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Sven Giegold "Die Liebe zur Natur treibt mich an"

Der Attac-Aktivist Sven Giegold kandidierte bei der Europawahl für die Grünen. In der Partei hat der Neuzugang keine leichte Aufgabe. Er soll die Basis der Sonnenblumenschwenker mit den Realos der Parteispitze nach langer Krise wieder versöhnen.

Barbara Gillmann | , aktualisiert

Sven Giegold ist unberechenbar - geblieben. In letzter Minute und in aller Öffentlichkeit versucht das Neu-Mitglied der Grünen das Programm für die Bundestagswahl noch zu drehen und die versprochenen Freibeträge für Mittelständler bei der Erbschaftssteuer zu kippen. "Da kommt dann der Steuerberater und rät, Privatvermögen in den Betrieb zu verlagern und so die Erbschaftssteuer zu umgehen", warnt Giegold von der Bühne des Berliner Velodroms seine neuen Parteifreunde. Die Finanzexpertin der Fraktion, Christine Scheel, seit 15 Jahren im Bundestag, hält dagegen: Auch die Grünen müssten mittlere Betriebe liquide halten, damit diese Jobs schaffen könnten. "Außerdem macht man so was über Steuersätze und nicht über Freibeträge", belehrt sie den Neuzugang. Doch Giegold hat einen Nerv getroffen. Die Abstimmung wird so knapp, dass sie per Aufstehen der Delegierten wiederholt werden muss. "Abgelehnt, Sven hat es auch gesehen", heißt es dann anschließend. Giegold verlässt erkennbar enttäuscht das Podium.

Sven Giegold ist nicht irgendein Neu-Grüner, er ist ein Symbol. Der ehemalige Frontmann von Attac steht für die Basis aus Globalisierungsgegnern, Friedensaktivisten und Naturschützern, von der sich die Grünen in ihrer siebenjährigen Regierungszeit weiter entfernt haben, als ihnen heute lieb ist. Nun wollen sie sie wieder an den grünen Mutterbusen drücken - auch um zu verhindern, dass die ihr Kreuz womöglich bei der Linkspartei machen.

Giegold kommt auch nicht als Hinterbänkler. Für die Wahl zum Europa-Parlament am 7. Juni haben die Grünen ihn auf Platz vier der Europaliste gesetzt. Dass er tatsächlich demnächst Büros in Brüssel und Straßburg bezieht, ist damit so gut wie sicher.

Er stellt sich der Öffentlichkeit

Der Mitbegründer von Attac, der außerparlamentarische Aktivist, der in Deutschland das Gesicht der Globalisierungsgegner wurde, wechselt die Front. Der Politiker aus Berufung wird zum Berufspolitiker. Er büßt dabei ein Stück seines Privatlebens ein. Das weiß der Medienprofi Giegold. "Alles an ihm ist Askese", hat ein Magazin jüngst geschrieben. So etwas nervt ihn: "Ich bin zwar Vegetarier - aber doch kein Asket", erklärt er, während er genüsslich vegetarische Maultaschen in sich hineinstopft. Er esse gerne gut und "mache sogar Urlaub". Er hat sich aber damit abgefunden, dass sich die Öffentlichkeit dafür interessiert, was er isst, trinkt, ausgibt und in der Freizeit treibt, seit er zum Hoffnungsträger der Grünen aufgestiegen ist.

Die Stoßrichtung für seinen parlamentarischen Einsatz ist klar. Im Europa-Parlament will Giegold weiter für die Themen kämpfen, für die er sich schon bei Attac eingesetzt hat: Einheitliche Steuern, um den Steuerwettlauf nach unten zu beenden, Austrocknen der Steueroasen, "Schlussmachen mit der kreativen Buchführung der Unternehmen" und natürlich eine Börsenumsatzsteuer. Kurz: "Ungerechtigkeiten skandalisieren."

Joschka Fischer hat Giegold offen kritisiert

Abzusehen war es nicht, dass der Attac-Fundi zur Verfolgung seiner Ziele in die parteipolitische Zwangsjacke schlüpfen würde. Zu Zeiten der rot-grünen Koalition geißelte Giegold die Politik der Grünen noch aufs Heftigste, vor allem deren heimlichen Vorsitzenden: "Joschka Fischer hat die Grünen zu einer neoliberal gewendeten Partei in der Nähe zur FDP gemacht." Enttäuschten Anhängern der Grünen empfahl er, bei Attac mitzumachen. Nun macht Giegold bei den Grünen mit. Die Parteivorsitzende Claudia Roth kann es kaum fassen: "Ich bin so froh, dass wir Sven Giegold haben. Ich bewundere seine brillante Intelligenz." Giegold selbst weiß, dass er auch als Maskottchen, als Aushängeschild dient: "Aber viele glauben, dass ich auch was kann."

In den Polit-Talkshows hat er sich schon als Attac-Repräsentant mit seinem eloquent-bissigen Stil einen festen Platz erobert. Mit seiner analytischen Art und der ihm eigenen Ernsthaftigkeit lässt er andere Mitglieder des Politikbetriebs häufig alt aussehen. Neulich bei Maybrit Illner reizt Giegold Otto Fricke, den Jungstar der FDP, mit seiner sturen, aber prägnanten Argumentation so sehr, dass der seine gute Kinderstube vergisst; Fricke weiß sich nur noch dadurch zu helfen, dass er Giegold immer wieder ins Wort fällt. SPD-Chef Franz Müntefering schmunzelt erst verblüfft, dann anerkennend und bemerkt zum Schluss: "Ich sehe schon, so eine Ampel wäre nicht ganz einfach."

Die Schule ist die Wurzel des Aktivismus

Die Karriere des Aktivisten Giegold beginnt in der Schule. Schuld ist die Biologielehrerin. Sie fährt mit der Klasse aus Hannover in den Harz, um ihnen den sterbenden Wald zu zeigen. Das Erlebnis ist für den damals 13-Jährigen prägend: Unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Harz engagiert sich Sven in der Umwelt-AG der Schule. "Politisiert wurde ich dann in der Arbeitsgruppe Tümpel und Lurche des BUND", kokettiert er heute mit dem Klischee vom aufopferungsvollen Krötenschützer.

In die Wiege ist ihm das nicht gelegt. Zwar wandern die Eltern - ein Maschinenschlosser und eine Fotolaborantin - viel mit dem einzigen Sohn. Aber zu Hause ökologisch angebaute Lebensmittel durchzusetzen, "hat mich Jahre gekostet". Auch dass der Vater mit dem Auto zur Arbeit fährt, "hab ich überhaupt nicht gern gesehen". Giegold selbst hat nie einen Führerschein gemacht. Wenn es irgend geht, vermeidet er Flüge und Taxifahrten, ist stattdessen ständig mit dem Zug unterwegs und fährt zu Hause auf dem Land ein schon reichlich abgenutztes Liegefahrrad.

Nach dem Studium gründet er ein Ökozentrum

Nach der Schule folgt konsequenterweise der Zivildienst beim Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen. Anschließend studiert der Naturschützer dann "Wirtschaftspolitik und Entwicklung" in Lüneburg, Bremen und Birmingham - bis zum Master of Social Science. Daher ist für Sven Giegold der Sprung "vom Umweltschutz zu Wirtschaftsfragen auch nicht weit".

In der idyllischen Reiterstadt Verden an der Aller gründet Giegold nach dem Studium mit Kompagnons ein Ökozentrum, in dem heute 40 Leute in einer ehemaligen Kaserne in diversen Ökobetrieben und einem Tagungszentrum aktiv sind. "Obwohl wir Geld investieren wollten, waren wir zuerst nicht willkommen", erinnert sich Giegold. Nach langwierigen Kämpfen mit der Stadt "haben wir das Gebäude nur dank eines FDP-Abgeordneten bekommen", sagt der Neu-Grüne und lacht über diese Ironie des Schicksals. Lachen, das kann er durchaus, aber man muss viel Geduld haben, um ihn dabei zu erwischen. In der Öffentlichkeit lacht Sven Giegold nicht. Das verträgt sich nicht mit der Ernsthaftigkeit seines Anliegens.

Der nächste Schritt ist die Attac-Gründung

Seine prägendste Zeit sind die Jahre bei Attac, die ihn berühmt machen. 2000 gründet Giegold die deutsche Sektion der Globalisierungskritiker und profiliert sich als deren Chefökonom. Attac bläst zum Angriff auf die Globalisierung. Ziel ist eine internationale "Solidaritätssteuer" zur Kontrolle der Finanzmärkte. Vorgeschlagen hatte sie der US-amerikanische Ökonom James Tobin bereits Ende der 70er-Jahre. Er forderte, für jedes spekulative internationale Devisengeschäft eine einheitliche Steuer von 0,1Prozent zu erheben.

Nach den ersten kräftezehrenden Jahren zwischen Demo-Organisation, dem Schreiben unzähliger Artikel und Aufsätzen sowie den vielen Medienauftritten legt Giegold erschöpft eine Pause ein. In Paris. Dort will er seine Doktorarbeit beenden, die er aber an der Seine schnell ad acta legt. "Dafür habe ich endlich eine zweite Fremdsprache gelernt", sagt Giegold. Im Nachhinein sieht es aus wie die zielgerichtete Vorbereitung für den Job des EU-Parlamentariers, aber Giegold weist diesen Verdacht von sich.

Giegolds Engagement bezieht sich auch auf soziale Fragen

Zurück aus Paris geht es bei Attac wieder um die demokratische Kontrolle der Finanzmärkte, um die Handelspolitik der WTO, die Verschuldung der Dritten Welt und die Privatisierung der staatlichen Sozialversicherungen und öffentlichen Dienste. Kein Wunder, dass sich auch die Linkspartei für Giegold interessiert. Vor der Bundestagswahl 2005 bieten sie ihm eine Kandidatur für den Bundestag an. Zu attraktiv wäre der Vorkämpfer gegen die weltweite Ungerechtigkeit für die Truppe Oskar Lafontaines. Giegold lehnt ab. Ihn stört, "dass sich die Linken die ökologischen und entwicklungspolitischen Fragen gar nicht stellen". Deswegen sind sie für ihn auch gar nicht links.

Doch er sieht die Zeit für etwas Neues gekommen. Attac habe entscheidend dazu beigetragen, dass die Probleme der Globalisierung heute ernst genommen werden, ist Giegold überzeugt. Doch weil die Themen seit dem UN-Bericht zur Klimakatastrophe und dem Ausbruch der Finanzkrise inzwischen Allgemeingut sind, "müssen Globalisierungsgegner jetzt eine neue Rolle suchen, politischen Druck aufbauen, damit die Probleme auch gelöst werden".

Büttikhofer holt Giegold zu den Grünen

Für Giegold kommt das Werben der Grünen 2007 da gerade recht. Es fängt damit an, dass ihn der damalige Parteichef Reinhard Bütikofer bittet, als Externer die Arbeitsgruppe zur sozialen Grundsicherung zu leiten. Damals tobt in der Ökopartei ein erbitterter Kampf zwischen den Freunden eines bedingungslosen Grundeinkommens und einer Grundsicherung. Auch dank Giegold gelingt es Bütikofer, eine Mehrheit für die billigere Grundsicherung zu organisieren.

Das bringt Giegold auch innerhalb der Partei viel Respekt ein: "Es ist sehr angenehm, wenn jemand vom ganz linken Rand gleichzeitig so geerdet ist, dass er etwa das von vielen Grünen gewünschte Grundeinkommen für jedermann als völlig unbezahlbar ablehnt", lobt ihn der hessische Super-Realo Tarek Al Wazir. Außerdem "arbeitet Sven sehr genau und lässt sich auch auf Gegenargumente ein".

Die Grünen unterliegen stetem Wandel

Im Herbst 2008 wirbt dann Malte Spitz - jüngstes Mitglied im Parteivorstand - Sven Giegold für eine Europa-Kandidatur an. Bevor er annimmt, berät sich Giegold mit Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsvizepräsidentin für die Grünen und seit kurzem auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er will vor allem wissen, warum sie damals, in der rot-grünen Ära, als Fraktionschefin die Hartz-IV-Gesetze mittragen konnte. "Er ist ein Utopist", sagt Göring-Eckardt, und meint das "sehr positiv". Er lebe vor, woran er glaube. Dass er heute in der Partei ist, die er früher als neoliberal beschimpfte, überrascht sie dennoch nicht: "Beide haben sich geändert: Sven und die Partei."

Giegold sieht sich in der Partei um: Erwartet hatte er viele "68er-Kids, die sich nicht fürs Soziale interessieren", gefunden hat er viele, die ähnlich wie er für Gerechtigkeit eintreten und die "gar nicht so wohlhabend sind", wie er gedacht hatte.

Giegold vertritt wieder stärker die Fundis

Das Gespräch mit der Protestantin Göring-Eckardt und die Recherche an der Basis überzeugen ihn. Dann geht alles sehr schnell: Anfang September 2008 tritt Giegold in die Partei ein - beim Europa-Parteitag im Januar 2009 in Essen wählen sie ihn gegen diverse Konkurrenten auf Anhieb auf den vierten Listenplatz. Der Aktivist wird jetzt den Marsch durch die Institutionen antreten. Wenn er, wie erwartet, den Einzug ins Europa-Parlament schafft, wird er noch weniger Zeit in der Hofschaft bei Verden verbringen, wo er mit seiner Freundin, einer Ärztin, zwei weiteren Paaren, einem Hund und einer Katze lebt.

Mit Giegold geht ein Idealist der Moderne nach Europa, der einem tiefen moralischen Impetus folgt. "Die Liebe zur Natur und ein tiefes Gefühl gegen Ungerechtigkeit - das treibt mich an." Bei einem 20-Jährigen würde man lächeln, bei dem fast 40-Jährigen überlegt man, ob da einer kokettiert. Der äußere Schein und der Lebenslauf sprechen dagegen.

Das bestätigt auch der grüne Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Jürgen Trittin, selbst ein mit allen Wassern der Politik gewaschener Pragmatiker: "Giegold ist ein in der Wolle gefärbter Naturschützer, der selbst sehr ernst nimmt, was er fordert und beispielsweise extrem selten fliegt."

Flüge sind für ihn "Öko-Sünde"

Sven Giegold ist mit sich genauso streng wie mit anderen. Ein Flug "einfach so, zum Strandurlaub" nach Südafrika käme für ihn nicht infrage. So eine "riesige Öko-Sünde" erlaubt er sich nur in Notfällen. Im vergangenen Jahr war dies der Tod eines Freundes und der Besuch bei dessen Familie.

Vielleicht ist es auch der Glaube, der den "Lutheraner" (Giegold über Giegold) antreibt. Ganz nebenbei sitzt er auch noch in der Präsidialversammlung des Evangelischen Kirchentages. Aber über diese Wurzel seiner politischen Engagements spricht er nicht so gern.

Die FDP als Koalitionspartner ist für Giegold schwer denkbar

Andererseits ist der Idealist ausgesprochen pragmatisch. Natürlich wäre er auch in eine Regierungspartei eingetreten, sagt er heute. Berührungsängste? Fehlanzeige. "Schwarz-Grün - warum nicht", meint er lakonisch, wenn man ihn auf mögliche Koalitionspartner anspricht. Schwer vorstellen kann er sich - im Gegensatz zu seiner Parteispitze - jedoch ein Bündnis mit der FDP im Bund, "weil die wider die Grundrechenarten Steuersenkungen verspricht".

Er kann sich für die fernere Zukunft durchaus auch ein Dasein im Bundestag vorstellen, sagt er. Giegold ist keiner von denen, die es ins Europa-Parlament zieht, weil Politiker dort weitgehend ungestraft die jeweilige reine Lehre vertreten können, weitestgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit zu Hause.

Die Realität ist hartnäckig

Der Enddreißiger mit den noch feinen grauen Strähnen im dunklen Haar ist eine Mischung aus den emotionalen Umweltschützern, der an die Frühzeiten der Sonnenblumen schwenkenden Grünen erinnert, und den trockenen Steuerexperten, die sich heute in ihren Reihen finden.

Er wird sich daran gewöhnen müssen, dass die Umsetzung der eigenen Ziele im politischen Alltag eher schwieriger wird, als bei Attac die Richtung vorzugeben. Das weiß er spätestens seit seiner ersten Parteitagserfahrung.

Gewöhnungsbedürftig wird auch das - für einen Attac-Kämpfer - üppige Gehalt in Straßburg. Sehr lange hat er von sehr wenig Geld gelebt - im Schnitt 1000 Euro im Monat. Ein kleiner Teil kam durch Vorträge herein, regelmäßige Unterstützung leistete die von ihm selbst mit gegründete "Bewegungsstiftung" die ebenfalls im Verdener Ökozentrum residiert. Die Stiftung unterstützt Menschen, die sich für Menschenrechte, Frieden, Ökologie und soziale Gerechtigkeit engagieren. Sechs Jahre bekam der "Bewegungsarbeiter" knapp 1000 Euro im Monat - finanziert unter anderem von seiner alten Biologielehrerin.

Giegold wurde lange gefördert

Auf das von ihm als menschenunwürdig kritisierte Hartz IV war Giegold selbst also nie angewiesen, Steuern hat er bisher allerdings auch kaum gezahlt. "Zumindest keine Einkommensteuer", korrigiert der Steuerexperte, "aber Konsumsteuer in Form von Mehrwertsteuer." Und hier sei "für Niedrigverdiener das Grenzleid ja unvergleichlich höher".

Nun hat es mit diesem Leid ein Ende, als Abgeordneter im Europa-Parlament erwartet ihn eine Diät von 7000 Euro monatlich. Was tun mit so viel Geld? Der 39-Jährige, der sonst so oft schneller redet, als das Gegenüber Infos aufnehmen kann, nimmt noch einen Schluck Tee, überlegt lange, bevor er schließlich zögernd antwortet: "Vielleicht ein bisschen was für die Rente anlegen."

Zur Person

Sven Giegold wird am 17. November 1969 auf Gran Canaria geboren. Er wächst in Hannover auf und engagiert sich schon als Schüler beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Im Zivildienst arbeitet er beim Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen. Von 1991 bis 1996 studiert Giegold Wirtschaftspolitik und Entwicklung in Lüneburg, Bremen und Birmingham. In Großbritannien macht er seinen Master of Social Science. Nach dem Studium gründet Giegold in Verden an der Aller das "Ökologische Zentrum" und die ökologische Wohnungsgenossenschaft "Aller Wohnen eG". 2000 ist Giegold einer der Gründer der deutschen Sektion der Anti-Globalisierungsorganisation Attac. Dort wird er zum prominentesten Globalisierungskritiker Deutschlands.

Für Attac organisiert Giegold diverse Kongresse zu Themen wie gesteuerte Demokratie, solidarische Ökonomie, Kapitalismus und arbeitet an den "zehn Prinzipien für einen demokratischen EU-Vertrag" mit. In dem von ihm mitbegründeten internationalen Tax Justice Network sitzt er im Vorstand. Im September 2008 tritt Giegold den Grünen bei. Inhaltlich hat er sich der Partei schon lange am nächsten gefühlt, sie aber in der Zeit der Regierungsbeteiligung als neoliberal kritisiert. Er beteiligt sich am Antrag der Partei zum Green New Deal als Antwort auf die Krise, der zentraler Bestandteil des Programms für die Bundestagswahl ist. Auf dem Europa-Parteitag 2009 wird Giegold auf Platz vier der Europaliste gewählt.

Europa wählt

"Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa", lautete lange die Devise deutscher Parteien. Das hat sich geändert: Seit die EU immer wichtiger wird und das Europäische Parlament in den 90er-Jahren an Einfluss gewonnen hat, ist auch das Augenmerk in Deutschland größer geworden. Allerdings gelten die Europawahlen weiterhin als Barometer für die nationale Politik. Im Wahlkampf stehen entsprechende Themen im Vordergrund. In diesem Jahr läutet die Europawahl am 7. Juni das Superwahljahr mit insgesamt 14 Wahlgängen ein. Das Europäische Parlament wurde erstmals 1979 gewählt, seither alle fünf Jahre.

Beim vorangegangenen Urnengang 2004 holte die Union 44,5 Prozent der Stimmen, die Sozialdemokraten nicht einmal halb so viel (21,5). Die Grünen, damals noch an der Regierung in Berlin, kamen auf ein Spitzenergebnis von knapp zwölf Prozent. Die FDP hingegen musste sich mit 6,1 Prozent begnügen und lag gleichauf mit der jetzigen Linkspartei. Als Spitzenkandidaten treten 2009 der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, für die CDU an und Martin Schulz, Vorsitzender der SPE-Fraktion im Europa-Parlament, für die Sozialdemokraten. Der EU-Parlamentarier Markus Ferber führt die CSU-Liste an. Die Grünen schicken die langjährige EUAbgeordnete Rebecca Harms und den ehemaligen Parteivorsitzenden Reinhard Bütikofer ins Rennen. Bei den Liberalen steht Silvana Koch-Mehrin auf Listenplatz eins, bei der Linken deren Parteichef Lothar Bisky.

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