Studienfinanzierung Wie Studenten zu Geld kommen

Es gibt viele Wege, das eigene Studium zu finanzieren. Ob durch Unterstützung der Eltern, Stipendium, Bafög, Studienkredit oder Nebenjob: Was Sie beachten müssen, um Ihren Abschluss richtig zu finanzieren.

Nico Hornig, wiwo.de | , aktualisiert

Wie Studenten zu Geld kommen

Kellnern 2

Foto: raphaela4you / Fotolia.com

Ein Studium lohnt sich. Akademiker verdienen im Schnitt fast doppelt so viel wie Menschen ohne Hochschulabschluss, das ergab eine Studie des ifo-Instituts. Doch der Weg zum späteren Gehaltsplus führt häufig durch eine finanzielle Talsohle. Während Azubis in ihrer Ausbildung zumindest ein geringes Gehalt beziehen und nach spätestens drei Jahren fit für den ersten richtigen Job sind, brauchen die meisten Studenten für Bachelor und Master fünf Jahre – sofern sie in der Regelstudienzeit bleiben. Und während dieser Zeit verdienen sie nicht nur kein Geld, sondern haben zudem Ausgaben für Semesterbeiträge, Studiengebühren und den eigenen Lebensunterhalt. All das macht Studieren teuer.

So gab 2016 der der deutsche Durchschnittsstudent 819 Euro für Wohnen, Essen und sonstigen Lebensunterhalt aus. Das errechnete die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Die Möglichkeiten um an das Geld für WG-Zimmer, das Mensaessen und den Laptop für die Uni zu kommen, sind vielfältig. Was bei den gängigsten Wegen zu beachten ist:

Eltern

Wenn es nach dem Staat geht, ist klar, woher das nötige Kleingeld kommen soll: von den Eltern. Der Gesetzgeber verpflichtet sie dazu, die erste Ausbildung ihrer Kinder finanziell zu unterstützen.

Auf wie viel Geld von ihren Eltern Kinder Anspruch haben, orientiert sich an der Düsseldorfer Tabelle, die als anerkannteste Empfehlung für Unterhaltszahlungen gilt. Diese sieht momentan 735 Euro als Bedarf für Studenten vor, die nicht mehr zu Hause leben. Die Höhe richtet sich dabei nach dem Bruttonettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen. Der Rechtsanspruch gegenüber den Eltern lässt sich theoretisch auch einklagen, sollten diese nicht zahlen wollen. Bis darüber entschieden ist, übernimmt dann der Staat ausbleibende Zahlungen. Wer sich mit seinen Eltern jedoch nicht vor Gericht wiederfinden will oder von ihnen nicht genug Geld bekommt, muss dann dazuverdienen.

Stipendien

Jeder zwanzigste Student in Deutschland bekommt ein Stipendium. Damit kann ein Teil oder sogar der gesamte Lebensunterhalt finanziert werden. Studenten mit überdurchschnittlichen Leistungen und sozialem Engagement können durch eines der 13 Begabtenförderungswerke unterstützt werden, die auch Zuwendungen vom Bundesbildungsministerium erhalten. Die meisten Stiftungen haben einen religiösen Hintergrund oder sind partei-, gewerkschafts- oder arbeitgebernah. Lediglich die Studienstiftung des deutschen Volkes versteht sich als politisch und konfessionell unabhängig.

Wer kein 1,0-Abitur hat muss den Traum vom Stipendium jedoch nicht gleich beerdigen. Gerade eine Vielzahl kleinerer Stiftungen richtet sich explizit an Studenten, die keine Überflieger sind. Dort sind auch Förderungen aufgrund es Herkunfts- oder Studienortes möglich. Ebenso können besondere Begabungen oder Studienfächer zu einer finanziellen Förderung führen.

BAföG

Die klassische Förderung für ein Studium ist das BAföG. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz unterstützt junge Menschen bei einer schulischen Ausbildung oder dem Studium. Gefördert wird ein Bachelor- oder ein darauf aufbauendes Masterstudium. Die Höchstförderung beträgt seit Herbst 2016 inklusive Zuschlägen für die Kranken- und Pflegeversicherung 735 Euro. Wie viel Geld Studenten am Ende tatsächlich bekommen, hängt unter anderem vom Einkommen der Eltern und der Anzahl der Geschwister ab, die sich ebenfalls in einer Ausbildung befinden. Wie viel BAföG angehende Studenten erhalten, können sie mit einem BAföG-Rechner abschätzen. Die Werte, die dabei herauskommen sind nicht exakt, bieten aber eine grobe Orientierung.

"Wir empfehlen jedem Studierenden, der nicht von seinen Eltern unterstützt werden kann, einen Bafög-Antrag zu stellen. Vor allem sollte man sich nicht von der Bürokratie abschrecken lassen", erklärt Susanne Schroeder vom Referat Studienfinanzierung des Deutschen Studentenwerks. BAföG ist vor allem deshalb eine gute Möglichkeit, das Studium zu finanzieren, weil nur die Hälfte der Förderungssumme zurückgezahlt werden muss. Der Rest ist ein zinsloses Darlehen.

Studienkredite

Anders sieht das bei Studienkrediten aus. Diese werden von Banken, häufig der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), gewährt und müssen komplett inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. Anders als bei anderen Kreditformen wir die Darlehnssumme jedoch nicht auf einen Schlag, sondern monatlich ausgezahlt. Die Rückzahlung beginnt dann meist direkt nach Ende des Studiums. Das verursacht Stress. Denn durch die Schulden von mehreren Tausend Euro muss möglichst schnell ein Job her, um die Raten bezahlen zu können. Zwar lassen sich Zahlungen auch aufschieben, der Schuldenberg bleibt dann aber natürlich auch länger bestehen.

Nebenjob

Eine der beliebtesten Möglichkeiten zur Finanzierung oder der Aufbesserung des Bafögs ist nach wie vor der Nebenjob. Gut zwei Drittel aller Studenten verdienen sich neben dem Studium etwas dazu.

Gute Möglichkeiten an einen Studentenjob zu kommen sind Schwarze Bretter in der Uni oder spezialisierte Online-Stellenbörsen wie jobmensa.de. Auch persönliche Kontakte oder Facebookgruppen können hilfreich sein, um einen Job zu finden, der einen Bezug zum eigenen Studium aufweist. Mit dem Beginn einer beruflichen Nebentätigkeit, gewinnt jedoch auch das Thema Steuern und Versicherungen an Bedeutung. Insbesondere Bafög-Bezieher sollten hier genau darauf achten, dass sie nicht "zu viel" verdienen, um keine Kürzungen hinzunehmen, die den Zuverdienst wieder auffressen. "Innerhalb des Bewilligungszeitraums – das sind in der Regel 12 Monate von Oktober bis September – darf man maximal 5400 Euro dazu verdienen", erklärt Schroeder. "Deshalb ist für BAföG-Empfänger ein 450-Euro-Job sinnvoll, da ein höherer Verdienst anteilig angerechnet werden würde."

Wer kein Bafög bezieht, muss auch keine Kürzungen fürchten. Deshalb lohnt es sich, auch mehr als 450 Euro zu verdienen. Doch auch hier sollten Studenten genau auf die Art des Beschäftigungsverhältnisses schauen. Am meisten lohnt sich laut Schroeder eine kurzfristige Beschäftigung, da hier keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung gezahlt werden müssen. Diese Tätigkeit ist jedoch zur Zeit auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt.

Die nächstbeste Option ist ein Werksstudentenvertrag. Im Gegensatz zur kurzfristigen Beschäftigung müssen hier jedoch Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden. Dafür darf der Student so viel verdienen wie er möchte – so lang er nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Lediglich wenn die Tätigkeit hauptsächlich abends, nachts oder am Wochenende ausgeübt wird, dürfen es mehr als 20 Stunden sein.

Eine Sorge bei Nebenjobs ist unnötig: Dass sich die Arbeit in Kneipe oder im Taxi per se negativ auf die Studienleistungen auswirkt. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall.

Aber so schön es auch ist, am Ende des Monats mehr Netto vom Brutto zu haben, einen Nachteil bringen die gesparten Versicherungsbeiträge mit sich: Wer nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, erwirbt auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Krankenkasse

Und wo Einnahmen, da auch Kosten - für die Krankenkasse zum Beispiel. Studierende unter 25 müssen sich über die Kranken- und Pflegeversicherung in der Regel keine Gedanken machen. Sie sind über ihre Eltern mitversichert, sofern die in einer gesetzlichen Krankenkasse sind. Lediglich wer mehr als 425 Euro im Monat verdient, muss sich selbst versichern.

Einzige Ausnahme ist auch hier eine geringfügig entlohnte Beschäftigung 450-Euro-Basis . Deshalb sollten Studenten genau abwägen, ob es sich lohnt mehr zu verdienen, erklärt Schroeder. Denn wer über die 425-Euro-Grenze hinaus kommt, sollte zumindest so viel verdienen, dass er die etwa 90 Euro, die je nach Krankenkasse für die eigene Versicherung fällig werden, bezahlen kann und dann immer noch ein höheres Einkommen hat. Für BAföG-Empfänger stellt sich diese Frage ohnehin nicht. Sollten sie mehr als 450 verdienen würden, bekämen sie entsprechend weniger Geld vom Staat.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...