Streik und Arbeitskosten Auf den Barrikaden

"Passend" zur EM übt sich Frankreich im Streik. Den Deutschen ist Streik nicht fremd: 2015 gingen so viele Arbeitnehmer auf die Barrikaden wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das wirkt auch negativ auf Investoren, die ein solches soziales Klima und die steigenden Arbeitskosten scheuen.

wiwo.de, dpa | , aktualisiert

Auf den Barrikaden

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Foto: Markus Bormann/Fotolia.com

Die Bahn? Streikte. Mehr als einmal. Die DHL? Ließ die Pakete und Päckchen in ihren Logistikzentren. Die Lufthansa? Hob nicht ab - mal wegen der Piloten, dann wegen der Flugbegleiter und dann wegen des Bodenpersonals. Wer sich mit dem Taxi behelfen wollte, hatte in vielen Großstädten auch mehr als einmal Pech: Entweder waren die Taxen belegt wegen des Bahnstreiks, oder die Fahrer streikten selbst wegen des Konkurrenten Uber.

Immerhin mussten die Kinder nicht pünktlich in die Kita – Erzieherstreik. Denn Deutschlands Arbeitnehmer sind in den vergangenen Jahren streikfreudiger geworden.

Seine Spitzenposition als "Hort des sozialen Friedens" habe das Land verloren, heißt es in einer Langzeit-Untersuchung des "IW-Gewerkschaftsspiegels", die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 2015 hatten mehrere lange Streiks im Öffentlichen Dienst sowie bei Lokführern und Piloten die Ausfallzeiten in die Höhe getrieben.

Arbeitskampf im Ausland

Insgesamt brachten es die Deutschen vergangenes Jahr auf sieben Streiktage bei 1000 Arbeitnehmern pro Jahr. Damit liege Deutschland im OECD-Vergleich nur noch im gehobenen Mittelfeld. In Japan, Österreich, Polen, Schweden, der Schweiz und Ungarn ging es demnach in dem untersuchten Zeitraum von 2006 bis 2015 deutlich friedlicher zu.

Am meisten wird laut Statistik in Dänemark und Frankreich gestreikt, wie das arbeitgebernahe Institut der Wirtschaft Köln (IW) berichtet. In Dänemark fielen im Jahresdurchschnitt 120 Arbeitstage je 1000 Arbeitnehmer aus, in Frankreich waren es 117. Im westlichen Nachbarland sind anders als in Deutschland politische Streiks erlaubt, so dass hier schnell hohe Teilnehmerzahlen zusammenkommen. Generell seien politisch motivierte Generalstreiks aber seltener geworden, schreiben die Studienautoren Hannah Busshoff und Hagen Lesch.

Weitere Streiks drohen

In der Regel wird wegen zu geringer Löhne, ungerechter Arbeitsbedingungen oder schlechter Sozialleistungen gestreikt, weshalb es in der Regel auch ganz bestimmte Unternehmen oder Niederlassungen trifft und es nur selten zu Generalstreiks kommt. Nicht mal in Frankreich. In Deutschland soll auch 2016 weiter gestreikt werden. Zumindest drohen bei der Lufthansa weitere Streiks für dieses Jahr.

Am friedlichsten ging es 2015 übrigens in Japan, Österreich und der Schweiz zu. In Japan ging je 1000 Arbeitnehmer gerechnet gar kein Arbeitstag verloren, in der Schweiz war es lediglich ein Tag und in Österreich waren es zwei Tage. Mit vier bis fünf Ausfalltagen schnitten auch Polen, Schweden und Ungarn besser als Deutschland ab.

Deutschland liegt zusammen mit den USA und den Niederlanden im oberen Mittelfeld. Allein wegen der häufigen Streiks im Jahr 2015 war die Zahl der Ausfalltage pro 1000 Beschäftigte von vier auf sieben gestiegen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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