Topmanagerinnen Wenn die Chefin schwanger ist

Der Wirbel um die Schwangerschaft von Yahoo-CEO Marissa Mayer zeigt: Schwangere Topmanagerinnen sind selten. Auch in der mittleren Führungsebene sind Kinder in manchen Unternehmen ein Karriere-Hindernis.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: olly/Fotolia.com

Mutterschaft und Top-Karriere

Daniela Weber-Rey kann sich vermutlich recht gut vorstellen, was Marissa Mayer, der frisch gekürten und schwangeren Yahoo-Chefin bevorsteht. Als sie vor etwa 24 Jahren ihren zweiten Sohn Vincent zur Welt gebracht hatte, telefonierte die damals 30-Jährige schon wenige Stunden später wieder mit Geschäftspartnern und Mandanten in New York.
 
Weber-Rey hat gezeigt, dass Frauen durchaus Mutterschaft und Top-Karriere miteinander vereinbaren können.
"Geburten haben mich zum Glück nie belastet", sagt die heute 53-jährige Top-Juristin und dreifache Mutter.
 
Sie ist nicht nur Partnerin in der Kanzlei Clifford Chance, sondern sitzt seit einigen Jahren auch im Verwaltungsrat der französischen Großbank BNP Paribas, berät die EU-Kommission in Sachen Unternehmensführung und ist seit 2008 als einzige Frau Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex.

Hürden für Schwangere

Schwangere Topmanagerinnen oder Vorstandsvorsitzende sind ebenso selten wie schwangere Ministerinnen. Das liegt sicher nicht in erster Linie an Diskriminierung, sondern wohl vor allem daran, dass Frauen selten noch im gebärfähigen Alter sind, wenn sie die höchsten Positionen erreichen.

Viel häufiger und weniger aufsehenerregend sind naturgemäß Frauen, die gerade die ersten Stufen auf der Karriereleiter erklimmen – und dafür auf Kinder nicht verzichten wollen. Und gerade in Deutschland scheinen die Hürden für karrierewillige Mütter besonders hoch zu liegen.


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Evelyne Freitag, 45, ist als Mitglied der Geschäftsführung bei Goodyear Dunlop, verantwortlich für die Bereiche Finanzen, Einkauf, IT und Prozessmanagement in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Freitag ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

"Als ich vor neun Jahren mit meinem zweiten Kind schwanger war, war ich bei einem US-Konzern als Vice President für Finanzen zuständig. Ich habe meinem amerikanischen Vorgesetzten gesagt, dass ich nach der Geburt acht Wochen von zu Hause arbeite. Er war nicht überrascht und sagte: Okay, bis bald."
 
In Deutschland dagegen habe man ihr zu verstehen gegeben, dass eine Führungsposition mit Kind nicht gehe. Davon ließ sie sich aber nicht beeindrucken.

Kinderbetreuung kein Problem

"Unternehmen, die Frauen im Topmanagement sehen wollen, müssen auch ein entspanntes Verhältnis zu Schwangerschaften und Kindern haben", sagt Christine Stimpel, Geschäftsführerin der Personalberatung Heidrick&Struggles in Deutschland.

Sie habe bisher auch stets die Erfahrung gemacht, dass Frauen, die für solche Positionen in Frage kommen, ihre Familien ebenso gut managen wie alles andere in ihrem Leben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das nötige Geld hätten, ihre Kinder betreuen zu lassen.



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Nicht immer gehen die betroffenen Managerinnen und ihre Unternehmen mit der Schwangerschaft so offen und positiv um, wie das Marissa Mayer und Yahoo zumindest nach außen tun.

Der Frankfurter Personalberater Heiner Thorborg weiß von einer jungen Anwältin zu berichten, die schon als Partnerin in ihrer Kanzlei fest vorgesehen war und dann von der Liste flog, als bekannt wurde, dass sie schwanger ist.
 
"Ihr direkter Vorgesetzter hat eine Frau mit drei Kindern, die nicht arbeitet." Er konnte sich offensichtlich nicht vorstellen, dass eine junge Mutter der anstrengenden und verantwortungsvollen Führungsaufgabe gewachsen ist. So etwas werde natürlich nie laut ausgesprochen, sagt Thorborg.
 
"Privatleben ist kein Qualifikationsfaktor"

Er empfiehlt Frauen, sofort Bewerbungsgespräche abzubrechen, wenn Sie nach ihren Kinderwünschen befragt werden. Schließlich sei das auch mit gutem Grund verboten: "Kinder zu kriegen, ist eine persönliche Entscheidung, die keinen Arbeitgeber etwas angeht."
 
Stimpel ist der gleichen Ansicht: "Das Privatleben ist kein Qualifikationsfaktor." Das sieht manch einer allerdings anders, wenn es um Topmanagerinnen geht.



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Als 2009 Jasmin Staiblin, die Chefin der Schweizer Tochter des Konzerns ABB, schwanger war, machten sie selbst und ABB daraus so lange ein Geheimnis, bis es nicht mehr zu verheimlichen war. Erst im neunten Monat informierte die Managerin mit einer ganz knappen Nachricht im firmeneigenen Intranet die Belegschaft.

Nach vier Monaten kehrte sie auf ihren Posten zurück. Presseanfragen zu ihrer Schwangerschaft lehnte sie ab. Bei einigen Schweizer Journalisten löste diese Nicht-Informationspolitik Kritik aus. "Hilfe, die Chefin ist schwanger!", schrieb die Sonntagszeitung.

Schließlich hätten Anteilseigner, Gläubiger und vor allem Mitarbeiter ein legitimes Interesse daran, wie die Chefin gedenkt, die Arbeitsbelastungen mit der Mutterschaft in Einklang zu bringen. Jasmin Staiblin jedenfalls machte auch als Mutter bei ABB eine gute Figur. Sie wird, wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, im kommenden Jahr Vorstandschefin des Schweizer Energiekonzerns Alpiq.


Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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