Trainee-Ausbildung Im Goldfischteich der Unternehmen

Traineestellen richten sich in der Regel an Hochschulabsolventen und sind häufig mit Förderprogrammen verknüpft, die dem Aufbau des Führungskräftenachwuchses dienen. Es gibt aber auch schlichte Ausbildungsangebote, die unter dem Namen Trainee "verkauft" werden.

Anne Koschik | , aktualisiert


Foto: goodluz/Fotolia

Ausgewählte Talente 

Funktion und Bedeutung der Trainees unterliegen (noch) der Interpretation der jeweiligen Arbeitgeber. Denn der Begriff „Trainee“ ist arbeitsrechtlich nicht geschützt. Er stammt aus dem Angelsächsischen und bedeutet in der schlichten Übersetzung „Auszubildender“, „Volontär“ oder „Praktikant“.

Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff aber immer stärker differenziert. Heutzutage sind Trainees insbesondere Hochschulabsolventen, denen in Konzernen oder mittelständischen Unternehmen ein spezielles Ausbildungsprogramm zu Gute kommt, das sie für besondere Aufgaben oder die Führungskräftelaufbahn qualifizieren soll.

Deswegen kann es in Deutschland schon als eine Form von „Begriffsmissbrauch“ angesehen werden, wenn Unternehmen Traineestellen anbieten, die nicht mehr als „bessere Praktikantenverträge“ sind, wie Karriereberaterin Doris Brenner erklärt.

Kennenlernen und bekannt werden

Für Hochschulabsolventen lassen sich drei Formen von Trainee-Angeboten unterscheiden:

1) Die Jobeinsteiger durchlaufen ein klassisches Traineeprogramm, werden dabei in verschiedenen Abteilungen und Projekten eingesetzt und können so das ganze Unternehmen kennenlernen. Während dieser Zeit können sie schnell erkennen, in welchem Bereich sich die besten Karrierechancen für sie auftun.

2) Aufgrund ihrer fachlichen Expertise erhalten die Jobeinsteiger die Möglichkeit, ein spezielles Fachtraineeprogramm zu durchlaufen. Von Anfang an steht hier fest, wohin der Weg führt. Dementsprechend werden die einzelnen Lernstationen im Unternehmen ausgewählt. Zusätzlich besuchen die Trainees ausgewählte Seminare und betreiben Networking, das ihnen in ihrem Übernahmebereich von Vorteil sein kann.

3) Die Jobeinsteiger werden zum Führungskräftenachwuchs ausgebildet. Für diese Programme sind die Auswahlkriterien der Unternehmen in der Regel sehr hoch.

Manche Unternehmen bieten außerdem ein „Trainee-Studium“ an. Das ist aber meist nichts anderes als ein „Duales Studium“, bei dem der Arbeitgeber die Studenten während der parallel stattfindenden Praxis- und Hochschulphasen finanziell unterstützt und sie dafür im Anschluss für zwei oder auch mehr Jahre beruflich bindet.


Foto: goodluz/Fotolia

Allen Traineeprogrammen gemein ist, dass die Kandidaten dort sehr schnell einen Überblick im Unternehmen bekommen können. Zudem haben Management und Abteilungen Trainees immer im Blick und nehmen sie anders wahr als Direkteinsteiger – was für die Karriere generell vorteilhaft ist, sich aber bei Fehlverhalten auch schnell negativ auswirken kann. 

Die Traineeausbildung richtet sich vor allem an Wirtschaftswissenschaftler: Wie aus einer aktuellen Kienbaum-Studie hervorgeht, bieten bereits mehr als drei Viertel der Unternehmen Traineestellen in diesem Bereich an, und sechs Prozent wollen ihr Angebot dahingehend ausweiten.

Jeweils acht Prozent der Unternehmen haben Traineeprogramme im Maschinenbau, in der Verfahrens- sowie Textiltechnik sowie im Wirtschaftsingenieurwesen aufgelegt.

Die Programme sind vor allem für Kandidaten mit Universitätsabschluss oder für Master-Absolventen reserviert. Manchmal besitzen sie sogar Exklusivcharaker: etwa wenn als Einstellungskriterium die Promotion plus zweijährige Berufserfahrung vorausgesetzt werden, wie Karriereberaterin Brenner aus Erfahrung weiß: „Solche Kandidaten können dann auch in großen Unternehmen in kürzester Zeit Top-Positionen erreichen.“

Auch für Bachelor-Absolventen

Wie die Kienbaum-Studie herausgefunden hat, bieten aber nur zwölf Prozent der Unternehmen Bachelor-Absolventen die Chance, als Trainee in ihrem Unternehmen durchzustarten. Branchenspezifisch lassen sich jedoch Unterschiede feststellen: So ist bei den Finanzdienstleistungen der Trainee-Einstieg traditionell schon der Regelfall. Und im Handel – speziell im Lebensmitteleinzelhandel oder bei Discountern – sind Bachelorabsolventen „gern gesehene Bewerber“, wie Personalexpertin Brenner weiß.

Insgesamt stellt Karriereberaterin Brenner aber eine „fortschreitende Akzeptanz“ des Bachelor-Abschlusses bei der Einstellung von Trainees fest: „Wer gut ist, den nimmt man gerne.“


Foto: goodluz/Fotolia

Die weitaus meisten Traineeprogramme werden von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern angeboten – insbesondere im produzierenden Gewerbe, in der Finanzdienstleistungsbranche sowie in der Beratungs- und Dienstleistungsindustrie, so die Kienbaum-Studie.

In ihrer Dauer variieren die Programme zwischen sechs und 36 Monaten, wobei mehr als ein Drittel der Unternehmen ein 18-monatiges Traineeprogramm anbietet. Weitere 30 Prozent bilden ihre Trainees schon in zwölf Monaten aus.

Gute Traineestellen: Was ist zu beachten?

An der Art der angebotenen Traineeprogramme lässt sich der Stellenwert der Trainees im Unternehmen erkennen – und damit auch die Wertigkeit der Ausbildung abschätzen, wie Karriereberaterin Doris Brenner verrät. Erstes Kriterium, um die Spreu vom Weizen zu trennen: Die Traineestelle sollte einen Hochschulabschluss voraussetzen. Des Weiteren sollte die Ausbildung eine Perspektive, sprich Übernahme, verheißen.

Auch die dargebotene Ausrichtung der Programme, Projektarbeit, fest zugeteilte Mentoren und Auslandsaufenthalte sind wichtige Kriterien, die die Traineestellen kennzeichnen. Dabei sollte aber beachtet werden, ob der Traineejob in einem Konzern oder mittelständischen Unternehmen angeboten wird. Wie Personalberaterin Brenner erklärt, verlaufen die Programme in großen Konzernen häufig nach einem rigiden System mit festgelegten Einsatzplänen, während der Mittelstand solche Programm flexibler und individueller gestalten kann.

Um einen besseren Einblick in die jeweiligen Traineeprogramme zu erhalten, sollten Bewerber sich persönlich an das Unternehmen wenden, empfiehlt Brenner. Sie könnten beim Arbeitgeber durchaus einmal nachfragen, ob es zum Beispiel möglich ist, sich mit einem Unternehmenstrainee auszutauschen. „Auch diese Möglichkeit sagt schon viel über die zu erwartende Qualität der Traineestelle aus.“

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...