Stress Mails nach Feierabend

Gesetzliche Regelungen sollen ständige Erreichbarkeit im Job verhindern. Unsinn, sagen Personalmanager. Mails schaden nur, wenn Chefs keine Orientierung geben.

Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert


Foto: D-aniel/ Fotolia.com

Stundenweise arbeiten auch im Urlaub

Passend zur Urlaubszeit diskutieren Politik, Wirtschaft und Medien mal wieder das Thema Erreichbarkeit im Job und Stress. Arbeitet doch mittlerweile fast jeder Zweite im Urlaub ein bis zwei Stunden am Tag, wie jüngst eine Umfrage des Bürodienstleisters Regus ergab.

Der Studie zufolge will sogar jeder zehnte Beschäftigte im Urlaub mehr als drei Stunden täglich arbeiten. Durch Smartphones ist eine Dauer-Erreichbarkeit auch in der Freizeit mittlerweile normal geworden. Mit Folgen für den Krankenstand: Dauerstress und zu hoher Arbeitsdruck sind die häufigsten Gründe für psychische Erkrankungen.

Und die wiederum sind immer öfter für Fehltage verantwortlich. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) plädiert deswegen sogar für Gesetze, die eine Erreichbarkeit nach Feierabend regeln .

Eindeutiges Gesetz

Dabei ist die Sache eindeutig geregelt . Die maximale Arbeitszeit ist im Arbeitszeitgesetz festgeschrieben. Demnach darf ein Arbeitnehmer werktags in der Regel nicht länger als acht Stunden arbeiten. Überstunden müssen vom Arbeitgeber angeordnet und zumeist auch vergütet werden.

Vertragliche Klauseln, nach denen die Bezahlung von Mehrarbeit generell ausgeschlossen ist, wurden erst im Februar vom Bundesarbeitsgericht für unwirksam erklärt . Zumindest gesetzlich haben Arbeitgeber damit kaum einen Anspruch auf eine permanente Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter.
 


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Der Personalvorstand der Deutschen Telekom, Marion Schick, macht sich jetzt für ein Umdenken stark: "Nicht die Möglichkeiten der Technik sind das Problem, sondern der Umgang damit ist es. Übertragen auf die Beziehungen zwischen Chefs und Mitarbeitern heißt das: Wo Führung versagt, fängt Burnout (leichter) an", schreibt die Personalmanagerin in einem Debattenbeitrag des Konzerns.

Auch der Bundesverband der Personaler (BPM) hatte sich schon im Juni gegen pauschale Verbote zur Erreichbarkeit ausgesprochen . "Das ist nicht zielführend", sagt BPM-Präsident und Airbus-Geschäftsführer Joachim Sauer. In vielen internationalen Unternehmen seien solche Vorgaben nicht durchführbar.
 
Und viele Arbeitnehmer wollen sie auch gar nicht – schließlich liegt in der Technik erst die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten und so beispielsweise Familie und Beruf besser miteinander in Einklang zu bringen. Führungskräfte sollten einen vernünftigen Umgang mit Mails und Telefonaten einfordern und selbst vorleben. Betriebliche Regelungen, die den Bedürfnissen der Unternehmen, Abteilungen und einzelnen Mitarbeitern Rechnung tragen, seien sinnvoller als Gesetze, argumentiert der BPM.

Rolle der Führungskräfte

Telekom-Personalmanagerin Schick etwa fordert, dass sich Führungskräfte darüber bewusst sein sollen, was eine Chefmail zu später Stunde für die Mitarbeiter bedeutet: Arbeitspsychologen zufolge bereitet vielen Arbeitnehmern das Ignorieren von Mails ähnlich viel Stress wie das Beantworten.

Doch kann sich nur gestresst fühlen, der überhaupt das Handy eingeschaltet und jede Mail per Pushfunktion angezeigt bekommt. Einige Unternehmen – darunter die Telekom und Volkswagen – haben bereits entsprechende Vereinbarungen getroffen, wonach die Erreichbarkeit nach Feierabend klar geregelt oder sogar ganz ausgeschlossen ist.


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Wer seine Mails nachts trotzdem checkt und sich gestresst fühlt, ist selber schuld. Und nicht jede Mail nach Feierabend macht auch gleich krank.
 
Studien zeigen, dass dies erst der Fall ist, wenn die Arbeitsbelastung über Wochen und Monate sehr hoch ist, die Mitarbeiter überfordert werden oder sie auf diese Weise unter Druck gesetzt werden sollen. Stimmt hingegen die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, stimmen das Betriebsklima, die Motivation und die Arbeitsbedingungen – dann ist auch täglicher Stress kein Problem, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann .

Gute Führungskräfte greifen steuernd ein und erinnern ihre Mitarbeiter auch an die Eigenverantwortung. Denn Arbeitnehmern, die trotz der wiederholten Ansage des Chefs, dass nach Feierabend Mails nicht mehr beantwortet werden müssen, trotzdem weiterarbeiten, helfen auch gesetzliche Richtlinien wenig.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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