Überwintern im Job Leise rieselt der Stil

Wärmende Norwegerpullis, grob gestrickte Wickeljacken, Oberteile mit bunten Mustern und funkelnden Kristallverzierungen – das müssen Trendbewusste laut Modezeitschriften diesen Winter im Schrank haben. Genau da sollten sie es laut Karriereberatern auch lassen, wenn sie sich jobfein machen. Denn Seriosität ist in der Businesswelt in Mode und endlos die Schanze zum Erfolg.

Anne Ritter | , aktualisiert

Leise rieselt der Stil

Foto: mankale/Fotolia.com

Schneematsch auf den Straßen, verspätete Bahnen, überhitzte Büros: Der Winter erschwert Berufstätigen den Arbeitsalltag. Doch kann sich die Managerin im adretten Kostüm mit derben Fellstiefeln gegen den Schlamm schützen oder der Vertreter mit einem Rentierpulli unter dem Sakko beim Kundengespräch auftauchen?

Nur, wenn sie sich im Job auf Glatteis begeben wollen: "Gutes Benehmen hat immer Saison und gerade im Berufsleben ist es unabdingbar", weiß Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader.

Grundsätzlich gilt: Ein Dresscode besteht zu jeder Jahreszeit. Der berufliche Erfolg hängt in vielen Branchen auch stark vom Erscheinungsbild ab, und Mode-Konventionen schmelzen nicht wie eine sanfte Schneeflocke dahin.

Weisungsrecht des Arbeitgebers

In der Regel handelt es sich bei einer Kleiderordnung um ungeschriebene Vorschriften. Sollten die Details aber sogar im Arbeitsvertrag oder der Betriebsvereinbarung fixiert worden sein, verpflichtet sich der Arbeitnehmer dazu, den Dresscode einzuhalten.

Dies bestärkte kürzlich das Arbeitsgericht Cottbus in einem Urteil zur Kleiderordnung, denn die Frage der Dienstkleidung unterliege grundsätzlich dem Weisungsrecht des Arbeitsgebers. Mit der falschen Kleidung verstößt ein Beschäftigter demnach gegen seine arbeitsvertragliche Pflicht und kann gekündigt werden.

Büro-Beauties in Wollschlüpfern

Besonders in klassischen Berufen mit viel Kundenverkehr ist ein tadelloses Äußeres unerlässlich. Der grobmaschige Strickpullover von Oma und die drollige Pudelmütze mit Panda-Ohren sollten für Banker und Berater entweder gleich bei den Mottenkugeln bleiben oder vor dem Betreten des Arbeitsplatzes ausgezogen werden.

Das Problem beschäftigt zahlreiche Berufstätige. So auch Poshbabe im Online-Forum für Beautyjunkies. Sie ist unzufrieden – nicht mit ihrer Stelle in der Anwaltskanzlei, sondern mit ihrem Winterlook. Darum bittet sie die anderen Frauen um Rat: "Was tragt Ihr Beauties denn so im Büro bzw. auf dem Weg dorthin bei diesem Schmuddelwetter???"

Poshbabe muss an ihrem Arbeitsplatz bei jeder Witterung elegant aussehen: "Wenn ich Hosen trage, muss ich diese jeden Tag waschen, denn bei diesem Matsch und Regen werden die dreckig und wenn ich Röcke mit Stiefeln trage, frier ich mir den Hintern ab." Die anderen Damen empfehlen Maßnahmen vom "Ähm, (flüster:) Wollschlüpfer" bis zur Strumpfhosen-Zwiebeltaktik.

Praktisch bei Schnee und Eis, aber im Büro absolut tabu, sind die sogenannten Moonboots. Astronauten mögen elegant wirken, wenn sie in diesen Schuhen über Mondkrater schweben – an Büromenschen sehen die wattierten Schaumstiefel einfach nur plump aus.

Wer trotzdem trockenen Fußes den Planeten Karriere erobern möchte, sollte ein Wechselpaar Schuhe am Arbeitsplatz bereithalten. "So verhindert man, Schneespuren durch das Büro zu ziehen", rät Karriereberater Jürgen Hesse.

Damit das Büro nicht nach nassem Hund muffelt, sollten feuchte Gegenstände wie Regenschirme oder Regencapes am besten schon vor der Tür ausgezogen und ausgeschüttelt werden, um dann an einem geeigneten Ort nahe der Heizung zu trocknen.

Pünktlichkeit und Nacharbeit

Nicht nur der Dresscode, auch die Etikette muss winterfest gemacht werden: Um zu dieser Jahreszeit überhaupt erst mal zum Arbeitsplatz zu gelangen, ist es sinnvoll, sich rechtzeitig über den aktuellen Wetterbericht zu informieren.

Zuspätkommen kann trotz guter Vorbereitung nicht immer vermieden werden: "Nacharbeit ist eine gute Möglichkeit, dem Arbeitgeber zu demonstrieren, dass der Grund für das Zuspätkommen wirklich ‚höhere Gewalt‘ und keine faule Ausrede war", empfiehlt Karriereberater Jürgen Hesse.

Blinkende Rentiere, Engel und Weihnachtsmänner stimmen vielleicht die Besucher zu Hause in Weihnachtsstimmung. Im Büro sind sie genauso wie Lichterketten, Sterne und Krippen allerdings fehl am Platz: "Generell einen überdekorierten Schreibtisch vermeiden, da er gegenüber Chef, Kollegen und Kunden ein unseriöses Bild von der dort arbeitenden Person vermitteln kann", warnt Karriereberater Jürgen Hesse. Und was ist mit dem Arbeiten bei Kerzenschein? In Absprache mit den Vorgesetzten können die Kerzen auf dem Adventskranz besinnlich flackern, dann allerdings auf eigene Verantwortung.

Schöne Bescherung: die Abmahnung 

Eine Flasche Wein, Blumen oder Eintrittskarten – viele Arbeitnehmer bekommen von Kunden oder Lieferanten zum Jahresende kleine Aufmerksamkeiten. Über Weihnachtsgeschenke dürfen sich erfolgreiche Karrieremenschen natürlich freuen. Doch Jürgen Hesse mahnt zur Vorsicht: "Wer große Geschenke erhält, kann sich dem Verdacht der Vorteilsnahme aussetzen. Bei Zweifeln mit dem Vorgesetzen sprechen und gegebenenfalls das Geschenk mit den Kollegen teilen."

Zwar gibt es keine Gesetze, die festlegen, bis zu welchem Wert Präsente akzeptiert werden dürfen, aber in der Regel haben Unternehmen interne Richtlinien, die abgefragt werden sollten. In einigen Fällen ist die Annahme von Geschenken sogar vertraglich in Ethik-Klauseln geregelt. Wenn der Mitarbeiter sich dem Verdacht der Bestechung verdächtig macht, kann die Abmahnung oder im schlimmsten Fall die Kündigung drohen.

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