Start-up Von der Idee zur Firmengründung

Sie wollen sich selbstständig machen - Ihnen fehlt aber noch die Geschäftsidee? Wie Sie eine entwickeln, zeigt das Beispiel Sofatutor. Das E-Learning-Portal hat aus einer guten Idee ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell entwickelt.

Tanja Könemann | , aktualisiert

Sofatutor ist noch jung und steht erst am Anfang. Das E-Leraning-Portal ging im April an den Start. Für einen Monatsbeitrag von acht Euro können Schüler und Studenten seit April online mit Nachhilfe-Videos lernen. Mehr als 1500 Beiträge, zwischen drei und zehn Minuten lang, sind bereits abrufbar. Zu sehen gibt es Unterrichtsstoff der Fächer Deutsch, Mathe, BWL, Physik und Biologie, geeignet für Schüler ab der siebten Klasse. Produziert werden die Lernfilme von Studenten, Tutoren und Diplomanden. Die Autoren werden dafür am Umsatz beteiligt. Die Entstehung von Sofatutor zeigt exemplarisch, wie aus einer guten Idee auch eine gute Geschäftsidee wird.

Es war vor knapp zwei Jahren. Die Studenten Stephan Bayer und Andreas Spading suchten nach einem Weg, ihre Prüfungsvorbereitungen zu optimieren - Vorlesungen bei Itunes anzuschauen, statt sich durch Dutzende Bücher zu quälen. Doch sie fanden kein geeignetes Material. Das brachte sie zunächst auf den Gedanken, selbst Lernvideos zu drehen, und etwas später auf die Idee, daraus ein Geschäft zu machen. Zunächst fragten Bayer und Spading im Bekanntenkreis, ob ein solches OnlineAngebot Interesse wecken würde. Die Reaktionen waren positiv. Nachhilfe in Form kurzer Lehrfilme anzubieten - das kam bei den Freunden der beiden an.

Breite Zustimmung im Bekanntenkreis - der erste, relativ einfache Schritt auf dem Weg zur Geschäftsidee war getan (siehe Interview). Es folgte eine gründliche Marktanalyse. Bayer sagt: "Wir wollten wissen: Gibt es einen Markt für unsere Idee?" Erneut war die Antwort erfreulich. Geld verdienen lässt sich mit Nachhilfe durchaus. Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie schätzt den deutschen Markt für privaten Zusatzunterricht auf eine Milliarde Euro.

Und die Konkurrenz? Das Online-Lernportal Scoyo sieht Bayer nicht als Bedrohung. Das Bertelsmann Unternehmen habe eine jüngere Zielgruppe im Visier. Und die großen Nachhilfe-Institute wie Schülerhilfe oder Studienkreis verfolgen mit ihren Standorten ein konservatives Lernkonzept. Per Mausklick zum Nachhilfeunterricht - das gibt es dort nicht, schon gar nicht rund um die Uhr.

Die nötige Innovationskraft bescheinigt den Sofatutor-Gründern auch Dirk Radzinski: "Von Nutzern erstellte E-Learning-Inhalte gab es vor Sofatutor nicht." Radzinski ist Geschäftsführer von Humboldt-Innovation. Diese Tochter der Berliner Humboldt-Universität unterstützt Gründer mit Coaching, Büroräumen und bei der Investorensuche.

Ohne die Hilfe von Branchenkennern wie Radzinski wird aus einer guten Idee kaum ein funktionierendes Geschäftsmodell. In Beratungen und Diskussionen mit Experten klärten sich grundlegende Fragen, etwa die Finanzierung: Radzinski überzeugte Bayer und Spading, sich von den Nutzern eine Mitgliedschaft bei Sofatutor bezahlen zu lassen, anstatt sich - wie ursprünglich gedacht - mit Werbeeinahmen zu finanzieren.

Neben Radzinski haben Bayer und Spading inzwischen auch Investoren von sich überzeugt: Neben den Gebühren der Nutzer lebe das Unternehmen derzeit von den Einlagen mehrerer Business Angels, sagt Bayer. Zu Umsatzzahlen will er sich noch nicht äußern. 2008 hatte Sofatutor das Exist-Gründerstipendium im Gesamtwert von mehr als 50 000 Euro erhalten.

Wichtig war auch der Zeitplan. Die erste Phase, die Entwicklung des Portal-Prototyps, dauerte neun Monate. Es folgte eine zweite, einjährige Phase: die Vorbereitungen für den Start. Die dritte Phase läuft derzeit, Sofatutor will sich auf dem Markt etablieren und bis Ende 2010 in die Gewinnzone kommen. Bis dahin haben Bayer und Spading dann insgesamt rund dreieinhalb Jahre Zeit investiert.

Beide haben damit das geliefert, was Investoren und Berater von Unternehmern fordern: Einsatz und Leidenschaft, oft über Jahre hinweg, sind Voraussetzung, um eine Geschäftsidee zu entwickeln, die Erfolg verspricht. Dirk Radzinski war schnell klar, dass Bayer und Spading als Gründer bestens geeignet sind. Sie hätten von Anfang an unermüdlich für ihr Start-up gearbeitet. Mittlerweile gehören zum Team auch Steve Taube, Alexander Weise und Colin Schlüter. Der langfristige Erfolg ist aber noch unsicher: "Sofatutor wird erst dann viele Nutzer haben, wenn es von Lehrern im Unterricht oder bei Elternsprechstunden ins Gespräch gebracht wird", sagt Lutz Goertz vom MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung aus Essen.

Kurze Rede, langer Sinn
Bei einem Elevator Pitch bringen Gründer ihre Geschäftsidee auf den Punkt - in 60 Sekunden.

Der Elevator Pitch ist ein Klassiker unter den Präsentationsformen. Das Szenario: Ein Gründer trifft einen potenziellen Investor im Fahrstuhl eines Hochhauses und fährt mit ihm blitzschnell Dutzende Stockwerke hinauf. Keine Zeit für viele Worte - wenn der Mann am Ende des Kurztrips die Brieftasche zücken soll, muss jeder Satz sitzen. "Der Sprecher sollte nicht auf jedes kleine Detail des Businessplans eingehen. Vielmehr muss er erklären, worum es wirklich geht - am besten zügig und mit viel Leidenschaft", sagt Alexander Hüsing, der Gründer des Online-Portals Deutsche Start-ups.

Stephan Bayer nutzte den Elevator Pitch unlängst, um Sofatutor beim Internetkongress Next in Hamburg vorzustellen. Für das Training des Elevator Pitchs empfiehlt Hüsing den sogenannten Großmuttercheck: "Jemandem seine Idee zu erklären, der keine Ahnung hat, von dem was man tut. Das hilft." Wenn die eigene Oma die Ausführungen versteht, sollten auch potenzielle Investoren dazu in der Lage sein, findet Hüsing. Selbst wenn die Vorstellung nur 60 Sekunden dauert.

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