Stellenmarkt Euro-Krise schwächt Einstellungsbereitschaft

Nur jedes zehnte deutsche Unternehmen will noch neue Mitarbeiter einstellen. Arbeitgeber stellen sich auf schwierige Zeiten ein. In Südeuropa sieht es besonders schlecht aus.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert


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Sinkende Einstellungsbereitschaft

Der Anteil der Arbeitgeber, die im kommenden Quartal zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen, ist in Deutschland auf zehn Prozent gesunken. Entlassungen sind bei den meisten aber nicht geplant: 82 Prozent der Arbeitgeber planen, die Mitarbeiterzahl auf dem aktuellen Level zu halten.

Sieben Prozent wollen in diesem Zeitraum Stellen kürzen. Das zeigt das aktuelle Arbeitsmarktbarometer der Personalvermittlung Manpower. Sie befragt vier Mal im Jahr 65.000 Arbeitgeber in 41 Ländern, welche Veränderung der Beschäftigungslage in ihrem Unternehmen sie für das nächste Quartal erwarten.

Der sich daraus ergebende saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick von plus 1 Prozent ist der niedrigste Wert für Deutschland seit dem vierten Quartal 2009. Er liegt fünf Prozentpunkte unter dem zweiten Quartal dieses Jahres. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (Q3/2011) ist das ein Rückgang um elf Prozentpunkte. 

Flaute im öffentlichen und sozialen Sektor
 
In sieben von neun untersuchten Branchen ist der Beschäftigungsausblick rückläufig – und zwar sowohl im Vergleich zum vorangegangenen Quartal als auch im Vergleich zum Vorjahreswert. Am deutlichsten zeigt das der öffentliche und soziale Sektor.

Der Netto-Beschäftigungsausblick liegt aktuell nur noch bei minus 5 Prozent. Im zweiten Quartal waren es noch plus 6 Prozent, im Vorjahr plus 15. Uneinheitlich sind die Beschäftigungsaussichten im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel. Hier planen zehn Prozent der Arbeitgeber, Stellen abzubauen.



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Gleichzeitig gaben aber zwölf Prozent an, Personal einstellen zu wollen. Im Vergleich zum dritten Quartal 2011 ergibt sich ein Verlust von minus zwölf Prozentpunkten.

"Standen die Wirtschaftsindikatoren im ersten Quartal noch auf Aufschwung, zeigt unsere aktuelle Untersuchung, dass sich die Arbeitgeber jetzt auf schwierigere wirtschaftliche Rahmenbedingungen einstellen und bei der Personalplanung entsprechend vorsichtigere Prognosen abgeben", sagt Calasan.

Bereits der Ifo-Geschäftsklimaindex von Mai hatte auf eine zurückhaltende Stimmung in der Wirtschaft hingewiesen. Optimistisch sind nur die Branchen Finanzen, Dienstleistungen und die Energieversorgungsbranche: Bei den Strom-, Wasser- und Gasversorgern ist der Beschäftigungsausblick nach zwei Quartalen mit negativem Wert nun auf plus fünf Prozent gestiegen.

Überdurchschnittlicher Bedarf im Finanz- und Dienstleistungssektor

"Offenbar hat sich der Druck auf die Branche durch den Atomausstieg der Bundesregierung und aufgrund der wieder gefallenen Treibstoffkosten abgeschwächt", sagt Vera Calasan, Chefin der ManpowerGroup Deutschland.

Eine überdurchschnittliche Bereitschaft, Personal einzustellen, zeigt laut Arbeitsmarktbarometer auch der Finanz- und Dienstleistungssektor: 22 Prozent dieser Arbeitgeber wollen die Belegschaft in den kommenden drei Monaten aufstocken.



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Der Netto-Beschäftigungsausblick liegt bei 14 Prozent und bleibt damit im Vergleich zum zweiten Quartal unverändert. Verglichen mit dem Vorjahreswert ist jedoch ein Rückgang um 6 Prozentpunkte zu verzeichnen.

"Viele Arbeitgeber aus dem Finanzsektor haben die Euro-Krise offenbar bereits in ihren früheren Prognosen berücksichtigt und rechnen für das zweite Halbjahr 2012 nun mit verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – vor allem abseits des Investmentgeschäfts", sagt Calasan. 
 
Im regionalen Vergleich zeigt sich, dass die Einstellungsbereitschaft im Raum München überdurchschnittlich hoch ist. Dort planen 22 Prozent der Arbeitgeber, im dritten Quartal neues Personal einzustellen. Das bedeutet einen Anstieg von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum zweiten Quartal und neun Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Eingebtrübte Stimmung in Norddeutschland und im Ruhrgebiet

Besonders schwach ist der aktuelle Beschäftigungsausblick in Berlin. Dort ist die Einstellungsbereitschaft von plus vier im zweiten Quartal auf minus zwei Prozent gesunken. Im dritten Quartal 2011 lag sie noch bei 29 Prozent. Deutlich eingetrübt hat sich die Stimmung auch in weiten Teilen Norddeutschlands und im Ruhrgebiet.

Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ist im Ruhrgebiet der Netto-Beschäftigungsausblick um 19 Prozentpunkte auf minus acht Prozent gesunken. Norddeutschland verzeichnet einen Rückgang um zehn Prozentpunkte, dort liegt der Netto-Beschäftigungsausblick für das dritte Quartal 2012 bei plus zwei Prozent.


 


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Im internationalen Vergleich zeigen sich vor allem die Länder in der Eurozone als Verlierer der Einstellungsbereitschaft.
 
In Griechenland ist der Netto-Beschäftigungsausblick mit einem Wert von minus 13 am geringsten.

Spanien liegt wie Irland bei minus sechs, Italien bei minus zwei. Portugal wurde nicht untersucht.

Hohe Einstellungsbereitschaft außerhalb der Eurozone

Insgesamt ist die Einstellungsbereitschaft in 20 von 23 untersuchten Ländern in Europa (plus Türkei, Israel und Südafrika) konstant bis erhöht.

Im Vorjahresvergleich zeigt sich in 17 Ländern jedoch ein Rückgang. Besonders hoch ist die Einstellungsbereitschaft im dritten Quartal in Ländern außerhalb der Eurozone, nämlich in der Türkei, in Israel, Bulgarien, Rumänien und Norwegen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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