Staycation Urlaubsziel: Feierabend!

Die Kollegen haben frei, draußen scheint die Sonne, aber Urlaub ist nicht in Sicht. Wer keine Aussicht auf freie Tage hat, sollte seine Freizeit besonders gestalten.

Olga Gala, zeit.de | , aktualisiert

Urlaubsziel: Feierabend!

So genießen Sie den Feierabend – auch wenn Sie keinen Urlaub haben.

Urlaub? Erst ab 18 Uhr – eine andere Möglichkeit hatte Isabel Rohner im vergangenen Sommer nicht. Da war die Referentin bei einem großen Verband gerade für den Job nach Berlin gezogen und konnte sich nicht freinehmen. Trotzdem sagt sie: "Ich habe total viel vom Sommer gehabt." Fast jeden Tag unternahm sie etwas in ihrer Freizeit: Theater, Badesee, Tretbootfahren, Feierabendbier, Freilichtkino. "Das war total entspannend", sagt sie rückblickend.

Entspanntes Arbeiten

"Erholung findet nicht nur im Urlaub statt", sagt Thomas Rigotti, Arbeitspsychologe an der Universität Mainz. Sie könne sogar schon während der Arbeitszeit beginnen. Das können jetzt alle diejenigen nutzen, die im Sommer keinen Urlaub nehmen können. Rigotti betont den positiven Effekt von mehreren kurzen Pausen während der Arbeit: Der Stress reduziere sich auf diese Weise.

Die Zeit nach Feierabend sollte generell einen Gegenpol zur Beanspruchung bei der Arbeit bilden. Wie dieser Gegenpol aussieht, ist unterschiedlich. Es kann ebenso erholsam sein, vor dem Fernseher auszuspannen, wie es gut tut, sich mit Freunden zu treffen. Auf Dauer sei Freizeit ausschließlich auf dem Sofa allerdings nicht zu empfehlen, sagt Rigotti. Sowohl die sozialen Beziehungen als auch die körperliche Gesundheit leiden.

"Richtiges Urlaubsfeeling"

Generell komme es darauf an, dass Arbeitnehmer über ihre Freizeit auch frei verfügen können und sich in dieser Zeit körperlich und geistig von der Arbeit erholen können, sagt der Psychologe. Sport, meditieren, lesen – Erholung kann ganz individuell aussehen. Entscheidend sei der Handlungsspielraum, nämlich nicht jede Minute im Voraus durchzuplanen. Dabei sei es egal, ob man viel oder eher wenig unternehme – es komme auf das Gefühl von Selbstbestimmtheit an.

Auch Isabel Rohner plant nicht jede Freizeitaktivität detailliert im Voraus. "Ich entscheide auch oft spontan", sagt sie. Um abzuschalten, entscheidet die Berlinerin sich im Sommer bewusst für Aktivitäten im Freien. Das ist eine Abwechslung zum Bürojob. "Einer meiner Lieblingsplätze in diesem Sommer ist eine Strandbar in der Innenstadt", sagt Rohner. In den Liegestühlen komme richtiges Urlaubsfeeling auf.

Arbeitspsychologe Rigotti zufolge sei es wichtig, bewusst Distanz zum Job zu schaffen – auch wenn der Feierabend nur kurz andauert und es am nächsten Tag intensiv weitergeht. Mails checken am späten Abend, lange über die Arbeit grübeln: So entsteht keine Erholung. Feste Rituale helfen beim Abschalten. Das kann das Gespräch mit guten Freunden oder dem Partner sein. Oder einfach nur der Weg nach Hause, bei dem man sich bewusst macht, dass jetzt für einige Stunden etwas anderes das Leben bestimmt als der Job. Aktiv werden, sei es im Sportverein oder im Ehrenamt, helfen an etwas anderes als Arbeit zu denken. Und abgelenkt könne man eben besser abschalten, sagt der Arbeitspsychologe.

Und was tun, wenn man alle jene beneidet, die jetzt ihren Urlaub genießen? Rigotti sagt: Selbst den nächsten Urlaub planen und sich auf die Reise freuen. Das hilft, um so eine Durststrecke zu überwinden. Generell sei es kein Problem, wenn jemand ein halbes Jahr ohne freie Tage arbeite, solange es einen Ausgleich zu dem Berufsalltag gebe. "Man sollte aber nicht aus den Augen verlieren, dass wir nicht die Menschen trainieren sollten, mit der modernen Arbeitswelt klarzukommen, sondern auch die Arbeitswelt human gestalten", fügt der Psychologe hinzu.

Auch in der Probezeit gibt es Urlaub

Den Zeitpunkt des Urlaubs können Arbeitnehmer übrigens frei wählen. Allerdings müssen betriebliche und soziale Belange der Arbeitnehmer berücksichtigt werden. Dabei haben diejenigen Vorrang, die in dem Jahr noch nicht frei hatten. Auch die Dauer der Betriebszugehörigkeit (der "Neue" muss eher flexibel sein, als ein langjähriger Mitarbeiter) und Kinder spielen eine Rolle. Ein Recht auf Urlaub in der Ferienzeit haben Eltern jedoch nicht.

Und entgegen der verbreiteten Auffassung, während der Probezeit gebe es keinen Urlaubsanspruch, steht auch Mitarbeitern in der Anfangszeit für jeden Monat des bestehenden Arbeitsverhältnisses ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Nur aus zwingenden betrieblichen Gründen kann der Arbeitgeber dieses Recht verweigern. Den vollen Urlaubsanspruch genießt der Mitarbeiter allerdings erst nach sechs Monaten.

Isabel Rohner verbringt auch diesen Sommer wieder in der Stadt – und bei der Arbeit. Zwar hätte sie dieses Mal Urlaub nehmen können, aber sie wollte nicht. "Die Erfahrung vom letzten Jahr war so positiv, dass ich entschieden habe, ich mach das wieder." Die Sommerabende, mit schönem Wetter und Tageslicht, könnten eben intensiver genutzt werden, als die im Winter. In der kalten Jahreszeit will Rohner sich dann lange frei nehmen und in den Süden vereisen.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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