Trauen Sie sich! Die richtigen Fragen für das Bewerbungsgespräch

Das Interview-Ende läuten Personaler mit einer Aufforderung ein: "Stellen Sie Ihre offenen Bewerberfragen." Kandidaten reagieren darauf meist so, als ob ein Zahnarzt nach längerem Bohren verkündet: "Jetzt dürfen Sie selbst!" Dabei liegt im Fragen Ihre Chance. Fragen Sie zu: Wissensfindung, Selbstpräsentation und subtilen Gesprächssteuerung.

Gerhard Winkler | , aktualisiert

Diese Bewerberfragen kommen nicht gut an:

- Habe ich Sie von mir überzeugen können?
- Warum sollte ich mich denn ausgerechnet für Ihr Unternehmen entscheiden?
- Gibt es noch ein zweites Gespräch?
- Wie lange habe ich Zeit zum Überlegen?
- Wie sicher ist meine Stelle in der Zukunft?
- Würden Sie mir einen SAP-HR-Einführungskurs zahlen?
- Wie viele Urlaubstage hat man bei Ihnen?
 - Wie sehen meine Arbeitszeiten aus?
- Was werde ich verdienen?

Darauf müssen Kandidaten achten:

Dämlich ist es, etwas zu erfragen, auf das man absehbar keine ehrliche Antwort bekommt. Schädlich handelt, wer durch seine Fragen Unsicherheit oder Defizite signalisiert. Grässlich, wenn am Interviewende alle Bewerber-Sicherungen durchbrennen und es nur noch darum geht, was sich an Vorteilen herausholen lässt.

Die neuen Fragen zeigen Interesse:

- Stellen Sie sich den idealen Mitarbeiter ungefähr so vor: ... (Selbstbeschreibung)?
- Für mich hat sich im Gespräch gezeigt, dass Sie ... (Job-Resümee ziehen). Habe ich damit die Aufgabenstellung richtig verstanden?
- Womit können junge Mitarbeiter Sie positiv überraschen? Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie ... (Selbstbeschreibung) wünschen?
- Wie gehen Sie mit Vorschlägen, Ideen und Feedback Ihrer Mitarbeiter um?
- Wie schätzen Sie mein Entwicklungspotenzial in der Firma ein?
- Halten Sie jährliche Performance Reviews und Zielvereinbarungsgespräche?
- Wäre es möglich, dass Sie mir den Arbeitsplatz zeigen?
- Ich habe keine Fragen mehr, aber ich würde gern zusammenfassen, was Sie von meinem Profil behalten sollen:... (Resümee der Jobeignung ziehen).
- Danke, Sie haben mich bestens informiert. Aber ich möchte am Ende noch einen Gruß ausrichten, und zwar von Herrn Kenk aus Frankfurt.

Lesen Sie auf Seite 2, was Personaler nervt und Bewerbungs-Coaches raten

Was Personaler nervt, weiß Birte Thiemann:

"Die Bewerber-Fragen am Ende eines Interviews sind für mich ein wichtiger Hinweis darauf, welche Motivation und welchen Anspruch ein Kandidat mitbringt und ob er sich vorher Gedanken gemacht hat. Positiv bewerte ich, wenn Bewerber einen Block mitbringen, auf dem sie sich vorher Fragen notiert haben. Es kommt gut an, wenn sich Bewerber während des Gesprächs Notizen machen und am Ende darauf zurückkommen.

Leider stellt ungefähr ein Drittel aller Kandidaten gar keine Fragen. Dies scheint mir unbegreiflich, da die Unternehmensstrukturen heute sehr komplex sind. Bewerber verpassen hier eine Chance, denn man kann nie wieder so offen und ohne Scheu nachfragen.

Andere denken lange nach und fragen schließlich nach der Anzahl der Urlaubstage. Dabei sind Informationen zur Aufgabe, zu Karrieremöglichkeiten oder zum Team entscheidend. Einige fragen forsch: "Warum sollte ich mich denn für PwC entscheiden?" Wir helfen Bewerbern, die mehrere Angebote vorliegen haben, gerne bei der Entscheidungsfindung. Trotzdem sollten sie darauf achten, dass sie nicht arrogant wirken."

Birte Thiemann ist Personalreferentin Pricewaterhouse Cooopers 
Mitarbeiter: 142 000 in 149 Ländern; davon 8100 in Deutschland
Bewerbungen pro Jahr(Deutschland): 30 000 
Interviews : 6 200, vier Gespräche pro Stelle 
Neueinstellungen pro Jahr: 1 400

Der Bewerbungscoach Gerhard Winkler rät:

"Gehen Sie informiert ins Gespräch. Gleichen Sie dort Ihr Vorwissen über Aufgaben, Konditionen, Chefs, Team und Karrierepotenzial ständig ab. Ziehen Sie Ihr Fazit.  Bohren Sie nach, wenn der Jobanbieter vage bleibt: Wo genau eingesetzt? Wofür zuständig? Wem untergeordnet? Wer berichtet an Sie? Der Antritt zu einem undefinierten Job ist der Einstieg in die Job-Hölle.  Verfolgen Sie ohne falsche Skrupel Ihre eigene Agenda: Bringen Sie rüber, was für Sie spricht. Hämmern Sie Ihre Hauptargumente ein. Verpacken Sie Statements auch in Frageform: "Ich habe erwähnt, dass ich ... Ist Ihnen diese Erfahrung wichtig?

Der Interviewer führt die Themen ein. Fragen Sie nicht zu früh. Lassen Sie den Personaler kommen, überraschen Sie ihn damit, dass Sie mehr wissen, als er gesagt hat.

Erfragen Sie erst dann die Ausstattung, wenn man die Verhandlungsphase eingeläutet hat. Ohne Jobofferte keine Diskussion über Umzugskosten oder Monatsticket."

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater und Buchautor. Er schreibt über Bewerbungsstress und Selbstvermarktung.

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