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Teilzeitfalle "Mütter sollen frei entscheiden können"

Unternehmen und Bundesregierung müssen stärker in die Kinderbetreuung investieren, damit Eltern früh an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Außerdem sei ein Rechtsanspruch auf einen Vollzeitjob wünschenswert, erklärt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder im Interview.

Claudia Obmann | , aktualisiert

"Mütter sollen frei entscheiden können"

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Foto: Jochen Mittenzwey/Fotolia.com

Frau Bundesministerin, Ihre aktuelle Studie ergab, dass die meisten deutschen Arbeitgeber sich erst mit der Rückkehr von Müttern in den Job beschäftigen, wenn deren Elternzeit schon um ist – und dann nicht wissen, wohin mit ihnen. Was leiten Sie daraus ab?

Schröder: Der Ausbau der Kinderbetreuung ist der entscheidende Punkt für die Bundesregierung, um den beruflichen Wiedereinstieg von Eltern zu erleichtern. Ich will aber auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Ein Arbeitgeber hat doch Interesse daran, Mitarbeitern gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, wenn er will, dass Mütter und Väter schnell an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Die Studie zeigt, dass da noch Luft nach oben ist. 31 Prozent der Betriebe können sich nach eigener Aussage vorstellen, ihre Mitarbeiter beim Thema Kinderbetreuung besser zu unterstützen. Aus dieser Bereitschaft muss dringend Wirklichkeit werden.

Mütter beklagen sich, dass eine Teilzeitstelle auf Dauer ihre Karriere behindert - geringerer Anspruch im Fall der Arbeitslosigkeit und Einbußen bei der Rente sind die Folgen. Wie können Mütter dieser "Teilzeitfalle" entgehen?

Schröder: Wenn Kinder noch klein sind, ist Teilzeit ja oft ein gewünschtes Modell. Aber wenn Mütter später wieder Vollzeit arbeiten wollen, haben sie darauf jenseits der Elternzeit keinen Rechtsanspruch. Das halte ich für falsch, das müssen wir dringend ändern, damit vor allem Frauen für ihre Teilzeitphase nicht auf Dauer mit schlechteren Karrierechancen bezahlen müssen.

Sie animieren Unternehmen, Kindergärten zu finanzieren und propagieren das Recht auf Vollzeitstellen für rückkehrwillige Eltern. Was aber unternehmen Sie, um grundsätzlich eine fairere Aufgabenteilung bei der Kinderbetreuung zwischen Vätern und Müttern hinzubekommen?

Schröder: Wir haben mit dem Elterngeld ein Instrument geschaffen, das unglaublich viel verändert hat. Vorher lag der Anteil der Väter, die nach der Geburt ihres Kindes eine berufliche Auszeit genommen haben, bei rund drei Prozent, heute sind es über 27 Prozent.

Vätermonate schön und gut. Doch es bleibt dabei, dass Unternehmen für Mütter einen langfristigen Ersatz organisieren müssen, während sie für Väter allenfalls eine Überbrückung brauchen. Wie wäre es damit, dass Väter einen größeren oder sogar gleich großen Part bei der Betreuung ihrer Kinder übernehmen müssen?

Schröder: Ich möchte keinen Staat, der den Menschen zu sehr in ihr Privatleben reinredet. Männer und Frauen sollen in ihrer Partnerschaft selbst entscheiden, wie sie ihr Familienleben organisieren wollen. Ich fände es anmaßend, wenn ich als Familienministerin bestimmte Formen des Zusammenlebens bevorzugen oder abqualifizieren würde.

Also bleiben aus Arbeitgebersicht Mitarbeiterinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen ein erhöhtes Kosten- und Ausfallrisiko.

Schröder: Da hat sich doch einiges zugunsten der Frauen getan. Ich höre von Arbeitgebern, dass gerade von jüngeren Männern sehr viel öfter als noch vor zehn Jahren der Wunsch geäußert wird, pünktlich Schluss machen zu wollen, weil sie ihre Kinder sehen möchten, oder dass sie die eigene Arbeitszeit für eine bessere Balance von Arbeits- und Familienleben reduzieren möchten.

Aber solche winzigen Fortschritte reichen vielen karrierewilligen Frauen nicht, Ungeduld macht sich breit…

Schröder: Familienpolitik sollte nicht vorschreiben, wie Familien leben sollen, sondern möglich machen, dass Familien so leben können, wie sie leben wollen.

Sie haben selbst eine kleine Tochter. Wie empfinden Sie eigentlich den Spagat zwischen Mutterrolle und Ministeramt?

Schröder: Für mich ist das kein Spagat zwischen meinen Rollen, sondern wie in vielen Familien eine Frage der täglichen Zeitknappheit. Die Bundeskanzlerin hat mir zu Beginn meiner Schwangerschaft gesagt, ihr sei klar, dass ich in gewissen Dingen nicht mehr so flexibel sein könne, aber es würde bestimmt trotzdem gehen. Und es geht tatsächlich – manchmal etwas knirschend, was die wenigsten mitbekommen – eben weil die Chefin das nötige Verständnis hat.

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