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Teilzeit und Mini-Jobs Kein Verdrängungswettbewerb

Zeitarbeiter und andere "atypisch" Beschäftigte vernichten keine Vollzeitstellen. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. In Zukunft wird die Arbeitswelt noch flexibler.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert

Kein Verdrängungswettbewerb

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Foto: Shutter81/Fotolia.com

Einen Arbeitnehmer mit befristetem Vertrag wird es kaum trösten, dies zu lesen: So genannte "atypische" Beschäftigungsverhältnisse verdrängen keine Vollzeitbeschäftigten, hat das "Institut zur Zukunft der Arbeit IZA" im Auftrag der Expertenkommission "Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland" der Bertelsmann-Stiftung herausgefunden.

2003 arbeitete nicht einmal jeder fünfte Erwerbsfähige (19 Prozent) in einem so genannten atypischen Beschäftigungsverhältnis – also in Teilzeit, befristet, als Leiharbeiter oder in einem Mini-Job. Inzwischen tun es 24 Prozent aller Erwerbsfähigen.

Diese Entwicklung ging laut der IZA-Studie wohl nicht zu Lasten der stabilen Arbeitsverhältnisse. Im selben Zeitraum stieg nämlich der Anteil der Erwerbsfähigen, die eine klassische unbefristete Vollzeitstelle bekleiden, von 39 auf 41 Prozent.

"Erstaunliche" Stabilität

Die Autoren sprechen angesichts der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt mit zunehmenden Anforderungen an die Flexibilität der Arbeitnehmer von einer „erstaunlichen Stabilität der so genannten Normalarbeitsverhältniss“, die sowohl in Industrieunternehmen als auch im Dienstleistungssektor feststellbar sei.

Es gebe, so vermuten die Autoren, einen direkten Zusammenhang zwischen der Zunahme an atypischer Beschäftigung und der Abnahme der strukturellen Arbeitslosigkeit. Denn während seit 2003 der Anteil der atypischen Jobs von 19 auf 24 Prozent kletterte, ging der Anteil der auf dem Arbeitsmarkt Inaktiven von 24 auf 19 Prozent zurück.

Bemühen um langfristige Bindung

Für die Stabilität der Vollzeitarbeitsverhältnisse sorgen vor allem der starke industrielle Kernbereich des deutschen Arbeitsmarkts und der Rückgang des Angebots an qualifizierten Erwerbsfähigen.

Dieses aus demografischen Gründen sinkende Angebot ist nach Ansicht der Wissenschaftler der Grund dafür, dass in absehbarer Zeit atypische Beschäftigung die Normalarbeitsverhältnisse nicht zurückdrängen werden.

"Arbeitgeber sind vor allem in industriellen Bereichen bemüht, qualifizierte Arbeitnehmer längerfristig zu binden und betriebsspezifisches Wissen aufzubauen", sagt Birgit Riess von der Bertelsmann Stiftung.

In einigen Branchen und bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern ist ein Rückgang atypischer Beschäftigungsverhältnisse zu beobachten.

Die vergleichsweise starke Marktposition dieser Arbeitnehmer wirke sich auch in den Verhandlungen über Gehalt, Arbeitszeiten oder Arbeitsbedingungen aus. Umgekehrt wächst gerade auf schrumpfenden Arbeitsmärkten und bei einfachen Tätigkeiten der Anteil der atypisch Beschäftigten.

Risiken des Wandels

Die Autoren der Studie sagen voraus, dass die Arbeitswelt noch flexibler werden wird. Dafür sorgen der auch in Deutschland stattfindende Wandel zur Dienstleistungswirtschaft, technologische Innovationen und der immer globalere Wettbewerb in vielen Branchen.

Die Risiken dieses Wandels werden, so die Autoren, stärker auf die individuellen Beschäftigten verlagert.

So werde voraussichtlich die Flexibilität der Arbeitsorganisation in den Betrieben zunehmen - auch für Vollzeitbeschäftigte. Dies gilt für Entlohnung ebenso wie für Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation. Bislang tut dieser Wandel der Zufriedenheit der Arbeitnehmer keinen Abbruch: 90 Prozent der Erwerbstätigen äußern sich positiv über ihre Arbeit.

Mahnung zur Vorsicht

Werner Eichhorst, zuständig für Europapolitik beim IZA und Autor der Studie, mahnt die Politik bei künftige Regelungen im Arbeitsmarkt zur Vorsicht.

Die Flexibiliät der Unternehmen sollten nicht allzu sehr beschnitten werden. Massive Eingriffe, etwa die Festlegung von Mindestlöhnen oder die Einschränkung von atypischer Beschäftigung, könnten die beschäftigungspolitischen Erfolge der vergangenen Jahre gefährden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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