Stressanfälligkeit Bessere Regeln sorgen für mehr Ruhe im Job

Wenn ständig das Handy klingeln könnte oder dienstliche Mails auflaufen, können Arbeitnehmer nicht gut abschalten. Ein wissenschaftliches Projekt zeigt auf, wie Erreichbarkeit im Job geregelt werden sollte.

Nora Schareika, wiwo.de | , aktualisiert

Bessere Regeln sorgen für mehr Ruhe im Job

Erreichbarkeit im Job 1

Foto: nicotombo/Fotolia.com

Wer für seinen Job ständig erreichbar sein muss, ist gestresster. So lautet das wenig überraschende Ergebnis einer Studie der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Institut für sozialwissenschaftliche Forschung in München. Die Forscher haben jedoch genau verglichen, welche Aspekte der arbeitsbezogenen Erreichbarkeit für erhöhte Belastung sorgen – und wie man diese reduzieren kann.

Eine wichtige Rolle spielen demnach individuelle Strategien zur Begrenzung der Erreichbarkeit genauso wie klare Absprachen zwischen Vorgesetzen und Kollegen sowie zwischen Kollegen.

Befragt wurden 207 Beschäftigte aus fünf IT-Dienstleistungsunternehmen. Hinzu kamen qualitative Interviews und Workshops sowie eine Online-Befragung. Die befragten Beschäftigten, darunter 38 Prozent Frauen und 62 Prozent Männer, rund 80 Prozent ohne Führungsverantwortung und mehrheitlich zwischen 30 und 50 Jahre alt, haben ausnahmslos eines gemeinsam: Sie besitzen ein Smartphone, drei Viertel von ihnen haben dieses vom Arbeitgeber als Dienstgerät zur Verfügung gestellt bekommen. 91 Prozent der Teilnehmer haben jederzeit Zugriff auf ihre Arbeitsmails.

Die Teilnehmer wurden in der Studie vor die Situation gestellt, dass ihr Chef sie am Sonntagabend telefonisch um Hilfe beim Auffinden von wichtigen Dokumenten bittet, und sollten den Grad ihres Wohlbefindens und ihrer Entspanntheit einschätzen. Im ersten Fall kann das Problem gelöst werden, indem dem Chef kurz erklärt wird, wo er das Gesuchte findet. Im zweiten Fall muss der Mitarbeiter selbst zwei Stunden danach suchen und trotzdem am Montagmorgen pünktlich zur Arbeit erscheinen. Im dritten Szenario sucht der Mitarbeiter zwei Stunden für den Chef, darf aber am Montag zwei Stunden weniger arbeiten.

Das Belastungslevel steigt nach der Einschätzung der Befragten bereits mit dem kurzen Telefonat, die Entspannung und Zufriedenheit nach einem sonst schönen Wochenende sinkt. Dramatischer ist natürlich die Auswirkung in dem Fall, wo der Mitarbeiter am Sonntagabend zwei Stunden für den Chef investiert – interessanterweise sorgt aber die Aussicht auf Freizeitausgleich am Folgetag für keine Verbesserung.

Unerwartete Störungen steigern das Stresslevel

Ein weiteres Ergebnis der Befragungen ist, dass die Möglichkeit für Arbeitnehmer, ihre Arbeitszeit flexibel mitzugestalten, die Belastung zwar senkt. Im Beispiel mit dem unerwarteten Anruf am Sonntagabend steigt das Stresslevel trotzdem, nur nicht ganz so stark. Ohnehin überlastete Arbeitnehmer wenden im Vergleich zu anderen zudem noch einmal mehr Zeit für arbeitsbezogene Erreichbarkeit auf – ein Teufelskreis.

Eine wirksame Maßnahme, um Belastung durch Erreichbarkeit zu senken, sind einfache Absprachen. Die Wissenschaftler stellten bei dem Projekt fest, dass mehr als ein Drittel (38 Prozent) nicht wissen, ob ihr Chef eine Reaktion auf arbeitsbezogene Anrufe, Mails oder Kurznachrichten erwartet. 42 Prozent wissen dies nicht von ihren Kollegen. Sobald dies geklärt ist, können Beschäftigte leichter entscheiden, wann sie Mails überhaupt anschauen, Anrufe annehmen oder am Gerät lautlos stellen. Solche Begrenzungsstrategien helfen vor allem überlasteten Mitarbeitern, die ihr Stresslevel dadurch um zwei Drittel senken können.

Das Studienergebnis zeigt anschaulich, dass Erreichbarkeit in Unternehmen zu einem Thema gemacht werden sollte. Die Wissenschaftler empfehlen, zunächst firmenbezogen das Ausmaß und die Umgangsweisen mit Erreichbarkeit zu analysieren und anschließend den Umgang damit abzusprechen und zu gestalten.

Fazit: Je besser das Thema Erreichbarkeit in einem Unternehmen geregelt ist, desto weniger gestresst sind die Mitarbeiter. Flexibilisierung sorgt für ausgeglichenere Mitarbeiter. Diese haben weniger Konflikte im Privatleben und insgesamt größere Zufriedenheit.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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