Uni So finanzieren Sie Ihr Studium

Wer nach dem Abi auf eigenen Füßen steht, muss sich auch selbst um seine Finanzen kümmern. Tipps und Tricks, wie man mit Bafög, Jobben, Unterstützung von den Eltern und eventuell einem Studienkredit am besten umgeht, gibt es hier.

Katja Stricker | , aktualisiert

Was könnte man nicht alles mit 30000 Euro machen: sich ein verdammt schickes Cabrio kaufen oder sämtliche Freunde für einen Monat Dauerparty auf eine Finca nach Mallorca einladen, einmal hemmungslos in den angesagtesten Designerläden shoppen oder ein ganzes Jahr auf Weltreise gehen. Oder man fängt einfach an zu studieren: Allein ein sechssemestriges Bachelor-Studium kostet rund 30000 Euro. Das Geld geht unter anderem drauf zur Finanzierung von Miete, Essen, Klamotten, Büchern und Studiengebühren (siehe Seite 2).

Auch das Studienfach macht sich im Geldbeutel bemerkbar. Am teuersten ist das Zahnmedizin-Studium: Laut der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks müssen allein für Lernmittel, Materialien und medizinische Instrumente über das gesamte Studium hinweg im Schnitt rund 6 600 Euro - oder 460 Euro im Semester - einkalkuliert werden. Die Nebenkosten für Kunst- und Design-Studiengänge fallen mit rund 350 Euro pro Semester ebenfalls vergleichsweise hoch aus. Bei Juristen, Betriebswirten oder Tiermedizinern gehen im Schnitt pro Semester rund 280 Euro für Fachbücher drauf. Außerdem besuchen Jurastudenten in der Regel einen Repetitor zur Prüfungsvorbereitung, der nicht gerade billig ist und selbst bezahlt werden muss.

Damit man sich voll und ganz aufs Studium konzentrieren kann und sich nicht ständig Sorgen ums Geld machen muss, solltet man am besten vor Studienbeginn klären, wie viel Geld man voraussichtlich jeden Monat braucht und woher die Kohle kommt. Aber keine Panik, die meisten Studenten kommen mit einem Mix aus Unterstützung von den Eltern, Nebenjob und Bafög ganz gut über die Runden. Zudem bieten zahlreiche Geldinstitute vergünstigte Kredite an, damit Studenten das knappe Budget aufbessern und ihre Studiengebühren finanzieren können. (Eine Übersicht, welches Bundesland welche Gebühren erhebt und wo man noch gratis studieren kann, finden Sie auf Seite 3).

Scheck von Papa und Mama
Geldquelle Nummer eins gerade für Studienanfänger sind die Eltern. Fast 90 Prozent der Studenten bekommen eine Finanzspritze von zu Hause, durchschnittlich fast 450 Euro im Monat. Dass Eltern regelmäßig Geld an Sohn oder Tochter überweisen, ist nicht nur eine Frage der Großzügigkeit. Wenn sie es sich leisten können, sind sie sogar gesetzlich verpflichtet, den Nachwuchs während der Erstausbildung zu unterstützen. Schließlich bekommen Studenten, deren Eltern gut verdienen, kaum oder gar kein Bafög. Zum Ausgleich erhalten Eltern vom Staat auch für erwachsene Kinder, die studieren und nicht älter als 25 Jahre sind, Kindergeld. Mit wie viel Geld man jeden Monat von den Eltern rechnen kanna, sollte frühzeitig und in aller Ruhe ausgehandelt werden.

Bafög vom Staat
Reicht das Geld der Eltern nicht zum Studieren, springt der Staat ein. Bafög kann jeder Student beantragen - und zwar beim Amt für Ausbildungsförderung am jeweiligen Hochschulort. Ob und wie viel Bafög es gibt, hängt davon ab, was die jeweiligen Eltern verdienen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, zumal seit vergangenem Jahr die Einkommensfreibeträge für die Eltern um acht Prozent angehoben wurden. Immerhin kassieren knapp 30 Prozent der Studenten derzeit Bafög, im Schnitt sind es 375 Euro im Monat. Der Grundbedarf für Studenten, die noch bei den Eltern wohnen, liegt aktuell bei 414, sonst bei 512 Euro im Monat. Hinzu kommen Zuschläge für Miete (bis 72 Euro), Kranken- und Pflegeversicherung (bis 64 Euro). Maximal gibt es 648 Euro Bafög im Monat. Da das zum Leben allein meist nicht ausreicht, dürfen auch Bafög-Empfänger etwas dazuverdienen. Ein Minijob, der maximal 400 Euro im Monat einbringt, ist okay, ohne dass dieser Verdienst aufs Bafög angerechnet wird.

Das Schöne am Bafög: Die Hälfte des Geldes ist ein Zuschuss vom Staat, der nicht zurückgezahlt werden muss - also geschenktes Geld. Die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, das man nach dem Studium langsam abstottern kann. Spätestens fünf Jahre nach dem Abschluss muss mit der Rückzahlung begonnen werden. Die Schulden sind auf 10000 Euro begrenzt. Bafög gibt es allerdings nur bis zum Ende der Regelstudienzeit. Weitere Informationen unter www.das-neue-bafoeg.de.

Selbst ist der Student
Ob als Kellner, Bürohilfe, Verkäufer oder Messehostess - zwei Drittel aller Studenten müssen regelmäßig jobben, um ihr Studium zu finanzieren. Im Schnitt verdienen sie gut 300 Euro im Monat. Solange der Job das Studium nicht zeitlich total in die Ecke drängt, hält Kerstin Backofen, Finanzexpertin der Stiftung Warentest, einen regelmäßigen Nebenjob für vertretbar: "Wer hin und wieder an den Wochenenden oder abends etwas hinzuverdient, ohne dafür ständig Vorlesungen und Seminare schwänzen zu müssen, verlängert sein Studium nicht zwangsläufig."

Doch gerade das straff organisierte Bachelor-Programm lässt häufig im Semester kaum Luft für mehr als ein paar Stunden Jobben pro Woche, klagen viele Studenten - wenn überhaupt. Wer mehr Kohle braucht, dem bleibt deshalb oft nur die Alternative, sich in den Semesterferien für drei oder vier Wochen einen Vollzeitjob zu suchen - und so den Unterhalt fürs nächste Semester zu verdienen. Damit man mit dem Jobben nicht das Kindergeld oder die kostenlose Familienversicherung in der Krankenkasse riskiert, gilt es einige Regeln zu beachten.

Gut dran ist, wer nicht auf schlecht bezahlte Aushilfsjobs angewiesen ist, sondern vielleicht vor dem Studium schon eine Ausbildung gemacht hat oder eine andere Qualifikationen mitbringt. So wie Richard Hermann, der sein Studium als Rettungssanitäter finanziert, oder Sebastian Zilles, der Tennisstunden gibt (siehe Umfrage Seite 4).

Kohle von der Bank

Was im Ausland, etwa in den USA oder Großbritannien, längst gang und gäbe ist, setzt sich langsam auch in Deutschland durch: Ein Studium auf Pump. Seit einigen Jahren gibt es auch hierzulande die Möglichkeit, einen Teil seines monatlichen Finanzbedarfs über die Bank zu decken. Das ist vor allem für Studenten interessant, die beim Bafög leer ausgehen und bei denen das Geld trotz Unterstützung von den Eltern und Minijob einfach vorne und hinten nicht reicht. Zahlreiche Geldinstitute, darunter Sparkassen, Deutsche und Dresdner Bank sowie die staatliche KfW Förderbank bieten seit einigen Jahren Studienkredite an.

Die Zinsen sind günstig - und liegen aktuell zum Beispiel für Neuanträge beim KfW-Studienkredit bei 4,34 Prozent und bei den Angeboten von Deutsche Bank und Dresdner Bank bei knapp sechs Prozent. Die Sparkasse Dortmund nimmt für ihren Bildungskredit aktuell 5,09 Prozent und die Sparkasse Aachen vier Prozent. Zahlreiche andere Sparkassen verzichten auf ein eigenes Produkt und bieten den KfW-Studienkredit an. Da wundert es nicht, dass die KfW-Förderbank mit einem Anteil von rund 47 Prozent Marktführer ist. Seit dem Start des Programms im April 2006 hat sie weit mehr als 45000 Studienkredite vergeben. Im Durchschnitt lassen sich die Studenten monatlich 477 Euro auszahlen.

Einen Studienkredit gibt es unabhängig vom Einkommen der Eltern und in der Regel ohne Sicherheiten. Im Gegensatz zum Bafög muss allerdings am Ende des Studiums die komplette Kreditsumme - plus Zinsen - zurückgezahlt werden. Die Konditionen zu Zinssatz, Rückzahlung und maximaler Auszahlungsdauer variieren je nach Anbieter. Daher sollten sich Studienanfänger, die über einen Kredit nachdenken, bei verschiedenen Finanzinstituten an ihrem Studienort genau informieren, mehrere Angebote einholen und genau vergleichen.

Auch wenn das Studium auf Pump verlockend ist, raten Verbraucherschützer, zunächst alle anderen Geldquellen voll auszuschöpfen, bevor man einen Studienkredit aufnimmt. Denn ob das Darlehen nach dem Examen zur Schuldenfalle wird, ist vor allem eine Frage der Dosierung: Wer während seines dreijährigen Bachelor-Studiums jeden Monat 200 Euro von der Bank kassiert, startet mit knapp 8000 Euro Schulden ins Berufsleben; bei monatlich 500 Euro sind es dagegen fast 20000 Euro. Je nach Zinshöhe müssen dann später rund acht Jahre lang Monat für Monat 300 Euro abgestottert werden.

Die Schuldenlast sollte gering gehalten werden

Daher sollte die monatliche Finanzspritze von der Bank knapp kalkuliert und die Auszahlungsrate sofort reduziert werden, sobald beispielsweise doch ein Nebenjob drin ist. Bei vielen Banken ist eine Ratenänderung sogar monatlich, zumindest aber halbjährlich möglich. "Ein Kredit sollte immer der letzte Ausweg sein, wenn das Geld sonst partout nicht zum Studieren reicht", rät Helga Springeneer, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Wer durchrechnen will, wie viel Miese für den eigenen Kreditbedarf rauskäme und wie hoch die Rückzahlungsraten wären, findet unter www.fmh.de/studenten einen kostenlosen Online-Rechner.

Um den Schuldenberg möglichst klein zu halten, sollten Studienanfänger wenigstens in den ersten Semestern komplett ohne oder nur mit einem Mini-Darlehen auskommen. In Semestern, in denen viele wichtige Prüfungen anstehen oder kurz vor dem Abschluss kann es dagegen Sinn machen, den Studienkredit aufzustocken, um sich ganz auf Klausuren und Prüfungsvorbereitungen konzentrieren zu können. Denn wer abends ständig kellnert oder tagsüber auf Messen Flyer verteilt, statt zu büffeln, wird kaum die Regelstudienzeit einhalten können. Und je länger das Studium dauert, umso teurer wird es im Endeffekt.

Alternative: Darlehen nur für die Studiengebühren

Eine gute Alternative für alle, die eigentlich ganz gut mit ihrem Geld hinkommen, und nur die Studiengebühren finanzieren wollen, sind Studiengebühr-Darlehen. Diese Kredite der Landesförderbanken sind von den Konditionen her in der Regel günstiger als die bereits genannten Bankangebote - und lohnen sich besonders für Studenten, die bereits Bafög erhalten, denn sie müssen sie manchmal nicht einmal zurückzahlen.

Denn sobald die Schulden aus Bafög-Darlehen und dem Studienbeitragsdarlehen eine bestimmte Höchstsumme überschreiten, werden darüber hinausgehende Schulden aus dem Kredit erlassen. Die Kappungsgrenzen sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen ist zum Beispiel die Gesamtschuld auf 1000 Euro pro Darlehensemester begrenzt; in Baden-Württemberg dagegen bekommen nur Studenten mit 15000 Euro Bafög-Schulden ihr Studienbeitragsdarlehen erlassen.

Erfahrungsberichte

Jessica Rottenberg, 26, Aachen

"Da ich auf die WHU in Vallendar, eine private Business School, gegangen bin, mussten meine Eltern mir das Studium finanzieren. Ich bin froh, dass das kein Problem für sie war und ich ihnen diese ,Investition' auch nicht zurückzahlen muss. So eine Chance hat aber leider nicht jeder, das haben sie mir klar gemacht. Ich habe mein Studium auch schnell durchgezogen, um nicht noch unnötige Kosten zu verursachen."

Richard Hermann, 23, Aachen

"Ich jobbe neben der Uni als Rettungssanitäter. Die Ausbildung dafür habe ich nach dem Abitur gemacht. Der Job ist abwechslungsreich und macht mir großen Spaß, weil ich damit auch etwas Gutes tun kann."

Sebastian Zilles, 23, Mannheim

"Ich spiele schon seit meinem sechsten Lebensjahr Tennis und gebe jetzt Trainingsstunden. So kann ich meine Erfahrungen an die Jüngeren weiterreichen - und nebenbei mein Studium finanzieren."

Anjuli Bratke, 22, und Tim Köppen, 23, Köln

Anjuli: "Wir haben beide einen Kredit bei der NRW-Bank für unsere Studiengebühren aufgenommen. Ich bin neben meinem Lehramtsstudium noch in einer offenen Ganztagsschule angestellt. Das ergänzt sich ganz gut."

Tim: "Ich lebe unter anderem von meiner Halbwaisenrente und arbeite als Bibliotheksaufsicht an einem Institut der Uni Köln."

Safiye Aydemir, 20, Aachen

"Mein Bafög-Satz reicht mir nicht aus. Deshalb jobbe ich bei McDonalds und steh zwei- bis dreimal die Woche hinter dem Tresen. Es ist sicher kein Traumjob, aber ich kann die Schichten gut einteilen und habe keinen Stress."

Veronika Falk, 21, und Irina Redlich, 23, Aachen

Veronika: "Bei meinem eng gestrickten Bachelor-Stundenplan bleibt kaum Zeit, um nebenher noch zu Jobben. Deshalb bin ich zu Hause wohnen geblieben und bekomme die Studiengebühren von meinen Eltern bezahlt."

Irina: "Mir geht es ähnlich, allerdings bekomme ich etwas Bafög. Aber da ich tagsüber ja immer Uni habe, muss ich aufs Kellnern am Abend und an den Wochenenden zurückgreifen, um meine Haushaltskasse aufzustocken."

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