Uni-Alltag Studieren am A… der Welt

Wie lebt und lernt es sich in kleinen Hochschulstandorten? Alles im grünen Bereich? Oder worauf muss man verzichten? – Studierende und Professoren haben uns berichtet, wie hart ihr Los wirklich ist.

Interviews: Angela Neumann | , aktualisiert

Studieren am A… der Welt

Foto: Iakov Kalinin/Fotolia.com

"Der größte Vorzug des Studierens in einer kleinen Stadt liegt wahrscheinlich darin, dass die Lerngruppen signifikant kleiner sind als in Großstädten. Kleine Gruppen sind hervorragend geeignet, um unsere Studierenden für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Oder wie es auf Neudeutsch heißt: für eine gute Employability zu sorgen."

Prof. Dr. Markus Peter, 39, Professor und Studiendekan beim Taxmaster, lehrt BWL, Steuerlehre und Internationales Steuerrecht, Hochschule Aalen

"Meine Zeit hier ist und war sehr schön. Ich habe Freundschaften fürs Leben gefunden und kann mittlerweile sagen, dass ich mich hier in Clausthal-Zellerfeld richtig zuhause fühle. Wenn man ein Auto hat, lässt es sich hier gut leben. Alles, was man braucht, findet man hier und wenn man doch mal etwas Stadtluft schnuppern will, fährt man zum Shoppen nach Goslar."

Madeline Pagenkemper, 23, Betriebswirtschaftslehre (Bachelor), Technische Universtität Clausthal, Clausthal-Zellerfeld

"Ich habe die ersten zwei Semester in Frankfurt gewohnt, um Leute kennenzulernen. Wir hatten viel Spaß, aber nach einem Jahr hatte ich auch alles gesehen. Jetzt pendel ich wie viele andere aus Berlin. Auch wenn Frankfurt nicht die schönste Stadt ist, kann ich die Uni sehr empfehlen. Ich bereue es überhaupt nicht, hier zu studieren."

Marcus Indetzki, 28, Betriebswirtschaftslehre (Bachelor), International Business Administration (Master) an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder

"In Birkenfeld haben wir in unserem kleinen Mikrokosmos gelebt. Es gab ein Café und eine Bar und sonst nichts. Im Nachhinein weiß ich gar nicht, wie ich das ausgehalten habe, aber ich glaube, es lag an unserer ziemlich coolen WG. Wir hatten ständig Besuch. Jeder kannte jeden. Das war sehr intensiv. Ich habe mich nie alleine gefühlt."

Ann-Marie Hartmann, 28, Umwelt- und Betriebswirtschaft (Bachelor), Fachhochschule Trier, Campus Birkenfeld, Nachhaltiges Tourismusmanagement (Master), Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde

"Mir hat es nichts ausgemacht, in einer kleinen Stadt zu studieren. Man kommt schnell überall hin und an der FH waren wir nicht nur eine Matrikelnummer. Die Professoren kannten ihre Studenten. Außerdem ist die Dichte an guten Dönerläden in Recklinghausen überragend."

Edgar Eichenauer, 26, Chemie (Diplom), Fachhochschule Recklinghausen

"Als ich das erste Mal durch die Innenstadt ging und nach fünf Minuten das Gefühl hatte, alles gesehen zu haben, wollte ich sofort wieder zurück in meine Heimatstadt. Landau ist wirklich eine sehr kleine und gemütliche Stadt, aber das war genau das Richtige für mich. Meine geniale WG und die tollen Freunde, die ich in Landau gefunden habe, haben das Studentenleben so großartig gemacht, dass ich die Ortswahl nie bereuen würde."

Nadine Fuß, 27, Lehramt für Sonderpädagogik (Staatsexamen), Universität Koblenz-Landau, Campus Landau

"Abgesehen von ein paar Weinfesten und der schönen Natur war die Zeit in Edenkoben ziemlich langweilig. Das Studentenleben findet quasi nicht statt und das Freizeitangebot ist auf Touristen im Rentenalter ausgelegt. Richtiges Studentenleben habe ich später beim Studium in Mainz und Saarbrücken nachgeholt."

Oliver Johann, 31, Finanzwirtschaft (Diplom), Fachhochschule der Finanzen, Edenkoben

"In Lingen kann man schon mal einen Lagerkoller kriegen. Einen richtigen Campus gibt es nicht. Und auch keine Mensa. Zum Glück hatte ich eine Mitbewohnerin, die gut kochen konnte. Ach ja, wer in einer Kleinstadt wie Lingen feiern gehen will, der muss sich mit einem Club und drei Hochschulpartys pro Semester begnügen."

Thomas Kartanowicz, 27, Kommunikation und Management (Master), Hochschule Osnabrück, Campus Lingen

"Für mich war es die richtige Entscheidung, in eine Kleinstadt zu ziehen, weil ich mich einfach wohler fühle, wenn ich nach einem Tag in der Hochschule an der Elbe entspannen oder in der Stadt gemütlich in einem Café sitzen kann – ohne betonierte Flächen und Menschenmassen. Hier ist alles ein bisschen langsamer, ein bisschen ruhiger und wie ich finde, ein bisschen schöner.“

Vanessa Oldenburg, 24, Business Administration mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship (Bachelor), Private Hochschule Göttingen, Campus Stade

"Ich habe mich bewusst für Köthen entschieden. Der Standort hat in Bezug auf Ingenieurwesen eine lange Tradition. Und auch die studentische Kultur wird hier gepflegt. Bands, Theatergruppen, Campusradio, Studentenclubs und Bars sorgen dafür, dass das Studium nicht allzu langweilig wird."

Sebastian Schmidt, 23, Wirtschaftsingenieurwesen/Maschinenbau (Bachelor), Hochschule Anhalt, Campus Köthen

"Einer kleinen Studentenstadt wie Lippstadt fehlt weniger, als die meisten denken. Es gibt alles vor Ort: Sportvereine, Kneipen, Restaurants und Diskotheken. Außerdem ist eine günstige Studentenwohnung in unmittelbarer Nähe der Hochschule in kleinen Städten noch bezahlbar."

Professor Dr. Simon Nestler, 29, Professor für Praktische Informatik, Hochschule Hamm-Lippstadt

"Es war ein totaler Kulturschock, von Hamburg nach Elsfleth zu ziehen. An meinem ersten Tag war kein Mensch auf der Straße. In einem Café sitzen und Leute angucken, geht hier halt nicht. Nach der Einführung an der Hochschule ging's dann aber. Man kriegt sehr schnell Anschluss und es gibt hier richtig urige Kneipen. Und zur Not ist man auch in einer halben Stunde in Bremen."

Gitte Müller, 26, Nautik (Bachelor), Jade Hochschule, Campus Elsfleth

"Ich muss hier in Aalen auf nichts verzichten. Ich habe tolle Freunde gefunden und integriere mich voll in das Studentenleben. An der Hochschule werden neben den Vorlesungen viele studentische Aktivitäten angeboten, da ist für jeden was dabei."

Melanie Munk, 28, Maschinenbau/Fertigungstechnik (Bachelor), Hochschule Aalen

"In Ilmenau kannst du untergehen, aber auch richtig was aus dem Studium machen. Ich war seit dem ersten Semester beim Campusradio, das in ganz Ilmenau ausgestrahlt wird. Später habe ich beim MDR Erfahrungen gesammelt. Und auch sonst war mein Studium sehr praxisorientiert und hat viel Spaß gemacht. In Ilmenau lebt und studiert man miteinander statt gegeneinander."

Martin Schober, 24, Angewandte Medienwissenschaften (Bachelor), Technische Universität Ilmenau

"An Langeweile geht bei uns im Harz keiner ein. Gerade für Sportfans ist Clausthal ideal. Im Winter kann man sich für wenig Geld Skisachen ausleihen. Im Sommer fährt man an die nur sieben Kilometer entfernte Okertalsperre. Wer mag, kann da sogar segeln. Der große Trend ist im Moment Geocaching im Harz."

Alexander Herzog, 34, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Stochastik und Operations Research, Technische Universität Clausthal, Clausthal-Zellerfeld

"Im Rahmen unseres Studiums mussten wir sechs Wochen nach Mittweida. Ich fand es ehrlich gesagt grauenhaft. Die Stadt hat kaum etwas zu bieten. Das spannendste ist wohl das Einkaufscenter. Auch die nächst größere Stadt war etwas weiter entfernt, so dass man nicht mal eben hinfahren konnte. Immerhin bin ich in der Zeit recht sportlich geworden. In Ermangelung anderer Aktivitäten war ich häufig laufen."

Marie Sophie Hanika, 28 Jahre, Angewandte Medien mit der Studienrichtung Medien-, Sport- und Eventmanagement (Bachelor), Europäische Medien- und Businessakademie, Hamburg und Mittweida

"Wenn man die richtigen Freunde gefunden hat, ist die Stadt, in der man studiert, eher zweitrangig. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Hochschulwahl. Ich habe mich hier nie verloren gefühlt."

Sandra Selzer, 22 Jahre, Biomedizinische Technologie (Bachelor), Hochschule Hamm-Lippstadt 
 
"Da wir hier in Elsfleth alle eng zusammenleben, unternehmen wir sehr oft etwas zusammen. Im Sommer wird am Strand gegrillt, im Winter trifft man sich häufig bei jemandem zuhause. Außerdem gibt es gutes Hochschulsportangebot. Und natürlich haben wir einen Segelkutter, mit dem wir pullen oder segeln gehen."

Tobias Hennrich, 29 Jahre, Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft (Bachelor), Jade Hochschule, Campus Elsfleth

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