Sportindustrie Das große Spiel: Karriere machen bei Adidas und Co.

Sport ist Lifestyle, Spaß und knallhartes Business. Stars der Szene verdienen Millionen. Agenturen, Unternehmen und Vereine setzen Milliarden um - und brauchen dringend Nachwuchs.

G. Lawecki, K. von Elm, S. Hergert, M. Winkelmann | , aktualisiert

Was für eine Aufregung! Und das alles nur wegen Werbung für einen Kräuterlikör. Vor 35 Jahren jedoch reichte das für einen Skandal in der Fußball-Bundesliga. Günter Mast, Geschäftsführer der Firma Jägermeister, versah damals die Trikotbrust der Spieler von Eintracht Braunschweig mit dem bekannten Hirschkopf. In der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sah man das Ende des sauberen, weil unkommerziellen Sports gekommen und protestierte scharf: Keine Werbung! Also gestaltete Mast den Löwen im Braunschweiger Wappen zum Hirsch um. Der DFB zog vor Gericht und musste sich dort endgültig dem cleveren Geschäftsmann geschlagen geben. Trikotwerbung war fortan nicht mehr nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht - als wichtige Einnahmequelle der Vereine.

Die Unternehmen lassen sich dies einiges kosten. Ab 1973 zahlte Jägermeister Eintracht Braunschweig 300000 Mark pro Saison. In der laufenden Spielzeit erhält Bayern München von seinem Hauptsponsor Telekom 20 Millionen Euro. Der Spitzensport ist längst auch Sportbusiness geworden. Die Vereine, Verbände und Unternehmen setzen Milliarden um. Laut Studie "Sponsor Visions 2008" der Hamburger Media-Agentur Pilot lassen deutsche Unternehmen in diesem Super-Sportjahr mit Fußball-EM und Olympischen Sommerspielen 2,9 Milliarden Euro ins Sport-Sponsoring fließen. Absoluter Liebling der Geldgeber ist der Fußball. Doch andere Sportarten sind mittlerweile ebenfalls professionell aufgestellt und vermarktet. Die Athleten stehen im Mittelpunkt, doch der Apparat dahinter ist groß. So facettenreich wie die Branche sind auch die Karrierechancen: Hier geht es darum, die Sportler einzukleiden, ihre Auftritte den Sponsoren und Partnern in der Wirtschaft schmackhaft zu machen, die Veranstaltungen zu organisieren, in den Medien darüber zu berichten oder die juristischen Feinheiten von Verträgen zu klären.

Fußball-EM als Bühne für Unternehmen

Ob Designer, Ingenieure, BWLer, Sportökonomen, Informatiker oder Juristen - im Sportbusiness finden sie ihren Platz. Solche Aussichten locken zahlreiche Bewerber an. Sport ist Hobby, Lifestyle und Spaß. "Damit kann sich fast jeder identifizieren", sagt Thomas Trümper, Mitglied der Geschäftsleitung des Beratungsunternehmens Sport + Markt. "Deshalb ist Sport für Unternehmen auch die ideale Plattform, um sich zu präsentieren." Timo Röbbel kennt das Geschäft. Der 34-Jährige ist Projektleiter Sportsponsoring beim Automobilzulieferer Continental, einem der offiziellen Sponsoren der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz im Juni. Das Turnier ist die Bühne für das Unternehmen, und Röbbel und 13 seiner Kollegen in ganz Europa sorgen für die Geschäftspartner und VIP-Gäste. Sie organisieren die Anreise und den Aufenthalt und planen die Übergabe der Hospitality-Tickets.

Etliche Fans werden Röbbel beneiden, denn wenn die deutsche Mannschaft ihre Vorrundenspiele bestreitet, ist er live im Stadion dabei. "Natürlich freue ich mich darauf, aber in erster Linie muss ich mich um unsere Gäste kümmern." Beim EM-Tipp bleibt Röbbel berufsbedingt neutral: "Wir sind Sponsor der Euro, nicht der DFB-Auswahl. Deshalb hoffe ich zunächst darauf, dass es ein großes europäisches Fest wird." Bei diesem Fest spielen auch die Sportartikelhersteller eine wichtige Rolle. Die Unternehmen stehen gut da, locken mit attraktiven Angeboten. Nils Richter, Personalberater bei Michael Page, bestätigt: "Die großen Sportartikelhersteller sind sichere Arbeitgeber, global aufgestellt, und das Jahr 2008 wird für sie bestimmt erfolgreich verlaufen."

In den kommenden Wochen und Monaten werden sich die Konzerne so richtig in Szene setzen. Vor allem Adidas drängt auf die große Bühne: In Peking rüstet das Unternehmen aus Herzogenaurach 40000 freiwillige Helfer und 18 Olympia-Teams aus. Die EM-Endrunde ist ohne Adidas ebenfalls kaum vorstellbar. Aber auch Puma inszeniert sich groß als Fußballmarke und hat insgesamt fünf der 16 Teams unter Vertrag, darunter die beiden Gastgeber. Beide fränkischen Unternehmen wollen in diesem Jahr jeweils 150 neue Mitarbeiter in Deutschland einstellen. Drei Viertel der Stellen werden von Akademikern besetzt. Bevorzugte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Sport und Sportökonomie sowie (Mode-)Design.

Gute Chancen hat, wer zuvor schon ein Praktikum beim Unternehmen absolviert hat. Adidas bot im vergangenen Jahr mehr als 400 Praktika an. "Unter anderem in den Bereichen Design, Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung, Finanzen und IT", sagt Andreas Lämmlein, Leiter des Hochschulmarketings. Die bezahlten Praktika dauern fünf bis sechs Monate. "Uns ist es wichtig, dass die Leute das tägliche Geschäft kennenlernen und idealerweise auch ihr eigenes Projekt bearbeiten", sagt er. Nach dem Praktikum bei Adidas ist Julia Messing, 24, im Unternehmen geblieben und durchläuft mittlerweile das Traineeprogramm. In ihrer Bachelorarbeit erstellte die studierte Textil-Managerin das Konzept für ein Produktarchiv, das alle Adidas-Artikel aufführt und auf das Designer, Entwicklungsingenieure und die Rechtsabteilung zurückgreifen können. "Trainingsanzüge, T-Shirts - alles ist virtuell, aber auch physisch archiviert", sagt Messing. Businesssprache bei Adidas ist Englisch. Mag der Dax-Konzern auch der Tradition verpflichtet sein und seine Zentrale im beschaulichen Herzogenaurach liegen, gedacht wird international. Kein Wunder, von den weltweit 31300 Mitarbeitern arbeiten lediglich 3200 in Deutschland. Dazu gehört auch, dass die Traineekandidaten eine Auslandsstation absolvieren. Julia Messing hat sich für Tokio entschieden.

Und wer angesichts der Millionengehälter der prominenten Profis auf überdurchschnittliche Gehälter hofft, wird enttäuscht. Denn im Sportbusiness wird - im besten Fall- nur durchschnittlich gezahlt. Experte Till Kraemer schätzt, dass Berufseinsteiger verglichen mit anderen Branchen zehn bis 15 Prozent weniger Gehalt bekommen. Personalberater Nils Richter von Michael Page: "Ein BWLer verdient anfangs in der Sportartikelindustrie zwischen 2500 und 3000 Euro brutto im Monat. Bei Banken, in der Pharma- oder Automobilbranche wird sicher besser bezahlt. Aber die angesagten Arbeitgeber wie Adidas und Puma müssen sich darüber keine Gedanken machen. Es gibt genug Bewerber für die offenen Stellen."

18 Arbeitsstunden am Tag

Conny Mütze, 34, und Stefan Knopp, 29, haben sich, wenngleich nicht in Bayreuth, ebenfalls für Sportökonomie entschieden. Allerdings erst im zweiten Versuch. Die gebürtige Dresdenerin brach ihr BWL-Studium 1997 ab, weil es mit ihrer Arbeit beim Aachener Reitturnier nicht mehr zu vereinbaren war. "Dafür fehlte mir einfach die Zeit." So ganz ohne Abschluss wollte Mütze dann aber doch nicht bleiben. Deshalb absolvierte sie das berufsbegleitende Intensivstudium Sportökonomie an der European Business School in Oestrich-Winkel - eine anstrengende Zeit: "Studium und Beruf unter einen Hut zu bringen, war hart. Mein Arbeitstag hatte manchmal 18 Stunden", sagt Mütze. "Ohne die Unterstützung meines Arbeitgebers hätte ich das nicht geschafft." Auch finanziell war das Studium eine Herausforderung, es kostete rund 10000 Euro. Doch Mütze bereut die Investition nicht. "So habe ich mir ein solides Fundament geschaffen."

Ihr Arbeitskollege Stefan Knopp schmiss sein VWL-Studium an der Universität Bonn und wechselte nach Köln an die DSHS. "Ich wollte auf jeden Fall ins Sportmarketing. Das Studium in Köln erschien mir da sinnvoller." Eine Hoffnung, die nicht enttäuscht wurde. Seit drei Jahren nun hilft er mit, das größte Reitturnier der Welt zu organisieren. Wo auch immer junge Absolventen im Sportbusiness landen, fast alle schwärmen vom kollegialen und entspannten Miteinander. Das sehen auch die beiden Münchener Mirko Janetzke und Lars Grundmeier so. Und während der Medien-Informatiker Janetzke, 26, für die Impire AG neue Fußball-Software entwickelt, arbeitet Grundmeier nach einem Praktikum seit April 2007 als Volontär beim Deutschen Sport Fernsehen (DSF). "Die Atmosphäre hier ist super, und man erlebt viele Sportler hautnah", sagt Grundmeier, der in Paderborn Medienwissenschaften studiert und im Juni seine Diplomarbeit abgibt. Wenn die Themen für die Sendungen "DSF Aktuell" und "Bundesliga Aktuell" besprochen werden, ist er immer hautnah dabei. Eine seiner Aufgaben: Er erstellt die Teaser, also die Einspielfilme, die dem Zuschauer vor und nach den Werbeblöcken Appetit auf die Sendungen machen sollen. "Dafür muss man knackig texten können." Auch als Reporter bei Bundesliga-Spielen war er schon im Einsatz. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt Grundmeier. "Besser konnte es nicht laufen."

Im Porträt: Jobs in der Sportbranche
Arbeiten beim Sportartikelkonzern Adidas, dem SportrechtevermarkterSportfive, dem Mediendienstleister Impire oder beim Aachener Reitturnier

Julia Messing, 24: Das Image des Arbeitgebers hatte Magnetwirkung. "Jung, international und erfolgreich! So habe ich mir das immer vorgestellt, deshalb wollte ich hier arbeiten", sagt Julia Messing. Seit knapp zwei Monaten durchläuft sie beim Sportartikelkonzern Adidas in Herzogenaurach ihr 18-monatiges Traineeprogramm. An der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach hat sie zuvor ihren Bachelor im englischsprachigen Studiengang "Textile and Clothing Management" gemacht. Aktuell untersucht die 24-Jährige, wie sich Schnitte, Farben, Maße und Preise von Sportkleidung weltweit unterscheiden. So kann Adidas seine Produktionsschritte verbessern. In ihrer Freizeit hält sich Messing mit Jogging fit, und dabei trifft sie Arbeitskollegen, die ebenfalls dem Running Club von Adidas beigetreten sind. "Das stärkt den Teamgeist. Ich fühle mich hier sehr wohl."

Rouven Kasper, 26: An die hektische Anfangszeit beim FC Augsburg im Sommer 2006 erinnert sich Rouven Kasper noch gut. "Wir mussten einen neuen Hauptsponsor finden - und hatten sechs Wochen Zeit." Lächerlich wenig, aber Kasper war erfolgreich. Am Ende war der Sportausrüster Jack Wolfskin auf den Trikots des Fußball-Zweitligisten zu sehen. Mittlerweile wirbt ein Finanzdienstleister auf der Brust der Spieler, was ebenfalls Kaspers Verdienst ist. Für den Sportrechtevermarkter Sportfive koordiniert der Sportökonom das Sponsoring des Vereins. Bis Sommer 2009 soll in Augsburg die erste Phase des Stadionneubaus abgeschlossen sein. Dann finden in der Arena 31000 Zuschauer Platz. Die Vermarktung der 1600 Business-Plätze und 49 VIP-Logen übernimmt Kasper. Nur auf die sportlichen Leistungen des Teams hat er natürlich keinen Einfluss. "Das macht den Sport ja so spannend."

Mirko Janetzke, 26: Aus welcher Position schießt Bayern-Stürmer Luca Toni die meisten Tore? Wie viel Prozent seiner Zweikämfe hat Bremens Innenverteidiger Per Mertesacker in dieser Saison gewonnen? Fragen wie diese interessieren nicht nur Fans und Sportjournalisten, sondern vor allem die Bundesliga-Trainer. Antworten bekommen sie bei Mirko Janetzke und seinen Kollegen von der Münchener Impire AG. Der Mediendienstleister mit 150 Mitarbeitern betreibt die größte Fußball-Datenbank Deutschlands. Egal ob Bundesliga, Champions League oder Länderspiel - überall, wo die Profis antreten, ist Impire im Spiel. Scouts erfassen im Stadion sämtliche Aktionen der Spieler und schaffen so einen enormen Datenfundus. Bei der EM im Juni werden alle großen TV-Sender ihre Reporter mit Statistiken und Fakten aus der Impire-Datenbank versorgen und den Zuschauern die taktischen Geheimnisse anhand detaillierter Sendegrafiken und 3D-Animationen erläutern. Derzeit programmiert Bremen-Fan Janetzke eine neue Software zur Darstellung und Auswertung von Positionsdaten: "Damit sieht man schwarz auf weiß, wie viel Laufarbeit ein Spieler wirklich geleistet hat und wie schnell er sich in bestimmten Situationen bewegt." Sein Handwerk hat der 26-jährige Software-Profi an der FH Wedel bei Hamburg erworben, wo er bis September 2007 Medien-Informatik studiert hat.

Stefan Knopp, 29, und Conny Mütze, 34: 300000 Besucher, 500 Aktive, 40 Stunden TV-Berichterstattung und 10,2 Millionen Euro Budget - diese Zahlen haben Conny Mütze und Stefan Knopp stets im Hinterkopf. Gemeinsam mit ihren Kollegen bei der Aachener Reitturnier GmbH organisieren sie den Concours Hippique International Officiel, kurz CHIO, das größte Reitturnier der Welt. Fünf Disziplinen stehen auf dem Programm: Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Vierspännerfahren und Voltigieren. Mütze und Knopp vermarkten das Ereignis und betreuen die Sponsoren. Am 27. Juni fällt der Startschuss für einen zehntägigen Dauereinsatz. Mütze ist zuständig für den gesamten VIP-Bereich und muss sich um das Wohl von 5000 Gästen kümmern - fast rund um die Uhr. "Klar, das ist anstrengend. Aber wer das nicht mit Begeisterung macht, hat in unserer Branche nichts verloren", sagt Mütze. Das geht übrigens auch, ohne ein Pferdenarr zu sein. "Ich finde die Tiere ästhetisch, aber nach Reitstunden habe ich kein Verlangen", sagt die gebürtige Dresdnerin.

Kostenlos bestellen

Vizeweltmeister und Champions-League-Sieger: 16 Spitzenspieler berichten über ihre Wege zum Erfolg. Leser der Jungen Karriere bekommen die CD "11 Gesetze der Motivation - Was Sie vom Profi-Fußball lernen können" kostenlos (Auslieferung solange der Vorrat reicht) zugeschickt. Fordern Sie die CD per Fax (0211.887-3643), per Mail (karriere.vertriebsservice@vhb.de) oder unter der Telefonnummer 01805.990030 (14 Cent/Minute aus dt. Festnetz) an. Die gesamte vierteilige Hörbuchreihe können Sie bestellen unter www.karriere.de/shop

Christian Kortmann, 29, ist bereits in Asien, genauer: in Schanghai. Dort sitzt er seit zwei Wochen im Büro der Münchener Agentur Avantgarde und plant Werbe- und Promotionveranstaltungen für Nike, den Weltmarktführer und schärfsten Rivalen von Adidas. Auch der US-Konzern will sich in Peking der Weltöffentlichkeit von seiner besten Seite präsentieren. Kortmann hat an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Ökonomie und Management studiert und arbeitet seit vier Jahren für Avantgarde. "Im vergangenen Sommer habe ich mit meinen Chefs darüber gesprochen, dass ich mich beruflich verändern möchte", sagt Christian Kortmann. "Als dann das Angebot kam, nach China zu gehen, habe ich nicht lange gezögert." Beim Großereignis Olympia wollte er auf jeden Fall dabei sein. Dass der Job stressig und sehr zeitintensiv wird, kalkuliert er gerne ein.

Über Hertha BSC zum FC Augsburg

Das ist, unabhängig von Olympischen Spielen, keine Seltenheit im Sportbusiness. "Wer mitspielen möchte, muss die teilweise gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten akzeptieren. Die Veranstaltungen oder Spiele finden zumeist abends oder am Wochenende statt", sagt Till Kraemer von der Personalvermittlungsagentur Sport-Job. Rouven Kasper hat damit keine Probleme. Er betreut für den Sportrechtevermarkter Sportfive die Sponsoren beim Fußball-Zweitligisten FC Augsburg und ist bei jedem Heimspiel des Klubs im Einsatz - meist sonntags. Der 26-Jährige hat zudem das, was Marktexperte Kraemer Stallgeruch nennt: Er hat als Student viele Praktika absolviert und wichtige Kontakte geknüpft. Während er in der Marketingabteilung von Hertha BSC hospitierte, lernte er etwa Olaf Bauer kennen, der ihm wiederum zum Praktikum bei Sportfive, seinem heutigen Arbeitgeber, verhalf.

Die Agentur, die 2001 aus einer Fusion von Ufa Sports mit zwei französischen Agenturen entstand, seit 2006 zum Konzern Lagardère gehört und sich am Markt mit Konkurrenten wie IMG und Infront misst, beschäftigt derzeit 250 Mitarbeiter in Deutschland. Aktuell vermarktet das Unternehmen acht Fußball-Erstligisten - darunter den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und Borussia Dortmund - sowie die Zweitliga-Teams in Kaiserslautern und Augsburg. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Gesucht werden pro Jahr 30 bis 40 neue Mitarbeiter, nicht zuletzt deshalb, weil Sportfive sich neben dem Kerngeschäft Fußball verstärkt auch im Rugby und im Handball engagiert. Handball gilt spätestens seit dem WM-Triumph der deutschen Mannschaft Anfang 2007 als neues Schwergewicht in der Sportvermarktung.

Neben dem Marketing kümmert sich Sportfive auch um rechtliche Fragen. Hier kommt Till Johannsen, 31, ins Spiel. Der Jurist ist für die Verträge beim Ein- und Verkauf der Rechte zuständig. Eine spannendere Aufgabe kann sich HSV-Fan Johannsen gar nicht vorstellen. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, bleibt der Job nicht ohne Folgen: "Ich gucke mir Bundesligaspiele in der Sportschau schon mit anderen Augen als früher an. Schließlich kenne ich viele Kunden und achte deshalb besonders darauf, wie deren Banden- oder Trikotwerbung zur Geltung kommt." Straf- oder Zivilrecht dagegen hat ihn nie interessiert. "Ich wollte immer in die Wirtschaft. Dass ich Job und private Interessen verknüpfen kann, ist ideal", sagt Johannsen.

Junge Studiengänge

Die Verbindung von Sport und Wirtschaft ist heute selbstverständlich. Tatsächlich aber sind Studiengänge wie Sportökonomie und Sportmanagement vergleichsweise jung. Als erste deutsche Universität bot Bayreuth Sportökonomie 1985 an. 70 Studenten setzten sich damals in die Vorlesungen, etwas unsicher, was auf sie zukommen würde. "Wir haben die Idee des Sportmanagement-Studiums aus den USA übernommen. In den 80er-Jahren wurde Sport endgültig zum Werbemedium für die Unternehmen. Das Bedürfnis nach einer adäquaten Ausbildung war groß, und darauf haben wir reagiert", erzählt Professor Herbert Woratschek. Das Studium in Bayreuth umfasst drei Bereiche: Wirtschaft, Sport und Recht. "Unser Drei-Säulen-Konzept ist hierzulande einzigartig", sagt Woratschek und verweist auf die große Nachfrage aus der Wirtschaft.

Die Absolventen aus Bayreuth stehen hoch im Kurs. Das Alumni-Netzwerk der "Spökos" tut sein Übriges, um Kontakte zu den Unternehmen, Vereinen und Verbänden herzustellen. 70 Studienplätze werden jährlich neu besetzt. Die Zahl der Bewerber, die neben guten Abi-Noten auch eine überzeugende Eignungsprüfung hinlegen sollten, liegt regelmäßig bei 400 bis 500. Anders als in Bayreuth sind in Köln-Marsdorf vor allem technische Fähigkeiten gefragt. Toyota entwickelt hier seine Formel-1-Fahrzeuge und beschäftigt dazu 650 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Neue Stellen sind geplant, vor allem Ingenieure haben gute Chancen, sagt Personalleiter Rob Leupen. "Es handelt sich um Aufgaben in der Fahrzeugentwicklung und Konstruktion sowie in der Aerodynamik. Im Vordergrund steht die Entwicklung von Hochleistungskomponenten für unser Formel-1-Fahrzeug." Zum Einsatz kommen die Ingenieure auch an den Teststrecken in Südeuropa.

Jobs wie bei Toyota sind verlockend und scheinen Glamour zu versprechen. Doch den Traumjob findet nicht jeder Absolvent. "Man kann von einer Zweiklassengesellschaft sprechen", sagt Ulrich Semblat. Er ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes für Sportökonomie und Sportmanagement in Deutschland (VSD) und beobachtet den Markt seit vielen Jahren. "Die Stellen bei den großen Unternehmen und Profi-Klubs sind natürlich heiß begehrt. Aber Positionen bei kleineren Vereinen bleiben schon mal länger unbesetzt", sagt Semblat. "Das erscheint vielen Sportmanagern nicht so attraktiv."

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...