Studie der Universität Oxford Intelligente Menschen vertrauen schneller

Während der eine über seinen Urlaub dem Nachbarn Haus, Zimmerpflanze und Hund anvertraut, lässt der andere Fremde nicht einmal einen Kiesel hüten. Wem wir vertrauen, ist auch für die Wirtschaft interessant. Die Universität Oxford hat unser Verhalten deshalb genau analysiert. Mit überraschendem Ergebnis.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Intelligente Menschen vertrauen schneller

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Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Vertrauen ist unerlässlich im privaten Umfeld: Kinder müssen ihren Eltern vertrauen können und umgekehrt, Partner vertrauen einander ebenso wie Freunde und Familienmitglieder. Ohne Vertrauen geht nichts.

Dieses "Ich glaube dir"-Gefühl ist allerdings auch eine harte Währung. Zuerst festgestellt hat dies Ökonom Adam Smith, Begründer der klassischen Nationalökonomie. Er fand heraus, dass das Vertrauen in andere Mitglieder der Gesellschaft Handel und Austausch von Waren, Wissen und Dienstleistungen unterstützt, wenn nicht sogar erst ermöglicht.

Smith beobachtete, dass Händler am liebsten mit ihresgleichen Handel betreiben. So schrieb er auch in seinem philosophischen Hauptwerk "Die Theorie der ethischen Gefühle", dass die Sympathie für Mitmenschen nicht nur die Grundlage der Moral sei, sondern auch die Triebfeder der Arbeit.

Sympathie als Basis der Marktwirtschaft

Ohne Sympathie und Vertrauen funktioniert keine Marktwirtschaft. Auch der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen hält Vertrauen zwischen Marktakteuren - also Händlern, Kunden und Banken, für eine funktionierende Wirtschaft unerlässlich.

Dementsprechend interessant ist es für die Forschung, wem wir vertrauen und wieso.


Noah Carl und Francesco C. Billari von der Oxford Universität haben erforscht, wie unser Vertrauen funktioniert und ihre Ergebnisse in der Studie "Generalized Trust and Intelligence in the United States" zusammengefasst. Veröffentlicht wurde die Studie im amerikanischen Wissenschaftsjournal PLOS ONE. Carl und Billari bedienten sich dabei unter anderem aus Daten der sozioökonomischen General Social Survey (GSS), die seit 1972 alle ein bis zwei Jahre das soziale Verhalten der US-Amerikaner untersucht.

Probanden im Test

Sie konnten dabei eine Verbindung zwischen Intelligenz und Vertrauen herstellen: "Intelligenz scheint etwas damit zu tun zu haben, ob wir anderen vertrauen", sagt Noah Carl. "Selbst wenn wir andere Faktoren wie Familienstand, Bildung oder Einkommen miteinbezogen haben."

Für die Tests hatte man Probanden eine Art Vokabeltest vorgelegt, bei dem sie einem Begriff Worte zuordnen mussten, die diesem am nächsten sind. So sollten sie beispielsweise dem englischen Wort "beast" aus fünf Worten einen Begriff zuordnen, in diesem Fall "animal". Je nach dem, wie gut sich die Probanden in dem Test schlugen, konnten sie zwischen null und zehn Punkten erzielen.

Einen ganz ähnlichen Vokalbeltest zur Überprüfung der Intelligenz setzt auch das US-Militär ein. Darüber hinaus wurde überprüft, wie gut die Testpersonen komplizierte Fragen verstehen. Wer bei dem Vokabeltest alle zehn Begriffe richtig definieren konnte, also zehn Punkte erzielte, hatte in der Regel auch ein gutes Verständnis für gestellte Fragen. Nur 36 Prozent derer, die beim ersten Test null Punkte erzielten, verstanden alle ihnen gestellten Fragen richtig.

Daraufhin wurden die Testpersonen befragt, ob sie der Meinung sind, dass man den meisten Menschen vertrauen könne, ob es "darauf ankomme", oder ob man gar nicht vorsichtig genug sein könne, was den Umgang mit anderen angehe.

Das Ergebnis: Probanden, die bei dem erwähnten Vokabeltest zehn Punkte erreichten, wählten zu 34 Prozent häufiger die erste Antwort, man könne den meisten Menschen "vertrauen".

Bessere Menschenkenntnis

Auch die Probanden mit dem besseren Text- beziehungsweise Fragenverständnis wählten zu elf Prozent häufiger diese Variante.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Je intelligenter ein Mensch, desto eher vertraut er anderen Menschen.

Laut den Studienautoren könnte das darin begründet sein, dass intelligente Menschen die bessere Menschenkenntnis haben, beziehungsweise Situationen und Menschen besser einschätzen können.

Soziales Vertrauen kultivieren

Auch bei der Selbsteinschätzung was Gesundheit und persönliches Glück anbelangt, schätzten sich diejenigen mit dem größeren Vertrauen gesünder und glücklicher ein.

Und hier könnte die Studie für die Politik interessant werden, wie Autor Billari findet: "Menschen, die anderen vertrauen, halten sich für glücklicher und gesünder. Das sind gute Gründe für die Politik, für religiöse Gruppen und andere Organisationen, das Vertrauen in die Gesellschaft zu kultivieren."

Er sagt: "Das soziale Vertrauen spielt eine zunehmend bedeutsame Rolle für Forscher, die die Ursachen für Gesundheit und Glück verstehen wollen."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de



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