Start-up Welche Rechtsform ist richtig?

GmbH, GbR oder doch lieber AG? Unternehmensgründer sollten sich frühzeitig für eine Rechtsform entscheiden. Grundlage dafür ist eine intensive Analyse der Geschäftsstruktur. Das einstige Forschungsprojekt Temos zeigt, was es zu beachten gibt.

Tanja Könemann | , aktualisiert

Mit Rechtsformen kannte sich Claudia Mika lange nicht aus. Warum auch? Die 37-Jährige ist ausgebildete Qualitätsprüferin und hat in der Vergangenheit am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin geforscht. Ein Unternehmen zu gründen, daran hatte die Wissenschaftlerin nicht gedacht. Vor zwei Jahren aber reifte genau dieser Plan in ihrem Team. Temos, eines der Forschungsprojekte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), sollte Krankenhäuser via Satelliten weltweit vernetzen. Ein Teil von Temos - die Qualitätsprüfung und Zertifizierung der Häuser - lief so erfolgreich, dass man damit fortan Geld verdienen wollte: Aus dem Projekt sollte ein Unternehmen werden, mit Claudia Mika als Chefin.

Fragen über Fragen

Auf sich gestellt war sie aber nicht. Rudolf Faymonville unterstützt die Gründerin. Der Koordinator für Technologietransfer am DLR hat seit 1995 etwa 40 Ausgründungen auf Kurs gebracht. Nach dem Entschluss, eine Firma zu gründen, kamen die relevanten Fragen für die Wahl der Rechtsform auf den Tisch, sagt Faymonville. "Wir analysierten die Geschäftsstruktur und fragten uns: Ist das ein Handelsgeschäft, ein Dienstleistungsbetrieb oder ein produzierendes Unternehmen? Wer sind die Kunden? Welche Anteile an Temos streben die einzelnen Gründer an? Welche Verbindlichkeiten gehen sie damit im Falle einer Insolvenz ein?"

Für einen Dienstleister, der zumeist selbst Services in Anspruch nimmt - zum Beispiel die Hilfe von Consultants vor Ort -, sollte eine Deckung in Höhe von 25000 Euro GmbH-Stammkapital angemessen sein, befanden Faymonville und Mika. Denn höhere Forderungen seien im laufenden Geschäft nicht zu erwarten, sagt Faymonville. Sollte Temos einmal eine größere Haftungsübernahme benötigen, müssten die Gesellschafter die Eigenkapitalbasis erweitern und sich Mika beispielsweise bei der KfW Bank um eine Bürgschaft bemühen.

Das Unternehmen sollte von mehreren Personen gegründet werden: einem externen Berater, den die Idee so überzeugte, dass er selbst einsteigen wollte, dem Leiter des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR und von Claudia Mika selbst. All diese Kriterien sprachen für eine Firmierung als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Eine Personengesellschaft kam hingegen nicht infrage, denn die Gründer wollten sich in Höhe ihrer Einlage verpflichten und nicht mit ihrem Privatvermögen haften

Der Schwager als Vorbild

Die GmbH empfahl sich auch aus einem persönlichen Grund als Rechtsform: Mikas Schwager ist Gesellschafter einer GmbH, die aus einer boomenden GbR entstanden war. Als das wachsende Unternehmen ein neues rechtliches Gewand benötigte, beobachtete Mika den Wandel und sah, wie sich die Rechtsform dazu eignete, Risiken zu beschränken und externe Geschäftsführer zu bestellen, wenn die Arbeit für einen alleine zu viel wurde. Später nahm sie den erfolgreichen Betrieb als Vorbild für Temos - auch bei der Wahl der Rechtsform.

Der Fall schien klar: Aus dem einstigen Forschungsprojekt sollte eine GmbH werden. Bis schließlich ein Investor sein Engagement ankündigte - und dringend zu einer Aktiengesellschaft riet. Der Geldgeber sah so weitere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und argumentierte, die Rechtsform vermittele im Ausland einen besseren Eindruck. Ein Argument, das auch Faymonville durchaus kennt: "International ist die deutsche GmbH recht unbekannt oder sie hat keinen guten Ruf", sagt der DLR-Experte. Hier sei als Rechtsform eher die Aktiengesellschaft (AG) oder die europäische Aktiengesellschaft (SE) angezeigt.

Doch der organisatorische Aufwand einer AG ist hoch. Im Vergleich zu einer GmbH, wo Gesellschafterversammlung und Geschäftsführer zusammenarbeiten, müssen bei einer AG Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung berufen werden. Er und Mika zogen Rechtsanwalt Axel Tophoven hinzu (siehe Interview). Die drei befanden: zu viel Aufwand für ein Unternehmen der Größenordnung von Temos. "Die AG eignet sich für Unternehmen mit hohem und schwankendem Kapitalbedarf sowie wechselnden Geldgebern - beides Faktoren, die bei Temos nicht zu erwarten sind", sagt Faymonville. Auch hinsichtlich der Glaubwürdikeit, sah der Physiker Temos gut ausgerüstet. Denn neben dem international angesehenen DLR unterstützt auch die renommierte Europäische Weltraumorganisation ESA das Projekt.

Die AG als Rechtsform war somit bald wieder vom Tisch. Claudia Mikas erste Wahl hat sich durchgesetzt: Als GmbH-Geschäftsführerin kann sie rechtlich gut abgesichert in ihr Unternehmerdasein starten. Und noch ein weiterer Punkt gibt ihr die nötige Sicherheit: Der Geldgeber, der zur AG riet, interessiert sich weiterhin für Temos und will sich an der jungen GmbH beteiligen. 

Info
Axel Tophoven, 32, berät Gründer in gesellschaftsrechtlichen Fragen. Er ist Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter für Zivil- und Gesellschaftsrecht an der Rheinischen Fachhochschule. Er engagiert sich auch bei Businessplan-Wettbewerben.

Wahl der GmbH: Mini oder Maxi?
Am 1. November 2008 trat das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts in Kraft. Im Zuge der Novelle entstand die Mini-GmbH, oder - so die korrekte Bezeichnung - die "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)". Ein Überblick:

1. Zu den Vorteilen für Gründer zählt die Möglichkeit, das Unternehmen mit einem Euro Stammkapital zu gründen und die Haftung zu beschränken. Die Gründungskosten sind geringer als bei einer normalen GmbH.

2. Die Nachteile im Vergleich zu Personengesellschaften: Die Mini-GmbH ist körperschafts- und gewerbesteuerpflichtig. Auch buchhalterischen Aufwand sollten die Gründer einplanen, da Jahresabschlüsse erstellt werden müssen. Außerdem können sie nur über einen Teil des Jahresüberschusses verfügen, denn von einem Viertel des Gewinns müssen solange Rücklagen gebildet werden, bis 25000 Euro erreicht sind.

3. Bis Mitte September wurden knapp 18000 Mini-GmbHs ins Handelsregister eingetragen. Der britischen Rechtsform Limited, die für ein Pfund zu haben ist, hat die Mini-GmbH den Rang abgelaufen: Nach Angaben der Bundesregierung sind die Eintragungen ins Handelsregister deutlich rückläufig.

4. Aufgrund der meist geringenKapitalausstattung eignet sich die Mini-GmbH vornehmlich für Unternehmen, die wenig finanzielle Mittel benötigen oder als Einstiegsvariante in die normale GmbH, in die sie umgewandelt werden kann, sobald das Stammkapital von 25000 Euro erwirtschaftet wurde.

Auf der sicheren Seite
GbR, GmbH, AG? Axel Tophoven erklärt, worauf Gründer achten sollten und wie die Rechtsform Streit verhindert.

Wann müssen sich Gründer um die Rechtsform kümmern?
Je stärker sich Gründer ins operative Geschäft stürzen, desto größer wird die Gefahr, dass sie - ohne adäquate Rechtsform - mit großen Teilen ihres Privatvermögens für ihr Geschäft haften müssen. Deshalb sollten sie sich möglichst früh darüber Gedanken machen. Dies gilt vor allem bei der - aus haftungsrechtlicher Sicht riskanten- Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Die kann automatisch entstehen, wenn mehrere Personen eine gemeinsame Tätigkeit aufnehmen. Wenn sich dies später als ungünstig herausstellt, kann die Umwandlung in eine andere Rechtsform aufwendig und teuer sein.

Was sind die häufigsten Fallstricke?
Viele Gründer denken, ihre Haftungsrisiken seien überschaubar, wenn sie nur geringe vertragliche Verpflichtungen eingehen. Sie übersehen, dass sich beispielsweise auch Schadenersatzansprüche oder Haftungsansprüche aus dem Steuerrecht oder aus der Gefährdungshaftung ergeben - sie also dafür geradestehen müssen, wenn Kunden Schaden nehmen durch Produkte, die sie verkauft haben.

Kann die richtige Rechtsform Streit verhindern?
Grundsätzlich ja. Allerdings ist es wichtiger, die gewählte Rechtsform durch Vertragsgestaltung maßzuschneidern, damit nicht ein Gründer beispielsweise den anderen wegen jedem Bleistift, der gekauft werden soll, fragen muss. Auf der anderen Seite müssen sie sich auch gegenseitig kontrollieren können. Denn wenn sich Gründer überworfen haben, muss verhindert werden können, dass einer munter weiter Verbindlichkeiten eingeht, ohne das Einverständnis der anderen einzuholen.

Und was können Gründer tun?
Sie können beispielsweise den GmbH-Gesellschaftervertrag mit sogenannten Zustimmungsklauseln ausstatten, wonach die Geschäftsführer gegenüber den Gesellschaftern haftbar sein können, wenn sie ohne deren Einverständnis handeln. Gründer wiederum können so sicherstellen, dass kein Gesellschafter ohne ihre Zustimmung seine Beteiligung veräußern kann - damit nicht auf einmal ein unliebsamer Dritter im Boot sitzt.

Zur Person
Axel Tophoven, 32, berät Gründer in gesellschaftsrechtlichen Fragen. Er ist Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter für Zivil- und Gesellschaftsrecht an der Rheinischen Fachhochschule. Er engagiert sich auch bei Businessplan-Wettbewerben.

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