkräften bei der Jobsuche am wichtigsten. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage unter knapp 2100 Fachkräften mit Berufsausbildung, die das Portal meinestadt.de durchgeführt hat. Das Ergebnis legt nahe, dass Arbeitgeber bei Stellenausschreibungen sehr viel mehr auf diese Präferenzen setzen sollten.

Ein sicherer Arbeitsplatz sowie ein gutes Arbeitsklima sind die alles entscheidenden Kriterien für Fachkräfte: 56,5 Prozent der Befragten gaben den ersten Punkt als am wichtigsten an, 49,6 Prozent dem zweiten. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Für gut ein Viertel (26,5 Prozent) war außerdem die Nähe zum Wohnort wichtig. Nur noch etwa jeder sechste (17,6 Prozent) gab an, ein überdurchschnittliches Gehalt sei ausschlaggebend bei der Jobwahl. Aufstiegschancen im Unternehmen waren im Vergleich zu den anderen Kriterien fast irrelevant und nur für 3,4 Prozent von Wichtigkeit.

Interessant ist, dass ein schlechtes Unternehmensklima dafür sorgt, dass der Faktor Gehalt und Aufstiegschancen enorm an Wichtigkeit gewinnen. Miese Atmosphäre im Betrieb wollen sich Fachkräfte also gewissermaßen mit "Schmerzensgeld" kompensieren lassen.

Unternehmenserfolg und keine Befristung

Umkehrschluss für Arbeitgeber: Gutes Arbeitsklima ist eine lohnende Investition, die eine Menge Geld sparen kann. Abgesehen von vielen anderen damit zusammenhängenden Vorteilen wie Mitarbeitergesundheit, Motivation und Innovationskraft können Unternehmen durch Schaffung eines guten Betriebsklimas hohe Gehaltsforderungen vermeiden – und Geld sparen.

Doch was lässt Fachkräfte eine Stelle als sicher einstufen? Auffällig viele der Befragten (83 Prozent) empfinden ihren derzeitigen Arbeitsplatz als sicher. Dies begründen 79,4 Prozent davon mit dem unbefristeten Arbeitsvertrag. Wichtig sind für 46,6 Prozent außerdem der Erfolg des Unternehmens, bei dem sie angestellt sind, und die Zukunftsfähigkeit der Branche (25,8 Prozent). Umgekehrt heißt das: Befristung ist der größte Vertrauenskiller, gefolgt von fehlendem Vertrauen in den Erfolg des Unternehmens. Ein dritter Grund für Unsicherheit ist ein zu niedriges Gehalt.

Zuverlässige Gehaltszahlung

Ein Arbeitsplatz wird insgesamt als sicher empfunden, wenn er unbefristet ist – das sehen 69 Prozent der Befragten so. Für 61,5 Prozent ist außerdem ein pünktliches Gehalt sehr wichtig – offenbar nicht in allen Branchen eine Selbstverständlichkeit. In einer Stellenanzeige darauf hinzuweisen, kann für Arbeitgeber daher ein guter Punkt sein, obwohl es sich um eine Selbstverständlichkeit handeln sollte. Für knapp 40 Prozent spielt außerdem eine Rolle, dass das Unternehmen "gesund und stabil" ist.

Hervorgehoben werden in der Studie die unterschiedlichen Präferenzen von Fachkräften mit Berufsausbildung und Akademikern, die eher auf die Höhe des Gehalts und die Aufstiegsperspektiven achten. Doch auch innerhalb der Branchen, die Fachkräfte mit Berufsausbildung suchen, gibt es große Unterschiede. So empfinden Pflegekräfte die größte Sicherheit, weil die Branche wächst und händeringend Personal sucht. Für Angestellte im Bericht Logistik und Einzelhandel ist dagegen der Unternehmenserfolg der größte Sicherheitsfaktor, gefolgt von einem unbefristeten Arbeitsverhältnis.

Verlässliche Mittelständler

Eine Mehrheit der Befragten sieht all das am ehesten bei mittelständischen Unternehmen gegeben. Sie sind bei 35,2 Prozent die bevorzugten Arbeitgeber. Großunternehmen sind für jeden Fünften (21,4 Prozent) eine gute Adresse. Kleine Familienbetriebe genießen weniger Vertrauen und sind nur für 10 Prozent vertrauenswürdig. Sie können bei der Formulierung von Stellenanzeigen wohl am meisten für sich herausholen, wenn sie die Vorlieben von Fachkräften mehr berücksichtigen und vor allem das Sicherheitsbedürfnis adressieren.

Wenig beliebt sind daneben globale Konzerne, die ebenfalls nur für 10 Prozent der Fachkräfte Sicherheit bieten. Überhaupt keine Rolle spielen Start-ups als Arbeitgeber – deren Stellenangebote richten sich in der Regel an Akademiker und IT-ler.

Ehrliche Gespräche und Anerkennung als wichtige weiche Faktoren

Wenn Fachkräfte selbst Wünsche formulieren dürften, stehen neben dem unangefochtenen dauerhaften Arbeitsvertrag einige weiche Faktoren ganz oben auf der Liste: Mehr Kommunikation, ehrliche Gespräche, Offenheit und Transparenz werden da genannt, gewünscht wird auch mehr Anerkennung, sprich: Lob.

Bände spricht der Wert 8,1 Prozent: Nur so wenige der Befragten fanden für sie relevante Stellenausschreibungen überzeugend. Wenn Arbeitgeber Phrasen und Textbausteine gegen ehrliche Versprechen tauschen, die auf die genannten Punkte eingehen, werden sie mit großer Sicherheit geeignete und motivierte Kandidaten finden.

Je nach Branche lohnt es sich, bestimmte Features hervorzuheben: So locken geregelte Arbeitszeiten und Überstundenausgleich besonders in der Logistik, Pflegekräfte achten auf Arbeitszeitmodelle und Sonderzahlungen.

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