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Strombergs Job-Regeln: "Mit Seifenblasen kannst du kein Tennis spielen"

Strombergs Job-Regeln "Mit Seifenblasen kannst du kein Tennis spielen"

"Lass das mal den Papa machen!" – Bernd Stromberg, der mieseste Chef Deutschlands, schlägt wieder zu: auf der Leinwand und in Buchform. Im Interview spricht er über seinen einzigartigen Führungsstil, seine Arbeitshaltung und Erkenntnisse aus dem Büroalltag.     

Anne Ritter | , aktualisiert

"Mit Seifenblasen kannst du kein Tennis spielen"

© Brainpool

Bernd Stromberg ist wohl der berühmteste Chef Deutschlands. Bekannt ist er vor allem für seine obskuren Weisheiten ("Wenn du dir die Butter vom Brot nehmen läßt, dann hast du irgendwann nicht mal mehr das Brot."), politisch unkorrekten Sprüche ("Ich bin für Behinderte. Hundert pro, das sind ja praktisch auch Menschen.“) und deftige Zoten ("Ich sag mal so: Frauen sind wie Zahnbürsten – nützlich, wichtig und so weiter. Aber man sollte ein und dieselbe nicht allzu lange ben... äh, haben.").

Die kann man zur Film-Weltpremiere am 18. Februar auch 
im Kino erwarten: Passend zum Filmstart hat Stromberg nun auch noch einen Büro-Ratgeber geschrieben. Darin sollen Führungskräfte wie Angestellte lernen, wie man das Leben zwischen Schreibtisch und Kantine meistert.

Der Autor selbst, lobt sein Buch als eine Art Bibel: "Nein noch besser, als die Bibel. Denn die Bibel wurde von normalen Leuten geschrieben, im Auftrag von ganz oben. Dieses Buch aber wurde von dem ganz oben persönlich geschrieben. Von mir."  Im Interview mit karriere.de teilt der Chauvi-Chef einige seiner Erfolgsgeheimnisse:
 
 
Herr Stromberg, aus dem Fernsehen sind Sie ja nicht gerade für eine eifrige Arbeitshaltung bekannt, nun haben Sie aber ein Buch über die Arbeit geschrieben. Warum?

"Arbeit ist wie Staub. Man muss sie nicht machen, sie ist einfach da. Aus dem Nichts. Ohne einen erkennbaren Sinn. Und man kann nichts dagegen tun. Außer arbeiten eben. Oder eine Putzfrau beschäftigen, also andere für sich arbeiten lassen. Das müssen Sie selber wissen. Entscheidend ist, dass Sie einsehen, dass Sie gegen die Arbeit immer den Kürzeren ziehen."

Das klingt so, als wäre Arbeit gleichzeitig staubtrocken, können Sie Ihrem Job denn gar nichts abgewinnen?

"Es ist manchmal leichter, Leben in einen Friedhof zu bringen, als Stimmung ins Büro. Und doch müssen Sie es immer wieder versuchen. Feiern Sie! Feiern im Büro sind ähnlich wie Junggesellenabschiede. Alle wissen, danach wird’s wieder furchtbar, aber man hat noch mal die Chance, die Sau rauszulassen. Deswegen nutzen Sie jede Möglichkeit, die sich bietet, eine Feier vom Zaun zu brechen. Heute hat der heilige Pangasius Namenstag, der (frei erfundene) Schutzheilige aller Angestellten! Lasst uns ein Bier aufmachen! 900 Tage ohne Arbeitsunfall! Lasst uns ein Bier aufmachen! Der Supermarkt gegenüber hat Bier im Angebot! Lasst uns eins davon aufmachen!"

Ein gutes Betriebsklima ist sicher wichtig, aber wie kompetent muss man als Chef eigentlich sein?

"Kompetenz – das ist eine Modeerscheinung, wie Minipli. Wollte auch ‘ne Zeitlang jeder haben, heute ist es allen peinlich. Ich weiß heute schon, wie sich in ein paar Jahren alle dafür entschuldigen werden, dass sie jetzt so darauf rumhacken, man soll gefälligst Ahnung haben…

Es ist wie beim Sex. Auf jeden echten Orgasmus kommen locker drei vorgetäuschte. Schadet das? Nein. Und so ist es bei Ahnung auch. Auf jeden Fall, wo ich Bescheid weiß, kommen locker drei Fälle, wo ich Ahnung nur vortäusche…"

Das erfordert einen Führungsstil, der vor allem auf Improvisation und Kreativität basiert.

"Kreativität ist im Büro so wichtig wie eine Seilbahn beim Bergsteigen…Sie erleichtert den Aufstieg. Gerade wenn es schwierig wird. Wenn man kreativ ist, kann man die Augen zumachen, und schon klingt Regen wie Applaus, deswegen schließe ich bei Regen oft die Augen und denke, dass meine Leute mir zujubeln….manchmal schlafe ich auch dabei ein, und wenn ich die Augen wieder aufmache, ist schon Mittag oder ich sehe, dass einer von meinen Graupen vor meinem Schreibtisch steht und wieder irgendwas will…"

Und wenn einer der Mitarbeiter, der vor Ihnen steht, dann tatsächlich etwas will, wie motivieren Sie ihn am besten?

"Motivation – noch so ein Fremdwort…Ich muss der Sonne auch nicht jeden Tag einen Strauß Blumen schicken, damit sie ihren Job macht. Die quält sich jeden gottverdammten Morgen an den Himmel und strahlt. Und das erwarte ich von meinen Leuten auch. Und ich glaube nicht, dass die Leute in Bangladesch oder Mecklenburg je über Motivation nachgedacht haben…"

Wie führen Sie Ihre Abteilung stattdessen zum Erfolg?

"Mit Seifenblasen kannst du kein Tennis spielen. Das geht nur mit harten Bällen. Wir sind nämlich hier im Büro und nicht bei Roncalli. Wer seinen Leuten keine Härte zumuten will, ist hier falsch. Wer denkt, man kann Wahrheiten immer mit Zuckerwatte garnieren, ist hier so was von falsch. Wer keine Lust auf klare Worte hat, soll lieber in die Politik gehen."

Haben Sie – bei so viel Wahrheit – denn ein gutes Verhältnis zu Ihren Angestellten?

"Jeder Mitarbeiter ist kostbar, wertvoll oder halbwegs einzigartig."

Das heißt konkret?

"Ich habe zum Beispiel eine Schweigeminute für die Dings durchgesetzt, die dicke Frau Grönke. Fachlich eine Katastrophe und hässlich wie Nacht, aber in ihrer Art und Weise natürlich einzigartig. Die hat mal über zwanzig Fehler in einer Schadensmeldung gehabt. Einzigartig. Wir hätten sie eh entlassen müssen… Na ja."

Was zeichnet sonst noch einen guten Chef aus?

"Wenn Sie Chef werden wollen, müssen Sie sagen, wo’s langgeht. Auch wenn Ihr Kompass aus dem Yps-Heft kommt und Sie eigentlich im Dunkeln tappen wie der Blinde im Kohlenkeller. Wurscht. Heben Sie entschlossen den Arm und sagen Sie: 'Leute, mir nach!' Aber seien Sie umsichtig. Machen Sie sich schon frühzeitig Gedanken, wem Sie die Schuld geben, wenn es schiefgeht."

Die Richtung vorgeben – das ist zunächst eine relativ traditionelle Definition von Führung. Die aktuelle Pesonalpolitik setzt vor allem Work Life Balance, um Mitarbeiter zu gewinnen und binden. Was halten Sie von diesem Trend?

"Work Life Balance – drei Fehler in einem Begriff. Ist der neuste Schrei und klingt in meinen Ohren schriller als der von Tarzan. Auf Deutsch heißt das in etwa, dass man neben der Arbeit auch noch was vom Leben haben soll. Stellen Sie sich mal vor, es käme jemand zu Ben Hur und sagt: 'Was ist denn eigentlich mit deiner Work Life Balance – die kippt ja ganz schön übel weg hier auf der Galeere?!' Ich meine, was denken sich die Leute eigentlich, die solche Begriffe erfinden. Dass das Leben außerhalb vom Büro immer so eine feine Sache ist? Was glauben die, warum es so viele Scheidungen, Alkoholiker und Depressive gibt?"

Wenn die Arbeit also das eigentliche Leben ist, trägt der Chef sehr viel Verantwortung für das Wohlbefinden seiner Anvertrauten. Welche Strategie empfehlen Sie?

"Man muss es den Leuten schwer machen – um ihnen zu helfen."

Was heißt das?

"Verhindere ich den Aufstieg von Mitarbeitern? Ja, sicher. Der Mount Everest macht den Leuten den Aufstieg auch nicht leicht. Deswegen ist er ja so berühmt. Den Bumstaler Dudelkamm, auf den jeder kraxeln kann, den kennt keiner, aber an den Everest, da kann sich selbst Reinhold Messner erinnern."

Dann ist man da oben als Chef aber ziemlich einsam, oder?

"Der Chefposten ist wie der Eiffelturm: Man will unbedingt mal da hin, aber wenn man dann da ist, ist es enttäuschend…"

Herr Stromberg, vielen Dank für das Gespräch.

Nach fünf erfolgreichen und mehrfach preisgekrönten TV-Staffeln ist Bernd Stromberg wieder da und kommt am 20. Februar mit "Stromberg – der Film" in die Kinos. Der Film war schon im Vorfeld bekannt geworden: Tausende Fans hatten das Projekt über private Investitionen finanziert und das Phänomen Crowdfunding in Deutschland bekannt gemacht. 

Zum Inhalt:

"Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht und am Ende gibt’s Ärger". Eine weise Vorahnung – und trotzdem macht sich Stromberg mit seinen Mitarbeitern aus der Schadensregulierung auf den Weg in ein Landhotel, in das die CAPITOL Versicherung die gesamte Belegschaft zur 50-Jahre-Jubiläumsfeier geladen hat.

Mit dabei sind natürlich auch Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne I. Mädel), das langjährige Mobbingopfer der Abteilung, Lieblingskollegin Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) und das verheiratete Kollegenpaar Ulf und Tanja Steinke (Oliver K. Wnuk, Diana Staehly) samt Pflegesohn Marvin.

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