Umfrage Deutsche Mitarbeiter sind besonders engagiert

Die Motivation deutscher Arbeitnehmer ist im internationalen Vergleich zwar hoch. Dennoch sollten Unternehmen die Work-Life-Balance der Angestellten und ihre Führungskultur verbessern, zeigt eine Studie.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Luis-Louro/ Fotolia.com

Ansprüche verändern sich 

Die Motivation der Mitarbeiter deutscher Unternehmen ist im europäischen Vergleich besonders hoch: 52 Prozent der deutschen Arbeitnehmer halten sich für motiviert. Aber nur 29 Prozent arbeiten auch dauerhaft engagiert, während 23 Prozent noch von ihrem Unternehmen unterstützt werden wollen, um engagiert zu bleiben.

Einen besonderen Einfluss auf das Engagement haben das Top-Management und die direkten Vorgesetzten sowie eine funktionierende Work-Life-Balance der Arbeitnehmer. Zu diesen Ergebnissen kommt die Global Workforce Study 2012 der Unternehmensberatung Towers Watson.

Die Untersuchung stützt sich auf die Angaben von mehr als 32.000 Arbeitnehmern aus 28 Ländern ."Die Ansprüche der Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber und ihre Arbeitsumgebung haben sich im Schatten der wirtschaftlichen Verwerfungen der letzten Jahre verändert", sagt die Studien-Autorin Heike Ballhausen. 

Extrameile für den Unternehmenserfolg

"Um trotz des andauernden Fachkräftemangels die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, seien motivierte Mitarbeiter für Unternehmen immer wichtiger. "Motivierte Mitarbeiter sind bereit, für den Erfolg des Unternehmens die berühmte Extrameile zu gehen."
 
Die aktuelle Studie belegt ebenso wie schon die Vorgängerstudien der letzten fünf Jahre, dass dauerhaftes Engagement den Unternehmenserfolg enorm steigert. Das äußere sich zum Beispiel in hoher Kundenzufriedenheit, aber auch in harten finanziellen Kennzahlen, so Ballhausen.


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"Die Umsatzrendite von Unternehmen mit nachhaltig engagierten Mitarbeitern ist drei Mal so hoch wie in Unternehmen mit wenig engagierter Belegschaft." Unter nachhaltigem Engagement wird nicht nur die grundsätzliche Bereitschaft der Mitarbeiter verstanden, sich für ihre Organisation einzusetzen.

Engagement, so die Autoren der Studie, zeigten nur Mitarbeiter, die die strategischen Ziele und Werte des Unternehmens verstehen und unterstützen, sich emotional mit dem Unternehmen verbunden fühlen. Außerdem müssen die Arbeitnehmer auch die passenden Mittel für ihre Arbeit vorfinden und ein Umfeld, das sie unterstützt.

Das alles trifft auf fast ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer (29 Prozent) zu. Damit arbeiten die Deutschen deutlich engagierter als der europäische Durchschnitt (26 Prozent).

Manchmal nur Diernst nach Vorschrift

Bei einem großen Teil der anderen Mitarbeiter (23 Prozent) gibt es Nachholbedarf für die Unternehmen. "Zum Beispiel ist ein knappes Viertel der deutschen Arbeitnehmer grundsätzlich engagiert. Sie fühlen sich jedoch ausgebremst, da es etwa an den wesentlichen Arbeitsmitteln mangelt oder sie nicht die notwendige Unterstützung erfahren", sagt Bernd Süßmuth, Leiter des Bereichs Talent & Rewards bei Towers Watson Deutschland und Mitautor der Studie.
 
Fast ebenso viele Angestellte (22 Prozent) verrichten wenig engagiert "Dienst nach Vorschrift".


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Die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist für deutsche Arbeitnehmer aller Altersklassen das zentrale Motiv bei der Wahl ihres Arbeitgebers und sogar bedeutender als das Gehalt.
 
"Die starken wirtschaftlichen Schwankungen sowie die Krisen der letzten Jahre haben tiefe Spuren bei den Arbeitnehmern hinterlassen. Der tatsächliche wirtschaftliche Aufschwung ist noch nicht in der Wahrnehmung der Mitarbeiter angekommen", erklärt Heike Ballhausen von Towers Watson das Ergebnis.
 
Das Sicherheitsbedürfnis der deutschen Arbeitnehmer ist nicht nur bei der Wahl des Arbeitgebers, sondern auch für die Bindung an den Arbeitgeber stärker ausgeprägt als im europäischen und internationalen Durchschnitt.

Gehalt bindet

Der wichtigste Treiber bei der Bindung an einen Arbeitgeber ist aber nach wie vor das Gehalt – in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern. Dabei kommt es aber nicht nur auf die Höhe des Gehalts an, sondern auch auf die Fairness im Vergleich zu den Kollegen.

Süßmuth empfiehlt den Arbeitgebern eine strategische Personalplanung und flexible alternative Arbeitszeitmodelle – wie zum Beispiel durch Kurzarbeit und Sabbaticals – sowie verkürzte Probezeiten für Schlüsselpositionen einzuführen. "Hier können auch kleinere Unternehmen von den Großen lernen und sich damit einen Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt verschaffen."
 


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Der Vergleich von besonders erfolgreichen mit durchschnittlichen Unternehmen zeigt, dass Unternehmensleitung und Führungskräfte einen sehr großen Einfluss auf das Mitarbeiterengagement haben: Nur elf Prozent der gar nicht engagierten Arbeitnehmer vertrauen der Führungsriege – bei den nachhaltig Engagierten sind es hingegen 73 Prozent.

Drei Viertel der engagierten Mitarbeiter (75 Prozent) finden die Arbeit ihres direkten Vorgesetzten effektiv, im Vergleich zu nur 14 Prozent der gar nicht engagierten Mitarbeiter.

Ballhausen empfiehlt Führungskräften daher nicht nur finanzielle Leistungsanreize zu setzen, sondern auch Hindernisse für die Mitarbeiter zu beseitigen und ihnen die alltägliche Arbeit zu erleichtern.
 
Arbeitsleben als Marathon

Gerade hoch engagierte Mitarbeiter sind gefährdet sich zu verausgaben. Stichwort: Burn-Out. "Das Arbeitsleben ist eher ein Marathon als ein Sprint, daher müssen Unternehmen verhindern, dass ihre Leistungsträger ausbrennen", sagt Süßmuth.
 
Ein Arbeitsumfeld, das die Produktivität ebenso wie eine ausgeglichene Work-Life-Balance unterstützt, ist auch im Interesse der Unternehmen, da sie nur so das Engagement der Mitarbeiter langfristig auf einem tragbaren Niveau stabil halten können.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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