Traumberufe Wenn ich groß bin, werde ich ...

... Lokomotivführer, Feuerwehrmann oder Turnierreiterin? Viele Traumjobs aus Kindertagen halten dem Realitäts-Check nicht stand: harte Arbeit, dürftige Bezahlung. Doch es gibt Alternativen. Wir stellen fünf junge Leute vor, die ihren Kindheitstraum verwirklicht haben - mit Studium und spannenden Karriere-Aussichten.

Kirstin von Elm | , aktualisiert

Kindheitstraum: Turnierreiterin

Ulrike Kotzent-Pietschnig, 27, Assistentin der Geschäftsführung bei PSI Sporthorses in Hagen im Teutoburger Wald

"Mit vier Jahren habe ich angefangen zu reiten, mit zehn konnte ich meine Eltern endlich überreden, mir ein eigenes Pony zu kaufen. Mit Sissy bin ich dann jedes Wochenende Turniere geritten, und wir haben etliche Pokale und Schleifen abgeräumt. Jeder Groschen Taschengeld floss in mein Hobby.

Meine Eltern haben mich gewähren lassen und nie gemeckert, weil ich nach der Schule fast nur im Stall war. Mein Vater hat lediglich gesagt: "Die Reiterei soll dir Spaß machen, aber bitte lern einen ordentlichen Beruf." Also habe ich in meiner Heimatstadt Klagenfurt brav Betriebswirtschaft studiert und nebenher viel gejobbt. Da blieb mir zum Reiten wenig Zeit. Deshalb wollte ich mir nach der letzten Uni-Prüfung unbedingt eine Auszeit gönnen und ein Jahr lang nur Pferde sehen.

Das war wohl die beste Entscheidung meines Lebens, denn so bin ich an meinen Traumjob gekommen. Bei PSI Sporthorses im Teutoburger Wald werden Turnierpferde auf Weltklasseniveau gezüchtet und ausgebildet, darunter mehrfache Olympiasieger.

Angefangenhabe ich vor zwei Jahren als Stallmädchen, inzwischen darf ich die meisten Pferde selbst reiten. Ich habe in den letzten zwei Jahren auf lauter Spitzenpferden gesessen und durfte internationale Turniere miterleben, die ich vorher nur aus dem Fernsehen kannte. Das war eine tolle Zeit, aber ich wollte auch nicht völlig umsonst studiert haben. Als ich darüber vor einigen Monaten mit meinem Chef gesprochen habe, hat er mir angeboten, ins Sportmanagement der Firma einzusteigen. Jetzt bahne ich zum Beispiel neue Geschäftskontakte nach China an oder helfe mit, unsere jährliche Auktion und unsere große Messe Horses and Dreams zu organisieren. Der Job ist einfach perfekt für mich - fast zu schön, um wahr zu sein."

Kindheitstraum: Feuerwehrmann

Benedikt Weber, 29, studiert Rettungsingenieurwesen an der FH Köln

"Alles was Tatütata macht und oben blau blinkt, begeistert kleine Jungs - mich eingeschlossen. Als Verbandsführer beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) habe ich heute selbst so ein Kommandofahrzeug in der Garage und düse, wenn's sein muss, mit Blaulicht zum Großeinsatz. Beim DRK engagiere ich mich schon seit ich 16 bin.

Anfangs habe ich mit meinen Freunden die Gulaschkanone bedient, heute koordiniere ich Einsätze mit mehreren Hundert Kräften mit dem Feuerwehrhauptmann vom Einsatzwagen aus. In meinem Hobby steckt mein ganzes Herzblut, nur lange habe ich nicht gewusst, wie ich daraus einen anständig bezahlten Beruf machen soll. Deshalb habe ich erst mal eine Banklehre absolviert und dann Jura studiert, bis ich von dem neuen Studiengang Rescue Engineering in Köln erfahren habe.

2005 habe ich mich eingeschrieben, bis zum Masterabschluss sind es nun noch drei Semester. Auf dem Stundenplan stehen Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, außerdem Fächer wie Sicherheitstechnik und Strahlenschutz. Als Absolvent könnte ich in den höheren Dienst bei der Berufsfeuerwehr einsteigen, aber auch als Notfall- und Krisenmanager bei einem Chemie- oder Mineralölkonzern."

Kindheitstraum: Detektiv

Victorine Stille, 27, Kunstdetektivin bei The Art Loss Register in Köln

"Unglaublich, was alles geklaut wird. Auf Kunstmessen und bei Auktionen tauchen regelmäßig auch gestohlene Kunstwerke auf: Alte Meister und moderne Kunst, Sammlerobjekte, Exotisches, Antiquitäten. Hier verbringe ich einen Großteil meiner Arbeitszeit und überprüfe, ob die angebotenen Stücke in unserem Art Loss Register eingetragen sind.

Das ist die weltweit größte private Datenbank für verlorene und gestohlene Kunst mit Büros in Europa und den USA. Seit April 2008 leite ich die deutsche Zweigstelle in Köln und bin Ansprechpartnerin für private Sammler, Kunsthändler, Versicherungen und internationale Fahndungsbehörden.

Außerdem betreue ich seit meinem Jobstart als Kunstdetektivin im Jahr 2006 das Büro in Amsterdam, das ich selbst mit aufgebaut habe. Bei uns arbeiten vor allem Kunsthistoriker, außerdem IT-Profis und Juristen. Ich selbst habe in Groningen Art and Art Management studiert und The Art Loss Register 2003 auf einer Messe kennengelernt. Ich war begeistert und habe mir sofort ein sechsmonatiges Praktikum im Londoner Büro organisiert.

Geschichten von berühmten Malern und Gemälden haben mich schon als Kind fasziniert. Einer der schönsten Familienurlaube war für mich eine Reise auf den Spuren von Claude Monet, die meine Eltern mit mir machten, nachdem ich als Achtjährige ein Kinderbuch über sein Leben gelesen habe. Damals hätte ich am liebsten selbst solche Bücher geschrieben, aber heute finde ich meine Recherchen als Kunstdetektivin noch viel spannender. In den letzten Jahren hat unser Unternehmen mitgeholfen, gestohlene Kunstgegenstände im Wert von über 230 Millionen Euro aufzuspüren, darunter jahrzehntelang verschollene Werke von Manet, Cezanne und Picasso."

Kindheitstraum: Lokomotivführer

Andreas Degenhardt, 33, Ingenieur bei Bombardier Transportation in Kassel

Die ersten Teile für meine Modelleisenbahn habe ich mit fünf oder sechs Jahren geschenkt bekommen, seitdem hat mich das Eisenbahnfieber nicht mehr losgelassen. Als ich größer war, habe ich in der Bücherei dann sämtliche Bücher über Eisenbahnen und Schienenverkehrstechnik ausgeliehen und meinen ganzen Ehrgeiz darangesetzt, zu Hause alles möglichst realitätsnah nachzubauen.

Über mein Studienfach musste ich nicht lange nachdenken: Ich habe in Aachen und Madrid Maschinenbau studiert und mich im Hauptstudium auf Schienenfahrzeuge spezialisiert. Nach dem Studium habe ich ein paar Initiativbewerbungen verschickt und mich nach verschiedenen Gesprächen für Bombardier entschieden.

Unser Unternehmen baut nicht nur Elektro- und Diesellokomotiven und Triebzüge, sondern ist auch der größte Lieferant von Schienenverkehrstechnik in Deutschland. Angefangen habe ich 2005 als Trainee, seit April 2006 arbeite ich als Projektingenieur im Bombardier-Werk Kassel und sehe hier jeden Tag live die neuesten Lokomotiven.

Als technischer Projektleiter betreue ich Neu- und Weiterentwicklungen. So ähnlich wie bei Autos müssen zum Beispiel auch Lokomotiven immer strengere Abgas- oder Sicherheitsnormen erfüllen. Viele Projekte laufen von der Idee bis zur Serienreife über zwei bis drei Jahre. Am Ende dann den ersten Prototyp in Betrieb zu setzen, ist für mich jedes Mal etwas ganz Besonderes.

Kindheitstraum: Schatzsucher

Tobias Rudolph, 32, Produktionsgeologe bei Shell International

"Als kleiner Junge konnte ich an keinem Steinhaufen vorbeigehen. Meine Mutter war ganz schön genervt, weil ich ständig alle Taschen und Schuhe mit meinen Schätzen vollstopfte. Trotzdem lag dann mit sieben oder acht Jahren der erste Mini-Geologenhammer unterm Tannenbaum - mit dem Ergebnis, dass ich im nächsten Urlaub unser Gepäck gleich um ein paar Gesteinsbrocken bereichert habe.

Heute kann ich von meinen Reisen Gesteinsproben mitbringen, so viel ich will. Seit August 2006 arbeite ich als Produktionsgeologe in der zentralen Forschungsabteilung von Shell in Den Haag. Anfangs habe ich vor allem den Computer mit geologischen Vergleichsdatensätzen gefüttert und Modelle von Lagerstätten berechnet, damit die Ingenieure vor Ort wissen, wo sie bohren sollen.

Inzwischen berate ich ganze Projektteams, die nach Öl suchen, und helfe ihnen bei der Interpretation ihrer Daten und Messwerte. Dazu fahre ich auch selbst zu unseren Bohrstätten, in diesem Jahr war ich schon in Kanada, Norwegen und Syrien. Die Suche nach Bodenschätzen ist ein sehr spannendes und internationales Geschäft. Wer bereit ist, sich zu engagieren und ins Ausland zu gehen, hat als Geologe sehr gute Karriereperspektiven."

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