Spezial Elektrotechnik: Forschen für die Zukunft

Elektrotechniker fehlen, vor allem in der Medizin- und in der Energietechnik. Trotzdem: Eingestellt wird nicht jeder. Wer keine sozialen Kompetenzen oder einschlägige Praktika nachweisen kann, hat bei Personalern kaum Chancen.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Ende September wird es spannend für Thorsten Böhle. Dann schließt er eines seiner Projekte ab, mit dem er sich seit gut anderthalb Jahren beschäftigt hat. Zusammen mit Kollegen hat der junge Ingenieur für seinen Arbeitgeber, das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun im hessischen Melsungen, eine neue Software entwickelt. Diese überwacht Produktionsanlagen, erfasst und dokumentiert deren Arbeit und visualisiert den aktuellen Zustand der Anlage. "Das hört sich zunächst nicht spektakulär an, ist aber ein sehr großes Projekt", erklärt der studierte Elektrotechniker. "Damit lässt sich zum Beispiel sehr schnell und direkt von den Arbeitern an der Maschine feststellen, warum es hapert und was zu tun ist. Und wenn dadurch die Produktion schneller wieder anläuft, erhöht das die Wirtschaftlichkeit enorm", erklärt er mit ein bisschen Stolz in der Stimme.

26 Jahre ist Thorsten Böhle gerade mal alt, trotzdem zählt er zu den erfahrenen Kollegen des Unternehmens. Acht Jahre ist er schon bei B. Braun und hat an mehreren Projekten mitgearbeitet. Sein Einstieg gelang ihm 2001 durch ein sogenanntes "Studium im Praxisverbund", in seinem Fall ein zwölfsemestriges E-Technik-Studium an der Universität Kassel in Kombination mit einer dreijährigen Ausbildung zum Industrieelektroniker. Als Azubi betätigte sich der Nachwuchsingenieur vor allem in seinen Semesterferien, dazu kamen aber auch Besuche der Abendschule nach der Arbeit und Unterricht am Wochenende. Das intensive Bildungspaket sponserte sein Arbeitgeber mit monatlich knapp 1000 Euro. Es war eine anstrengende Zeit, sagt Böhle. Dafür hat sie ihm sehr früh berufsrelevante Erfahrungen gebracht. "Ich konnte frühzeitig lernen, das theoretische Know-how von der Universität auf konkrete Problemstellungen in der Praxis anzuwenden", sagt er.

Vor zwei Jahren hat er das Studium beendet und ist seitdem bei B. Braun im Geschäftsbereich Global Technical Services als Projektingenieur für Automatisierungstechnik zuständig. "Wir machen Prozesse effizienter und helfen, Kosten zu senken", sagt er. "Denn um im globalen Wettbewerb mithalten zu können, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als weiter zu automatisieren." So sehen das auch der Verband der Elektrotechniker und der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (VDE und ZVEI). Sie haben die Automatisierung jeweils ganz oben auf die Liste ihrer zukunftsträchtigen Bereiche für die Wirtschaft und für Elektroingenieure gesetzt.

Gesundheits- und Medizintechnik sind besonders wachstumsstark

Im vergangenen, von der Wirtschaftskrise schon beeinträchtigten Jahr konnte dieser Bereich immerhin ein Umsatzplus von acht Prozent erzielen. Damit war die Automatisierung der Spitzenreiter noch vor der Energietechnik mit sieben Prozent. Bis 2020, so prognostizierte der ZVEI jüngst, werde die Automation ein Marktvolumen von 84 Milliarden Euro erreichen - Primus unter den Elektroleitmärkten insgesamt.

Als besonders wachstumsstark schätzen Experten den Teilbereich Gesundheit und Medizintechnik ein. Trotz Krise erwartet man hier bis 2020 eine Verdreifachung des Umsatzes. Erst kürzlich kündigte General Electric an, dass man bis 2015 weltweit sechs Milliarden Dollar in das Thema Gesundheit und in den Ausbau seiner entsprechenden Töchter wie GE Health investieren wolle - von der Forschung über neue Produkte und Dienstleistungen bis hin zu einer entsprechenden neuen IT-Infrastruktur. Auch wenn keine konkreten Beschäftigungszahlen bekanntgegeben wurden, ist das doch ein deutliches Signal für die künftige Marschrichtung des Konzerns.

Thorsten Böhles Spezialisierung, die Automatisierung in einem Medizintechnikunternehmen, wird also in Zukunft gefragt sein. Aber auch andere Felder bieten Chancen. So etwa der Energiesektor - bevorzugt bei den regenerativen Varianten wie der Photovoltaik - und die Informationstechnik unter dem Stichwort Embedded Systems. Das ist die Verbindung von Hard- und Software in technischen, oft alltäglichen Geräten. Gute Perspektiven gibt es außerdem für E-Techniker im Fahrzeugbau, speziell wenn es um elektrische Antriebe und Hybridtechniken geht.

Alexandra Christ, Personalberaterin beim Recruitingdienstleister Access Kelly-OCG, sagt: "Unterm Strich besteht für junge Elektroingenieure derzeit kein großer Grund zur Panik. Das Gros wird nur ein bisschen mehr Geduld bei der Jobsuche brauchen und vielleicht zwei, drei Bewerbungen mehr schreiben müssen." Den Arbeitsmarkt für E-Ingenieure habe die Wirtschaftskrise längst nicht so schlimm erwischt wie andere Branchen, auch wenn die aktuelle Adecco-Stellenauswertung für die ersten vier Monate des Jahres 2009 einen anderen Eindruck hinterlässt.

Weniger öffentliche Stellenausschreibungen

Im Vergleich zum - sehr guten - Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Jobinserate in vielen Bereichen deutlich abgesackt. Mehr Suchanzeigen als im Vorjahr schalteten nur staatliche Institutionen und Hochschulen, die Versorgungsunternehmen und die Transport- und Logistikbranche. Der Rest schreibt deutlich weniger Stellen öffentlich aus. "Das darf man aber nicht überbewerten", sagt Michael Schanz. Er ist beim VDE für den Ausschuss Ingenieurausbildung verantwortlich. "Die Unternehmen suchen nach wie vor qualifizierten Nachwuchs - wenn vielleicht auch etwas verhaltener -, posaunen das aber nicht so heraus. Ich kann nicht auf der einen Seite über Sozialpläne für gekündigte Mitarbeiter verhandeln und auf der anderen Seite fleißig Anzeigen schalten. Das ist kein guter Stil." Die aktuelle Arbeitslosenquote unter Elektroingenieuren sei mit 2,1 Prozent die niedrigste unter allen Ingenieuren. Und selbst in Boomzeiten war sie mit 1,7 Prozent kaum niedriger. "Die Krise", so Schanz, "hat die gute Lage also kaum verschlechtert."

Mittel- bis langfristig erwarten die Arbeitsmarktexperten ohnehin hervorragende Perspektiven für gut ausgebildete E-Technik-Absolventen und verweisen auf OECD-Studien, nach denen bald nur jeder dritte aus Altersgründen ausscheidende Ingenieur ersetzt werden kann, weil es nicht genügend Nachwuchs gibt. Von der Besetzung neuer Stellen mal ganz zu schweigen. Die nach wie vor große Nachfrage schlägt sich in den stattlichen Gehältern für E-Technik-Absolventen nieder, die im Schnitt mit 42000 Euro rechnen können. "Besonders bei den großen Unternehmen sind die Einstiegsgehälter in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, während sie bei den Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern stagnierten", bilanziert Tim Böger. Er ist Geschäftsführer beim Vergütungsspezialisten Personalmarkt. Ein nennenswerter Gehaltseinbruch wegen der Wirtschaftskrise scheint unwahrscheinlich.

Immer häufiger gefragt: Auslandserfahrung!

Und trotzdem: Die entwarnenden Worte der Jobexperten bedeuten nicht, dass es derzeit keine arbeitslosen Elektroingenieure gibt und dass Absolventen immer ihren Wunschjob an der nächsten Ecke finden. Denn die Ansprüche an junge Ingenieure sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Die Arbeitgeber verlangen ein schnelles Studium, gute Noten, relevante Praktika und immer häufiger Auslandserfahrung . Zwar waren sie bislang oft auch zu Zugeständnissen bereit angesichts des Mangels von qualifizierten Bewerbern. "Trotzdem sollte man den allgemeinen klassischen Anforderungen nachkommen, wenn man sich die Auswahl unter den großen, namhaften Unternehmen nicht verbauen will", empfiehlt Unternehmens- und Personalberater Heiko Mell den Studierenden.

Und die aktuelle Krise spielt den Unternehmen in die Hände, da sie nicht mehr so verzweifelt suchen wie im Vorjahr und sich mehr Zeit für die Auswahl nehmen. Der Druck, sich schnell entscheiden zu müssen, hat nachgelassen. Die Personalabteilungen sieben deutlich mehr. Dass Fachwissen allein auf der Karriereleiter nicht mehr voranbringt, lässt sich schon daraus folgern, was Automatisierungsingenieur Thorsten Böhle von seinen Aufgaben berichtet. "Da wir innerhalb von B.Braun interne Dienstleister sind, haben wir viele Workshops mit Kollegen aus dem Haus, initiieren Projekte, stellen sie vor, schreiben Angebote, kalkulieren Kosten, stimmen uns bei der Entwicklung der Software ständig mit dem Kunden und im Team ab und übernehmen das Projektmanagement." Vom üblichen Klischee - alleine vorm Rechner sitzen und vor sich hin programmieren - sei sein Alltag weit entfernt.

Auch die Fähigkeit, international und interkulturell zu arbeiten, spiele eine immer größere Rolle, sagen Jobexperten. Thorsten Böhle bestätigt das. In einem seiner Projekte, an dem Kollegen aus Vertretungen zahlreicher Nationen beteiligt waren, ging es um den Aufbau eines konzernweit geltenden Dokumentenkontrollsystems. Durch die neue Systematik werden elektronische Dokumente jetzt weltweit einheitlich gekennzeichnet - das lichtet den bisherigen Dokumentendschungel. "Neben guten Englischkenntnissen brauche ich Fingerspitzengefühl für die einzelnen Nationen, wenn ich die Kollegen rund um den Globus per Videokonferenz oder vor Ort zur neuen Software schulen muss."

Die Multikulti-Kompatibilität lassen sich Unternehmen gerne durch Auslandssemester oder -praktika nachweisen. Doch nur wenige Ingenieure in spe brechen tatsächlich schon während ihres Studiums auf. Nach einer aktuellen Studie des Hochschul-Informations-Systems und dem VDI, bei der Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2005 befragt wurden, hatten über 70 Prozent noch keinerlei Auslandserfahrung gesammelt. Im Umkehrschluss lässt sich daher wohl immer noch folgern: Wer Auslandserfahrung mitbringt, fällt positiv auf - und gleicht damit möglicherweise sogar bescheidenere Noten aus.

Soziale Kompetenzen sind Vorraussetzung

Der fehlende Nachweis sozialer Kompetenzen, zum Beispiel durch besonderes, außeruniversitäres Engagement wie der Teilnahme an Mannschaftssportarten oder an speziellen persönlichkeitsbildenden Seminaren, lässt sich dagegen nur schlecht kompensieren. Denn darauf legen Arbeitgeber wegen des globalisierten Geschäfts verstärkt Wert bei der Mitarbeiterauswahl. Das weiß auch Melanie Hau, Wissenschaftlerin am Iset-Institut in Kassel, aus eigener Erfahrung. Die Energiesystemtechnikerin rät Studierenden dringend, sich nicht nur auf das technische Know-how zu konzentrieren, sondern neben Sprachen auch soziale Kompetenzen wie etwa Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit zu trainieren.

Bewerber, die weder gute Praktika, Noten und Auslandserfahrung noch gesuchte Spezialisierungen mitbringen, gehören zu denen, die auch in der aktuellen Situation keine Anstellung finden - Ingenieurmangel hin oder her. Solche Kandidaten, meint Beraterin Petra Hausmann von Access Kelly-OCG, könnten die Krise mit einem zusätzlichen Masterstudium, einer praxisrelevanten Promotion oder einem jobtauglichen Auslandspraktikum inklusive Sprachtraining überbrücken, um in der nächsten Bewerbungsrunde bessere Chancen zu haben.

E-Technik-Kandidaten, deren Spezialisierung momentan wenig gefragt ist, wie etwa weite Teile des Fahrzeug- und Maschinenbaus, rät Antje Schäfer, Personalerin beim Ingenieurdienstleister Ferchau, eine Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten zu machen und sich zu fragen, ob diese nicht in alternativen Bereichen einsetzbar sein könnten. "Wer Antriebstechnik fürs Auto macht und hier keinen Job findet, wäre gut beraten, es mal bei Herstellern im Schienenfahrzeugbereich oder in der Luft-, Raum- und Seefahrt zu versuchen. Es gibt viele Fortbewegungsmittel, in denen Antriebe gebraucht werden." Um diese durchaus vorhandenen Spielräume zu nutzen, dürften Ingenieure sich aber nicht auf ein Thema, eine Branche oder einen Standort fixieren, sagt sie.

Klassischerweise landet das Gros der Elektroingenieure in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen oder, wie Melanie Hau, als Wissenschaftler in Universitäten oder uninahen Instituten. Jeder vierte Absolvent beginnt im Vertrieb. Studierende, die einen Einstieg in Forschung und Entwicklung planen, tun gut daran, auf einen forschungsnahen Master zu setzen, empfiehlt Michael Schanz vom VDE. Wegen der unterschiedlichen Studienlänge würden die sechs Semester dauernden Uni-Bachelors von den Unternehmen niedriger bewertet als der FH-Bachelor, der ein Semester länger studiert. Uni-Absolventen sollten deshalb auf jeden Fall zusätzlich noch einen Master draufsatteln, um dieses Manko auszugleichen. "Sonst haben sie nichts Halbes und nichts Ganzes."

Wer den Jobstart gleich nach dem Bachelor plant, findet, so Car Finnern, Personalberater für Ingenieure bei der Unternehmensberatung Odgers Berndtson, mittlerweile zwar auch schon entsprechende Einstiegsprogramme in der Industrie. Meist wird aber von den Absolventen erwartet, dass sie später noch einen Master machen oder sich anders weiterentwickeln. Insgesamt, konstatieren viele Jobexperten, seien die Unternehmen - zumindest viele kleine und mittlere - bei der Frage nach dem Master und Bachelor bei den Ingenieuren nach wie vor verunsichert. Sie wissen nicht, wie sie die Bewerber einschätzen sollen.

Die Spezialisierung darf nicht zu spitz ausfallen

Zur Verwirrung aller Beteiligten trägt auch die herrschende Fächervielfalt bei. "Allein die Elektrotechnik hat 220 Spezialstudiengänge", sagt Personalberater Finnern. Das ist zwar ideal für alle, die sich auf ihr Lieblingsfach spezialisieren und in einer Nische unterkommen wollen. Melanie Hau ist ein Beispiel dafür. Sie fokussierte sich mit ihrem Studium Energiesystemtechnik vom Start weg auf dieses Thema und arbeitet mittlerweile in ihrem Wunschbereich der regenerativen Energien, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Fatal ist es allerdings, wenn die Spezialisierung zu spitz ausfällt und der Arbeitsmarkt für Bewerber dadurch sehr klein wird. Berufseinsteiger nehmen sich so die Möglichkeit, nach rechts und links auszuweichen.

Deshalb sehen die Ingenieurverbände eine zu frühe und zu starke Spezialisierung mit Sorge. Michael Schanz rät eher zu einem Studium, "das breit ausbildet und dem Nachwuchs das Methodenwissen und die Modelle beibringt. Wenn man das draufhat, kann man es später auch in benachbarten Bereichen einsetzen." Nach drei, vier Semestern wäre man dann bereit für eine Vertiefung, am besten sogar erst im Master-Studium. Alternativ lässt sich aber auch mit gezielten Praktika eine Spezialisierung hinbekommen.

Die Frage der Spezialisierung stellt sich später erneut, bei der Jobwahl und Karrieregestaltung. Wie spitz soll's denn sein? Personalberater Heiko Mell empfiehlt allen, die sich für eine Karriere als Führungskraft interessieren, eher generalistisch zu bleiben, während sich Kandidaten für eine Fachlaufbahn auf ein Spezialgebiet fokussieren sollten. Einer, der sich bewusst gegen eine Spezialisierung und die Fachkarriere als Wissenschaftler entschieden hat, ist Florian Krüger. Zu einseitig, zu langatmig, zu fokussiert, befand der Oberhausener. Stattdessen ist er Patentanwalt geworden und bildet jetzt die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Da Patentanwälte zunächst ein ingenieur- oder naturwissenschaftliches Hochschulstudium abschließen und erst dann noch eine recht aufwendige juristische Zusatzausbildung absolvieren - bei Krüger dauerte die Ausbildung insgesamt zehn Jahre -, sind sie eine sehr gesuchte Spezies auf dem Arbeitsmarkt.

Das gilt für die Elektrotechniker unter ihnen ganz besonders, wie Angela Burghold sagt. Sie ist Prinzipalin beim Juristen-Headhunter Ising International Consulting. "Die werden überall mit Kusshand genommen, weil der Anteil an elektronischen Komponenten in einem technischen Produkt und somit die Bedeutung der Elektrotechnik immer weiter steigt." Und die E-Techniker, die Maschinenflüsterer unter den Ingenieuren, kennen sich mit diesem Innenleben ja bestens aus.

Kontakte knüpfen: Messetermine für Ingenieure

Fachmesse Elektrotechnik: 2.-5. September in Dortmund, Info: www.westfalenhallen.de/messen/elektrotechnik

Worldcongress Medical Physics and Biomedical Engineering: 7.-12. September in München, Info: www.wc2009.org

Mikrosystemtechnik-Kongress MST: (inklusive YoungNet Convention des VDE) 11.-12. Oktober in Berlin, Info: www.mikrosystemtechnik-kongress.de

Internationaler Energietechnik-Kongress ETG: (inklusive Junges Forum 2009 des VDE) 27.-28. Oktober in Düsseldorf, Info: www.duesseldorfcongress.de

Productronica: 2009 10.-13. November in München, Info: www.productronica.com

Fachmessen Medica und Compamed: 18.-21. November (Compamed nur bis 20.11.) in Düsseldorf, Info: www.medica.de

PORTRÄT: Die Strom-Reglerin

Forscherin Melanie Hau geht der Frage nach, wo unser Strom in Zukunft herkommt. Eine ihrer Lösungen: aus den Tiefen der Meere. Melanie Hau konzipiert elektrische Regelungen für Turbinen. Das klingt langweilig, ist aber ganz nah dran an den Technologietrends der Zukunft. Denn die studierte Energiesystemtechnikerin entwickelt am Institut für solare Energieversorgungstechnik (ISET) neben Regelungen für Windenergieanlagen auch solche für die futuristischen Turbinen, die auf dem Meeresboden die Strömung des Wassers zur Energiegewinnung nutzen.

Davon gibt es erst ganz wenige Prototypen an der englischen Küste und im Mittelmeer. Für eine Meeresströmungsturbine in der Straße von Messina musste Hau zum Beispiel sicherstellen, dass die vom ISET entwickelten Steuerungsprogramme zum Anfahren und Stoppen des Systems auf der in der Turbine eingesetzten Hardware überhaupt laufen.

Eines ihrer weiteren Arbeitsgebiete ist die Regelungstechnik zur Netzintegration von Windparks: "Stellen Sie sich vor, Sie wären der Betreiber eines großen Parks aus Windenergieanlagen oder Meeresströmungsturbinen, und der Netzbetreiber, der Ihren Strom abnimmt, stellt gewisse Anforderungen an die Spannung oder an die Gleichmäßigkeit Ihrer Lieferung", erklärt Melanie Hau, "ich entwickle dazu Modelle und Strategien, die einzelnen Anlagen so zu regeln, dass die Vorgaben des Stromnetzbetreibers erfüllt sind."

Ihr Herz an die Naturwissenschaften hat die gebürtige Schweinfurterin schon vor ihrem Abi verloren: "Daran schätze ich die Eindeutigkeit der Ergebnisse." Ihr Wunsch, im Sektor der regenerativen Energien zu arbeiten, führte zu einem Studium der Energiesystemtechnik, einen Teilbereich der Elektrotechnik, an der TU Clausthal. Der Jobeinstieg nach dem Diplom bei einem Forschungsinstitut war ebenso bewusst gewählt: "Am ISET kann ich mich gut in die theoretischen Grundlagen einarbeiten, in Unternehmen bleibt dafür wahrscheinlich kaum Zeit. Gleichzeitig wird am ISET sehr anwendungsbezogen und auf keinen Fall für die Schublade geforscht."

Seit etwa drei Jahren ist die 29-Jährige am ISET tätig. Sie schätzt sehr, dass der Ableger der Uni Kassel an vielen verschiedenen zukunftsweisenden Energiethemen wie Wind- und Meeresenergie, Biogas und Photovoltaik, Hybridsysteme sowie Batteriespeichertechnik arbeitet. Die Industrie engagiert das Institut immer wieder für unterschiedliche nationale, aber auch für internationale Projekte.

Dass Melanie Hau neben Englisch auch Französisch und Spanisch beherrscht, kommt ihr für die Verständigung in den wechselnd besetzten Teams zugute, auch wenn Dienstreisen selten auf ihrem Programm stehen. Das Gros der Kommunikation läuft übers Internet und Telefon. Melanie Hau entwickelt Regelungen für Windenergieanlagen und für futuristische Turbinen, die Meeresströme zur Energiegewinnung nutzen.

PORTRÄT: Dolmetscher der Erfinder

Patentanwalt Florian Krüger hat sich zehn Jahre lang ausbilden lassen. Jetzt schützt er das geistige Eigentum seiner Ingenieurkollegen. Ach, dann haben sie doch sicher Jura studiert?" Diese Frage bekommt Florian Krüger immer wieder zu hören, wenn in einer Runde die Rede auf seinen Beruf kommt. Patentanwalt - klar, muss Jurist sein. Dass man mit dem Studium der Rechtwissenschaft allein niemals Patentanwalt werden kann, sondern einen Ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Universitätsabschluss benötigt, verblüfft die meisten. Ebenso, dass Krüger also Ingenieur der Elektrotechnik ist.

Sein Diplom hat er 2003 an der Ruhr-Uni Bochum gemacht und ist seit zwei Jahren - nach der vorgeschriebenen fast vierjährigen juristischen Zusatzausbildung - als Patentanwalt in der Kölner Patentanwaltskanzlei von Kreisler, Selting, Werner beschäftigt. Er ist zugelassen für deutsches und europäisches Patentrecht, Markenrecht und Designschutz und betreut Erfindungen aus allen technischen Bereichen, insbesondere Elektrotechnik, Maschinenbau, Hochfrequenz- und Medizintechnik, Akustik und Software.

Auf seinem Schreibtisch landen Erfindungen aller Art: "Das reicht von der Hausfrau, der beim Staubwischen eine Idee für einen besonderen Staubwedel kommt, bis hin zu hochspezialisierten High-Tech-Lösungen für die Industrie", sagt der 33-Jährige. "Wir vertreten aber auch Firmen aus Übersee, die in Europa Patentschutz erlangen möchten." Seine Hauptaufgabe ist es, sich von den Erfindern ihre Entwicklung haarklein erläutern zu lassen und - gewissermaßen als Übersetzer zwischen Wissenschaft und Patentwelt - den Kern herauszuschälen. Dieser wird dann nach international gebräuchlichen Formulierungsstandards in Worte gekleidet und schließlich beim deutschen oder europäischen Patentamt eingereicht. Ist ein Patent erteilt, gilt es, die Rechte des Mandanten gegen eventuelle Nachahmer durchzusetzen oder den Mandanten in Patentverletzungsprozessen zu vertreten.

Ein kommunikativer und abwechslungsreicher Beruf, wie der Ingenieur sagt. "Ich bin regelmäßig in Gesprächen und Verhandlungen, mit Erfindern, Patentprüfern, Gerichten und Patentabteilungen der Unternehmen." Der gebürtige Oberhausener verbringt aber auch viel Zeit mit dem Wälzen von technischen Dokumentationen und Patentliteratur. "Die spannenden Details, das Besondere einer Erfindung muss ich mir erst aus all den Unterlagen erschließen. Das ist keine Lyrik. Für so etwas muss man sich begeistern können."

Trotz aller Schriftsätze und Amtstermine fühlt sich Krüger deshalb mehr als Ingenieur denn als Jurist. "Entscheidend ist, dass ich mich mit technischen Ideen auseinander setze und sie verstehe. Das Juristische ist dabei eher Handwerkszeug." Auf den Beruf ist er gekommen, weil auch sein Bruder Patentanwalt ist. Normalerweise kennen junge Ingenieure diese Karriereschiene gar nicht. "Und es liegt auch nicht jedem, nach sechs Jahren Studium und einem Jahr Berufspraxis noch mal quasi bei null anzufangen und sich für weitere vier Jahre Ausbildung zu motivieren." Die meisten Ingenieure wollen nach dem Diplom endlich in den Job, Geld verdienen - und an eigenen Projekten arbeiten.

"Dass ich selbst nicht technisch kreativ arbeite, ist der Preis, den ich für die Vielfalt meines Berufs zahle", sagt der junge Anwalt. Unglücklich wirkt er dabei allerdings nicht. "Ich habe bei General Electric in den USA ein Jahr in der Ultraschallforschung gearbeitet. Ein spannendes Gebiet, aber jahrelange Entwicklungsprojekte und die dafür nötige Spezialisierung sind nichts für mich. Und ich arbeite lieber eigenverantwortlich und selbstständig." Und als Partner in der Kanzlei ist Florian Krüger Mitunternehmer - mit allen Risiken und allen Chancen. Elektroingenieur Florian Krüger hat sich nach seinem Diplom noch mal vier Jahre zum Patentanwalt fortgebildet.

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