Unternehmen Fresenius Der Erfolgskonzern erlebt Rückschläge

Jahrelang schien dem Medizinkonzern Fresenius alles zu gelingen. Derzeit läuft es nicht mehr rund: Die Übernahme der Krankenhaus-Kette Rhön-Klinikum ist vorerst geplatzt. Ärger mit der SPD und den Gewerkschaften steht ins Haus.

Jürgen Salz, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Fresenius

Steile Karriere

Ulf Schneider, 47 Jahre alt, akkurater Seitenscheitel, hat eine der erstaunlichsten Karrieren in der deutschen Wirtschaft hingelegt. Wirtschaftsstudium in St. Gallen, Promotion, MBA – dafür benötigte der ehrgeizige Absolvent bloß fünf Jahre.

Mit 24 heuerte er beim Mischkonzern Haniel an, mit 35 wechselte er zum Medizin-Unternehmen Fresenius nach Bad Homburg. Zwei Jahre später saß er auf dem Stuhl des Vorstandschefs. Jahr für Jahr verkündete Schneider dort neue Umsatz- und Gewinnrekorde.

Selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 legte Fresenius zu. Der Umsatz des Dax-Konzerns wuchs in den vergangenen Jahren durchschnittlich um zehn Prozent, der Gewinn um 17 Prozent. Für das Jahr 2011 steht ein Jahresumsatz von 16, 5 Milliarden Euro zu Buche; der Gewinn vor Zinsen und Steuern liegt bei 2,5 Milliarden Euro.

Chef in Kauflaune

Schneider gilt nicht nur als wirtschaftlich erfolgreich, sondern auch als besonders kauffreudig. Besonders in den USA schlug der Fresenius-Chef gleich mehrfach zu: 2006 akquirierte er den Dialyse-Spezialisten Renal Care für 3,6 Milliarden Euro; 2008 den Generika-Spezialisten APP für fünf Milliarden und schließlich 2011 den Dialyse-Anbieter Liberty für 1,7 Milliarden.
 
Die Übernahmen glückten alle. Ab und an murrten auf den Hauptversammlungen einige Aktionäre wegen – ihrer Meinung nach – zu hoher Kaufpreise. Aber das war’s dann auch schon. Erstmals unter Schneiders Ägide droht nun eine angekündigte Übernahme zu scheitern.


Foto: Fresenius

Für 3,1 Milliarden Euro wollte die Fresenius-Klinikkette Helios den Konkurrenten Rhön-Klinikum übernehmen. Laut der Rhön-Satzung muss ein Käufer dafür jedoch mindestens 90 Prozent des Kapitals an der Börse erwerben – eine ziemlich hohe Schwelle. 

Doch jetzt musste Schneider einräumen, dass Fresenius nur etwa 84 Prozent des Rhön-Kapitals von den Aktionären angedient wurde und die Übernahme damit – zumindest vorerst – gescheitert ist.

Kurz vor Ablauf der Frist hatten Schneider und seine Vorstandskollegen noch eine böse Überraschung erlebt: Bernhard Broermann, Gründer und Eigentümer der Klinikkette Asklepios, meldete, fünf Prozent der Rhön-Aktien erworben zu haben. Fresenius hatte damit kaum noch eine Chance, die nötige Zahl der Aktien zusammenzubekommen.
 
Die Konkurrenz direkt vor der Nase

Über Broermanns Motive herrscht in der Branche noch Rätselraten. Als wahrscheinlich gilt, dass der Klinikgründer einfach nicht dabei zusehen wollte, wie vor seiner Nase ein großer Konkurrent entsteht. Aus Helios und Rhön wäre das mit Abstand größte deutsche Klinikunternehmen entstanden – mit einem Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro.

Anfang April hatte Schneider im Interview mit der WirtschaftsWoche bereits angekündigt, insbesondere im Krankenhausgeschäft zukaufen zu wollen. Im vergangenen Jahr erwarb Helios die private Klinikgruppe Damp und das Katholische Klinikum Duisburg.


Foto: Fresenius

Inzwischen sorgt jedoch der Kauf des Ostsee-Krankenhauses Damp für weiteres Ungemach. Mitten in einem Tarifkonflikt kündigte Helios 1000 Mitarbeitern der Zentralen Service Gesellschaft (ZSG), die im Klinikum Damp etwa die Wäscheversorgung und die Verpflegung organisieren.

Die Kündigungsaktion an der Ostsee schlug hohe Wellen: Sie sei empört, dass Helios die Beschäftigten quasi für Streiks bestrafe, sagte Ellen Paschke aus dem Bundesvorstand der Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi : "So etwas habe ich in Deutschland noch nicht erlebt."

Gegen dieses Gebaren demonstrierten in Kiel über 3000 Menschen. So könne man nicht mit Menschen umgehen, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). In Berlin solidarisierten sich SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles mit den Beschäftigten.

Image mit Kratzern

Das Image des bislang nahezu makellosen Fresenius-Konzerns bekommt derzeit einige Kratzer ab. Und so schnell werden sich die Imageprobleme auch nicht auflösen: Sowohl der Kündigungsstreit an der Ostsee als auch der Übernahme-Ärger wird den Konzern und seinen Chef Schneider noch einige Zeit beschäftigen.

Fresenius will weiter am Zusammenschluss mit Rhön arbeiten, teilte ein Sprecher mit. Wie das konkret aussehen soll, sagte er nicht.


Foto: Fresenius

Fresenius kann eine neuerliche Offerte erst nach einer Sperrfrist von zwölf Monaten einreichen. Allerdings darf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Ausnahme machen, wenn das Übernahmeobjekt – also in diesem Fall Rhön – zustimmt.

Zudem dürfte Fresenius auch das Gespräch mit Asklepios-Gründer Broermann suchen. Freilich hat der Ärger mit Rhön und Damp keine Auswirkungen auf das nach wie vor exzellente Fresenius-Zahlenwerk.

Das Medizin-Unternehmen geht auch weiterhin von steigenden Umsätzen und Gewinnen aus. Am Ausblick für 2012 ändert sich nichts: Der Umsatz soll um zehn bis 13 Prozent zulegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um acht bis elf Prozent.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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