Stressige Mittagspause Lieber Stulle oder Snack vom Start-up?

Die meisten Deutschen bringen sich etwas für die Mittagspause von zu Hause mit. Das wollen Start-ups gerne ändern – und kommen mit immer neuen Ideen auf den Markt.

Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert

Lieber Stulle oder Snack vom Start-up?

Food Truck Start-up Job

Foto: nenetus/Fotolia.com

Mittags in Deutschland: Die einen holen mitgebrachtes Essen oder ein mitgebrachtes Brot aus der Lunchbox, die anderen trotten in die Kantine, und wieder andere gehen in ein Restaurant, zu einem Imbiss oder einem Bäcker. Die Pausengewohnheiten der Deutschen sind dabei aber von einem geprägt – Zeitdruck.

Möglichst schnell soll es gehen. Denn die meisten haben nur die gesetzlich vorgeschriebenen 30 Minuten Pausenzeit, und weil viele selbst dabei noch gestört werden, schrumpft die real genommene Pausenzeit auf 20 Minuten, zeigt die Statistik. Und das, obwohl immer mehr Berufstätigen die gesunde Ernährung im Job wichtiger wird.

Eine Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt allerdings auch: Jedem Dritten fällt es schwer, sich am Arbeitsplatz gesund zu ernähren, nur jeder Zweite sagt, er habe genug Zeit, überhaupt in Ruhe zu essen, und 39 Prozent der befragten Berufstätigen bemängeln das Angebot im Betriebsrestaurant: zu fettig, nicht kalorienarm, schmeckt nicht, total verkocht.

Alternativen zur Kantine gesucht

Hinzu kommt: Die meisten Beschäftigten wünschen sich günstiges Essen am Arbeitsplatz, denn viele Arbeitgeber bezuschussen das Mittagessen ihrer Mitarbeiter nicht.

Für viele ist daher selbst gekochtes und mitgebrachtes Essen eine gesündere und vor allem schnelle Alternative. Eine Umfrage des Statistikportals Statista hat herausgefunden: Jeder Dritte bevorzugt diese Variante in der Mittagspause.

Lunch-Ideen der Jungunternehmer

Aber wer hat schon die Zeit, jeden Abend etwas vorzukochen? Hier setzen Angebote wie das des Augsburger Unternehmens Little Lunch an. Bei dem Start-up kann man Biosuppen bestellen und sich entweder nach Hause oder ins Büro liefern lassen. Die Suppen sind lange haltbar und müssen nicht gekühlt werden, vor allem sind sie schnell zubereitet, denn sie schmecken im Zweifelsfall auch kalt.

Ganz ähnlich funktioniert der Ansatz des Berliner Unternehmens Yes Please, das als einer der ersten Akteure fertige Biosuppen für die Mittagspause auf dem deutschen Markt vertrieb. Mittlerweile kann man die Suppen aber auch in Supermärkten kaufen und muss sich diese nicht ins Büro liefern lassen.

Tatsächlich essen viele Beschäftigte entweder im Pausenraum oder gleich am Arbeitsplatz selbst. Nur ein Viertel der Beschäftigten besucht die Kantine, zeigt die Statistik.

14 Prozent gehen zu einem Imbiss oder einem Bäcker, aber nur acht Prozent besuchen ein Restaurant. Das hat auch etwas mit dem Einkommen zu tun, belegt die Ernährungsstudie der TK. Je höher das Nettoeinkommen, desto eher besuchen Berufstätige Restaurants in der Pause.

Den Zeitdruck der Berufstätigen nutzen auch immer mehr Start-ups für ihre Geschäftsideen. In vielen Großstädten haben sich in den vergangenen Jahren Lieferdienste etabliert, die frisch zubereitete Speisen in Büros liefern. Dazu zählen neben Anbietern von Biogemüse und -obst auch Dienste, die Sandwiches und belegte Brötchen oder einfache Snacks liefern.

Digitales Restaurant auch für Veganer

Das Unternehmen Eatclever funktioniert wie ein digitales Restaurant mit angeschlossenem Lieferdienst. Hier können die Nutzer aus einem vom Start-up entwickelten Menü ihre Speisen auswählen – es gibt Suppen, frische Salate, Snacks und leichtes asiatisches Essen.

Die Nutzer können einstellen, ob sie Veganer oder Vegetarier sind oder Essen mit viel Proteinen oder eher leichte Kost bevorzugen. Eatclever teilt die Rezepte mit seinen Lieferpartnern – und diese beliefern wiederum die Nutzer, unter anderem auch am Arbeitsplatz.

Noch weiter geht das Angebot des Berliner Start-ups Lunchio, das wie eine Plattform funktioniert. Hier können die Nutzer für die Mittagspause ein Restaurant auswählen, das Essen für eine feste Zeit vorbestellen und auch schon bezahlen. Auf die Weise sparen Berufstätige Zeit, denn sie müssen nicht erst auf einen Platz in einem Lokal warten, das Essen ist in der Regel servierfertig, und hat man schon über die Plattform bezahlt, muss man nicht erst auf die Rechnung warten.

Möglich ist auch, das Essen einfach abzuholen oder sich ins Büro liefern zu lassen. Ein weiterer Vorteil: Man kann sich mit Kollegen von anderen Standorten oder mit Freunden, die in anderen Unternehmen arbeiten, über die Plattform zum gemeinsamen Mittagessen verabreden. Zu buchen sind allerdings nur Partnerrestaurants von Lunchio.

Immerhin: Die Plattform bietet digitale Essensmarken für Arbeitgeber und ihre Mitarbeiter ein. Das funktioniert so: Die Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern über die Plattform ein monatliches Essensbudget zur Verfügung, quasi eine digitale Essensmarke, mit der das Essen dann verrechnet wird.

Damit wird auch für Unternehmen bezuschusstes Mittagessen attraktiv, die nicht über eine Kantine verfügen. Denn steuerlich profitieren Arbeitgeber davon, wenn sie mit Essensmarken die Verpflegung der Beschäftigten bezuschussen. Bisher war das aber mit viel Bürokratie für die Buchhaltung verbunden, und wenn es keine Kooperation mit einem Kantinenbetreiber gab, lohnte sich die Nutzung von Essensmarken für viele Arbeitgeber bisher kaum.

Verwaltung der Bewirtungskosten inklusive

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt auch die App Blue Chilli, die wie ein digitaler Restaurantführer funktioniert. Der Nutzer findet neben Bewertungen, Öffnungszeiten und einem Einblick ins Menü allerlei Informationen über ein Restaurant seiner Wahl.

Auch ist über die App bargeldloses Bezahlen möglich, und es gibt ebenfalls die Möglichkeit für Arbeitgeber, über die App den Mitarbeitern Essenszuschüsse anzubieten. Nutzt ein Unternehmen den Service, erhalten die Mitarbeiter hier den Zuschuss in Form eines Guthabens für die App. Das Start-up kümmert sich um die Verwaltung der Bewirtungskosten. Anders als die Plattform Lunchio ist Blue Chilli allerdings lokal auf die Stadt München begrenzt.

Currywurst zieht immer

Auch wenn die Start-ups die Vielfalt der Möglichkeiten zur Pausengestaltung vergrößern, so ist es dennoch unwahrscheinlich, dass sich das Essverhalten der Deutschen am Arbeitsplatz grundlegend verändert: Seit Jahrzehnten führt neben dem belegten Pausenbrot mit Käse und Wurst ein Gericht die Hitliste an: Currywurst mit Pommes ist das unangefochtene Lieblingskantinenessen der Deutschen.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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