Startup Die Tücken der Selbstständigkeit

Viele Berater glauben, ihre Erfahrung und die Kontakte aus dem Job reichen für die Firmengründung – und sind viel zu optimistisch.

Andreas Schulte | , aktualisiert


Foto: Gerd Altmann/Pixelio

Voll Energie

Daniel Rhein hat die Seiten gewechselt: Der langjährige Berater von Energy Consulting in Kehl hat sich vor knapp einem Jahr selbstständig gemacht. "Als Angestellter habe ich den Energieeinkauf für Kunden abgewickelt", sagt er. "Heute helfe ich Firmen dabei, das selbst zu übernehmen."

Rhein hat dazu die Internetplattform www.rheco.de online gestellt. Sie hilft Unternehmen, die schwankenden Kurse an der Energiebörse zu nutzen und dann zu kaufen, wenn der Strom günstig ist.

Die Webseite steht in Konkurrenz zu seinem ehemaligen Arbeitgeber. "Im Grunde nutze ich mein Wissen genau wie in meiner Festanstellung – nur eben für meine Plattform", sagt er.

Berater wagen häufig den Sprung

Der Schritt zur Selbstständigkeit liegt nah: Wer aus einer Unternehmensberatung komme, habe Erfahrung und sei oft gut vernetzt, sagt Rémi Redley, Inhaber der Beratung Goossens-Redley. Er leitet Seminare für Existenzgründer beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Wie viele der 8.000 Berater den Schritt ins Unternehmertum wagen, ist nicht bekannt. Aber: "Nach einigen Jahren Stillstand zieht die Selbstständigkeit jetzt wieder an", sagt Redley. Doch etliche unterschätzen den Sprung – allein die alten Kontakte reichen nicht.


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Vertriebsstärke gefragt

Wer ein starkes Netzwerk hat, kommt zwar leichter an erste Aufträge. Ralf Strehlau etwa arbeitete neun Jahre bei KPMG als Restrukturierer, bevor er 2001 zu Ericsson Consulting wechselte. Nach einem Jahr kehrten er und drei Kollegen dem Mobilfunker den Rücken und gründeten die Beratung Anxo.

Über Kontakte aus der Festanstellung kam der Auftrag zur Restrukturierung einer mittelständischen Firma – ein solider Start.

Anxo beschäftigt heute 13 Mitarbeiter. Allerdings sind nur noch zwei der vier Gründer an Bord. "Es genügt nicht, wenn man sich gut versteht und an die gemeinsame Sache glaubt", sagt Strehlau. "Zusätzlich müssen die Mitarbeiter auch vertriebliche Kompetenz haben."

Einzelkämpfer scheitern schneller

100.000 Euro Umsatz pro Jahr und pro Mitarbeiter sei Ziel. Ohne Partner hätte es Strehlau wohl kaum geschafft. Viele Einzelkämpfer scheiterten nach zwei bis drei Jahren, sagt er. Oft wende sich dann der einzige Großkunde ab, den der Berater aus der Festanstellung mitgenommen habe.

Eine zweite schwierige Phase kommt nach fünf bis sieben Jahren. Viele Kollegen blieben dann fachlich stehen, während sich die Situation in den Unternehmen etwa im IT-Bereich ändere, sagt Strehlau, der den BDU Fachverband Management und Marketing führt. "Von zehn Existenzgründern ist nach zehn Jahren nur noch einer im Geschäft."


Foto: Gerd Altmann/Pixelio

Gründer helfen Gründern

Darüber hinaus empfiehlt Redley, ein Alleinstellungsmerkmal herauszubilden. Viele besäßen zwar Beratungs-Know-how, doch das sei oft austauschbar.

Chan-jo Jun fährt daher zweigleisig – als Anwalt und Unternehmensberater. Bis 2006 fertigte er freiberuflich im Auftrag von McKinsey Studien für Behörden an. Ein Angebot für eine Festanstellung lehnte er ab. "Ich wollte immer auch Anwalt sein", sagt er. Heute leitet der 37-Jährige in Würzburg eine Kanzlei mit sechs Mitarbeitern – und profitiert von seiner Beratertätigkeit. 

Häufig steht am Beginn einer Beratung ein kurzer Rechtsbeistand. So suchen Existenzgründer bei Jun Hilfe beim Verfassen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. "Oft stellt sich heraus, dass der Firma auch ein klares Geschäftsmodell fehlt. Daraus ergibt sich eine Beratertätigkeit", sagt Jun.

Andere Perspektive

Durch die Doppelfunktion lassen sich gerade kleine Firmen als Kunden gewinnen. "Viele Chefs gehen mit ihren Fragen zum Anwalt oder Steuerberater. Dass sie auch einen Unternehmensberater konsultieren könnten, kommt den meisten nicht in den Sinn."

Auch wenn Berater die Branche wechseln, können sie auf ihre Erfahrung aufbauen. "Sie wissen, welche Kompetenzen ein Unternehmen braucht. So finden sie leichter die richtigen Partner", sagt Redley.


Foto: Gerd Altmann/Pixelio

Leichter Branchenwechsel

Das gelang Ozan Taner mit zwei Kollegen. Im Jahr 2005 gründeten sie das Kaffeeimportunternehmen Moema Espresso Republic.

Taner hatte zuvor bei Roland Berger Strategy Consultants in Brasilien Kunden aus der Autoindustrie betreut.

Auch wenn Benzin und Bohnen wenig gemein haben, profitiert Taner von seinen Beratererfahrungen nun in der eigenen Firma. "Die Fähigkeit, schnell die Wertschöpfungskette beim Kaffeeimport zu verstehen, hat geholfen", sagt er.

Viel Aufwand bei der praktischen Umsetzung

Doch die Arbeit bei Roland Berger brachte auch falsche Vorstellungen mit sich: "Wir dachten, schneller mehr erreichen zu können." Die Anträge für Genehmigungen dauerten ein halbes Jahr länger als gedacht.

"In dem Businessplan eines Beraters ist so etwas nur ein Punkt, in der Praxis ist das viel aufwendiger", sagt Taner.

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