Start-up-Finanzierung Mehr Risikokapital für beständiges Know-how in Deutschland

Die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Brigitte Zypries, will mit Steuererleichterungen für Investoren innovative Gründer in Deutschland fördern.

Oliver Voß, wiwo.de | , aktualisiert

Mehr Risikokapital für beständiges Know-how in Deutschland

Idee1

Foto: stockphoto-graf/Fotolia.com

Der Verkehrsminister ist zwar jetzt für die Datenautobahnen zuständig, viele Internetthemen sind aber im Wirtschaftsministerium bei Ihnen angesiedelt. Sind Sie die heimliche Internetministerin?

Zypries: Nein, jedes Haus hat Projekte im und für das Netz. Der Verkehrsminister wird dafür sorgen, dass das Internet überall in Deutschland gut empfangen werden kann. Wir kümmern uns darum, dass Unternehmen und Verbraucher das Internet und die angebotenen Dienste umfassend nutzen und dass neue Geschäftsmodelle und Dienste entstehen können. Und der Innenminister kümmert sich um E-Government und die Sicherheit im Netz.

Alle drei Ministerien erarbeiten derzeit gemeinsam eine digitale Agenda. Wo liegt dabei Ihr Fokus?

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht einen der Schwerpunkte beim Thema Industrie 4.0. Damit unsere Industrie auch künftig im Wettbewerb bestehen kann, muss die digitale Revolution auch in der Industrie Einzug halten. Dazu wollen wir unter anderem innovative Start-ups mit ihren Ideen und die etablierte Industrie stärker zusammenbringen.

Ein weiteres Thema ist sichere IT – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen – und die Entwicklung entsprechender Software durch deutsche Unternehmen. Im Bereich von sicheren Anwendungen ist Deutschland gut aufgestellt und international anerkannt. Hier können deutsche Unternehmen ganz vorne mitspielen.

Können deutsche Mittelständler sichere Alternativen zu Microsoft & Co. anbieten?

Ja, es gibt gute Open-Source-Angebote – und wir können alle Software-Angebote durch sichere Komponenten deutscher Unternehmen ergänzen. An den großen US-Playern kommen wir nicht vorbei. Aber deutsche Unternehmen können sichere Komponenten zuliefern und den Menschen so die Gewissheit geben, dass sie ihre Geräte sicher zum Kommunizieren und Wirtschaften nutzen können.

Sie unterstützen Gründer. Wann können deutsche Start-ups zu den amerikanischen IT-Riesen aufschließen?

Unsere Gründerförderung ist erfolgreich. Bund, Länder und Kommunen unterstützen Gründerinnen und Gründer mit zahlreichen Maßnahmen, seien es Darlehen, Stipendien oder Beratungsangebote. Erfolgreiche Gründer können vom Bundeswirtschaftsministerium ein Stipendium für drei Monate im Silicon Valley bekommen. Wir wollen, dass deutsche Unternehmer hierdurch neue Erfahrungen sammeln, Erkenntnisse gewinnen und ihr Netzwerk vergrößern. Natürlich wünschen wir uns, dass die Unternehmer mit den neuen Erfahrungen und Kontakten nach Deutschland zurückkehren. Ob sich aus solchen Start-ups große Unternehmen wie Google oder Facebook entwickeln, wird die Zeit zeigen.

Fürchten Sie, dass es die erfolgreichsten Existenzgründer in die USA zieht?

Deutschland hat gute junge IT-Unternehmen. Gerade wenn sie in der zweiten oder dritten Wachstumsphase sind, stehen oft international agierende Geldgeber parat, um in diese Unternehmen zu investieren oder diese Firmen auch aufkaufen. Unser Ziel ist es deshalb, die Finanzierungsmöglichkeiten von Start-ups weiter zu verbessern, um Unternehmen und Know-how in Deutschland zu halten.

Wird es ein Venture-Capital-Gesetz geben, damit Start-ups mehr Risikokapital erhalten?

Unseren innovativen Start-ups sollte mehr Risikokapital bereitgestellt werden. Hierbei müssen auch die steuerlichen Implikationen berücksichtigt werden.

Was sagt der Finanzminister?

Die Fachreferate im Ministerium führen in der Angelegenheit Gespräche mit unterschiedlichen Akteuren. Auch wird gemeinsam mit der Deutschen Börse geprüft, ob ein neues Börsensegment für Start-ups eingeführt werden sollte.

Wann gibt es Ergebnisse?

Ich hoffe, dass wir vor allem bei den Finanzierungsfragen in einem Jahr vorangekommen sind. Aber wir haben schon heute erste Erfolge vorzuweisen. Zum Beispiel beim Investitionszuschuss Wagniskapital, mit dem Investitionen von Business Angels mit 20 Prozent gefördert werden. Bislang wurden Zuschüsse in Höhe von rund 5,2 Millionen Euro bewilligt und so 25 Millionen Euro an Wagniskapital mobilisiert. Die Förderrichtlinie wird nach Ostern optimiert, um den Anforderungen von Investoren und Startups noch besser gerecht zu werden. Zudem setzen wir uns derzeit für eine Steuerfreistellung des Zuschusses ein.

Sie haben vorhin das Potenzial von Sicherheitssoftware betont. Was tun Sie, um die Wirtschaft nach der NSA-Affäre besser zu schützen?

Wir werben bei der Wirtschaft dafür, ihre IT-Sicherheit zu erhöhen, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die großen deutschen Unternehmen verfügen heute über zahlreiche Sicherungsinstrumente, die die Gefahr verringern, dass ihre Daten angezapft werden. Einige unserer Mittelständler müssen wir jedoch noch für das Thema Daten- und IT-Sicherheit sensibilisieren. Denn: nahezu alle kleinen und mittleren Unternehmen sind im Netz, aber nur die Hälfte sorgt für sichere Software.

Haben Sie selbst nach den Snowden-Enthüllungen Ihr Kommunikationsverhalten verändert?

Alle Ministerien nutzen jetzt für Dienstgeschäfte die sicheren, verschlüsselten Handys. Privat nutze ich einen mittlerweile verschlüsselten Provider. Entsprechende private Angebote gibt es seit kurzem auf dem Markt. Das zeigt: Angebot und Nachfrage haben sich unter anderem auch durch die Snowden-Enthüllungen weiterentwickelt.

Sie fühlen sich also sicher? In Ihrer Position sind Sie ja ein interessantes Ziel.

Zusätzlich zu den technischen Vorkehrungen vermeide ich es inzwischen, bestimmte Angelegenheiten telefonisch zu besprechen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...