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Steuererklärung Finanzamtsfristen für Jungakademiker

Warum Studenten, die immer brav eine Steuererklärung abgegeben haben, jetzt benachteiligt werden.

Daniel Schönwitz, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Dieter Schütz/Pixelio

Oft dumm gelaufen

Die gute Nachricht zuerst: Jung-Akademiker, die während des Studiums keine Werbungskosten geltend gemacht haben, können dies noch problemlos nachholen. Denn für die Abgabe einer Steuererklärung haben sie bis zu sieben Jahre Zeit. Ende dieses Jahres läuft somit die Frist für Erklärungen zum Steuerjahr 2004 ab.

Die schlechte Nachricht: Studienkosten können nur dann noch nachträglich als Werbungskosten geltend gemacht werden, wenn Studenten zuvor für das betreffende Jahr noch keine Erklärung abgegeben haben. Wenn doch, ist meist nichts mehr zu machen. Denn ein Steuerbescheid ist „bestandskräftig“, wenn Betroffene nicht binnen eines Monats nach Zugang des Bescheids Einspruch einlegen.

Diese Monatsfrist dürfte in den meisten Fällen längst abgelaufen sein. Das trifft etliche Studenten. Denn wer nebenbei jobbt oder Praktika macht, unterliegt oft dem automatischen Lohnsteuerabzug. Der Arbeitgeber zieht das Geld ab, der Student holt sich einen Teil per Steuererklärung wieder zurück.

Anträge stellen, Einspruch einlegen

Bis Ende des vergangenen Jahres war es selbst bei bestandskräftigen Bescheiden noch möglich, Verluste nachzumelden. Doch im Dezember änderte die Bundesregierung im Jahressteuergesetz die Rechtslage und legte fest, dass nachträgliche Verlustfeststellungsanträge ungültig sind. 

Der Würzburger Steuerberater Christoph Gramlich hält das für verfassungsrechtlich fragwürdig, weil auch Verluste betroffen sind, die vor Inkrafttreten der Gesetzesänderung aufgelaufen waren. „Ich gehe davon aus, dass diese Angelegenheit beim Bundesverfassungsgericht landet“, sagt Gramlich, der zahlreiche Studenten betreut. Selbst bei bestandskräftigen Bescheiden sollten Studenten deshalb die nachträgliche Verlustfeststellung beantragen und dann gegen die Ablehnung Einspruch einlegen, rät der Steuerexperte.

Wenn sich das Bundesverfassungsgericht dann irgendwann auf die Seite der Studenten schlägt, winken nachträgliche Steuererstattungen. Dass so etwas vorkommt, ist keineswegs ungewöhnlich. In den vergangenen Jahren kippten die Karlsruher Verfassungshüter beispielsweise rückwirkend gesetzliche Neuregelungen zur Pendlerpauschale und zum häuslichen Arbeitszimmer.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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