Telefoninterviews Lächeln für den Job, auch wenn es niemand sieht

Bei der Personalsuche setzen Firmen verstärkt auf Telefoninterviews vorm Vorstellungsgespräch. Wie man sich vorbereitet, hat die Autorin Anne-Sophie Lang in einem Coaching getestet.

Anne-Sophie Lang, Zeit.de | , aktualisiert


Foto: Benicce/Fotolia

Wie beim Frage-Antwort-Spiel 

Ich habe eine Stellenanzeige vor mir und erkläre, warum ich die Richtige für den Job bin. Meine Gesprächspartnerin sitzt mir aber nicht gegenüber. Die Personalerin stellt mir ihre Fragen per Telefon. Sie fragt, ich muss antworten: Was macht meine Persönlichkeit aus? Welche Gehaltsvorstellungen habe ich?

Im Ernstfall wüsste ich nicht einmal, wie die Frau aussieht, die mich gerade ausfragt. Aber ich trainiere heute nur; meine Gesprächspartnerin am anderen Ende der Leitung ist Bewerbungs- und Karriereberaterin. Heike Rebel übt mit Jobsuchenden, Bewerbungsgespräche zu führen, Lebensläufe zu schreiben – und sich am Telefon zu präsentieren.

Solche Telefoninterviews setzen Personaler immer häufiger ein, um aus dem Bewerberstrom die passenden Kandidaten zu filtern. Wer sich gut schlägt, darf vorbeikommen.

Rebel hat früher selbst für Unternehmen Hochschulabsolventen eingestellt, Telefoninterviews und Bewerbungsgespräche geführt. Im vergangenen Jahr hat sie sich selbstständig gemacht. Für die Simulation eines Telefoninterviews mit Feedback nimmt sie 69 Euro, für ein Assessment-Center-Training 129. Wer ein Coaching bei ihr macht, hat meist schon eine konkrete Stelle ins Auge gefasst.

Telefoninterview kommt einem kurzen Vorstellungsgespräch gleich

Für mich suchen wir eine Stellenanzeige aus dem Internet. Erste Berufserfahrung wird da gefordert, Kontaktfreude, eine sichere Schreibe. Das Telefoninterview, erklärt Rebel im Vorhinein, laufe zwar ähnlich wie ein Vorstellungsgespräch ab, sei aber kürzer.

Meist muss man nicht noch einmal den gesamten Lebenslauf schildern, sondern gleich Fragen zu einzelnen Punkten beantworten. Das hilft dem Personaler beim Filtern.


Foto: Benicce/Fotolia

In der Simulation fragt Rebel kurz nach meinem beruflichen Werdegang. Tipps gab es vorher schon: Brüche sind kein Problem, wenn man sie erklären kann. Und mit jeder Station soll ich Informationen darüber verbinden, was ich dort gemacht und gelernt habe.

Also: In der Lokalredaktion habe ich gelernt, scheinbar triviale Themen spannend aufzuschreiben, in der Großstadtredaktion, mich durchzusetzen.

Langsam komme ich mir wirklich vor wie mitten im echten Bewerbungsgespräch. Wann ich denn die Stelle antreten könne? Ich improvisiere: "Zum neuen Jahr." Früher nicht? "Äh. Doch, eventuell auch früher. Meine persönliche Planung war zwar nächstes Jahr, aber wenn es nicht anders geht..." Keine besonders kluge Antwort, schießt es mir durch den Kopf.

Gutes Grundgefühl schaffen

Rebel findet sie gar nicht so schlecht – nur nicht selbstsicher genug vorgetragen. Sie rät, sich vor dem Telefonat an eine Situation zu erinnern, in der man sich besonders sicher fühlte.

Und auch wenn die Personaler den Kandidaten nicht sehen können: Im Schlafanzug sollten Bewerber ein Telefoninterview lieber nicht führen. Seriöse Kleidung ist gut fürs Selbstbewusstsein.

Zur richtigen Vorbereitung gehört auch, Störungen zu vermeiden, also etwa das Handy auszuschalten und keine zeitlich knappen Termine hinter das Interview zu legen. Außerdem sei es ratsam, am Telefon zu lächeln. "Es macht automatisch eine positive Ausstrahlung", sagt Rebel. Ans Lächeln denke ich in der Simulation natürlich nicht, sondern schaue vermutlich ziemlich grantig. Außerdem komme ich ins Stocken, als es darum geht, ad hoc meine Persönlichkeit zu beschreiben.

Nicht so schlimm, sagt die Trainerin: Das könne sogar sympathisch wirken. Am Schluss des gespielten Telefonats erklärt sie mir die weitere Vorgehensweise: Natürlich hätten sich noch andere beworben – sie würde mich in der nächsten Woche noch einmal anrufen.

Begeisterung vermitteln

Nach der Simulation weiß ich, woran es bei mir noch hapert: an der Motivation in der Stimme, daran, meine Begeisterung für den Job zu vermitteln. "Enthusiasmus rüberzubringen ist am Telefon noch schwieriger", sagt Rebel.

Sie rät mir, die Interviewsituation zu üben – gerne auch mit Freunden. So lange, bis es selbstverständlich wird, jemandem am anderen Ende der Leitung zu erklären, warum man genau die Richtige für den Job ist.


Foto: Benicce/Fotolia

Den Termin für ein Telefoninterview machen Personaler und Bewerber meist per E-Mail aus. Beim Telefonat selbst stellt sich der Gesprächspartner vor und beginnt oft mit Smalltalk – bevor die Interviewfragen kommen.

Typische Fragen sind: Warum haben Sie sich beworben? Was ist Ihnen aus der Aufgabenbeschreibung vertraut? Auch technische Daten wie Gehaltsvorstellungen werden häufig abgefragt.

Ein Telefoninterview kann zwischen einer halben Stunde und einer Stunde dauern. Die Vorbereitung ähnelt der auf ein Vorstellungsgespräch von Angesicht zu Angesicht.

Der Bewerber sollte üben, die Stationen des eigenen Lebenslaufes darzustellen. Grundlegend ist auch, über das Unternehmen und die Branche informiert zu sein. Außerdem sollten Kandidaten sich selbst präzise charakterisieren und dies mit Beispielen aus dem Lebenslauf belegen können. So kann man auf eine erfolgreiche Projektarbeit für gute Teamfähigkeit verweisen.

Wird nach den eigenen Schwächen gefragt, gilt es, ehrlich, aber positiv und konstruktiv zu bleiben. Weil der Wahrheitsgehalt der Antworten kaum überprüfbar ist, verzichten viele Personalverantwortliche mittlerweile aber auf diese Standardfragen, die meist ohnehin mit Standardantworten aus der Ratgeberlektüre beantwortet werden.

Zur Vorbereitung gehört auch, für eine ruhige Umgebung zu sorgen und ausgeruht zu sein. Damit die Stimme voll klingt, hilft es, gerade zu sitzen.

Mögliche Fragen:
• Fragen, die sich aus dem Lebenslauf ergeben
• Warum haben Sie sich für Ihr Studium entschieden?
• Warum haben Sie sich bei uns beworben?
• Was hebt Sie von anderen Bewerbern ab?
• Wo haben Sie noch Defizite?
• Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?
• Wann können Sie frühestmöglich anfangen?


Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...