Soziale Netzwerke Reputationsmanager schützen den Ruf im Netz

Im Internet kann so manche persönliche Information stehen, die der Arbeitgeber oder Geschäftspartner lieber nicht sehen sollte. Wie man sich besser schützen kann.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: alphaspirit/ Fotolia.com
 
Ist der Ruf erst ruiniert...

Persönliche Äußerungen im Internet mit Bezug zum Beruf können ganz schnell fatal wirken. Für Vorgesetzte und Personalabteilungen sind unvorsichtige Posts missliebiger Mitarbeiter ein gefundenes Fressen. Wer hinausposaunt, dass er jetzt in Urlaub fährt, nachdem er gerade einen Krankenschein abgegeben hat, kann dafür fristlos entlassen werden.

Die Webseite weknowwhatyouredoing.com fischt solche Faux Pas gezielt aus Facebook-Nachrichten – allerdings ohne Nachnamen.

Mit diesem "Experiment" will Seitenbetreiber Callum Haywood die Betroffenen aufrütteln: "… and we think, you should stop!" steht unter den Beispielen, verbunden mit dem Rat: "Wenn Du hier Posts von dir siehst und sie entfernen willst, lösche sie erst bei Facebook, dann werden sie hier nicht mehr erscheinen (nach etwa einer Stunde), oder kontaktiere mich, um jeden Post von Dir zu blockieren."
 
Einstellungen bei Facebook kontrollieren

Was Haywood tut, ist weder illegal noch besonders schwierig, es kann im Grunde auch jeder Personaler tun: Er greift auf Facebooks frei zugänglichen "Graph API" zu. Das ist die Verbindung von angemeldeten Facebook-Nutzern untereinander und mit den Dingen (Bildern, Videos, Artikeln), die sie teilen wollen.
 
Er verbindet aber auch Facebook mit der Außenwelt, vor allem mit Hilfe der Like-Box, die dafür sorgt, dass jeder Nutzer, der sie auf einer angeschlossenen Website anklickt, dort andere, vor allem befreundete Nutzer mit seinem Foto begrüßt. Über den Graph API sind Facebook-Einträge, die als "öffentlich" gekennzeichnet sind, auch von Nichtfreunden auffindbar.


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Haywood, ein 18-jähriger Programmierer, rät auf seiner Seite daher: "Stelle sicher, dass Deine Privatsphäreeinstellungen bei Facebook ausreichend sind. Veröffentliche zum Beispiel keine Statusmeldungen mit möglicherweise riskantem Material als 'öffentlich', weil sie dann mit großer Wahrscheinlichkeit im Graph API erscheinen."
 
Das Problem, so Haywood liege nicht bei Facebook selbst. "Wenn sie richtig genutzt werden, funktionieren die Privatheitskontrollen sehr gut", schreibt er. Das Problem sei vielmehr, dass die Leute einfach nicht die Risiken verstehen, wenn sie alles mit dem Rest der Welt teilen.

Während man es bei Facebook-Einträgen selbst in der Hand hat, peinliche Informationen zu löschen, wird es deutlich schwieriger und vor allem teuer, wenn die rufschädigenden Details auf anderen Seiten erscheinen. "Einfach löschen geht da meist nicht", sagt Jannis Ritterspach, Geschäftsführer der Xava media GmbH.

Web-Killer und Revolvermänner

Sie betreibt die Website reputation-manager.de. Ihre Dienstleistung besteht zum einen darin, die Treffer in Google und anderen Suchmaschinen so zu verändern, dass positive Dinge zuerst erscheinen. "Aber so eine Suchmaschinenoptimierung ist sehr aufwendig und kostet viel Geld. Das kommt für normale Arbeitnehmer kaum in Frage", sagt Ritterpach.

Seine Kunden sind vor allem Unternehmen oder auch schon mal vermögende Privatpersonen. Zum anderen versuchen die Reputationsdienstleister mit martialischen Namen wie revolvermaenner.com oder marketing-constructor.de unliebsame Einträge löschen zu lassen.
 


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"Unsere erfahrenen Experten recherchieren und ermitteln sämtliche Verantwortliche, kümmern sich zuverlässig um Ihren positiven Ruf im Internet und bemühen sich direkt um Entfernung der von Ihnen eingegebenen Inhalte – sicher und schnell!", heißt es etwa auf web-killer.de, einem Angebot der Firma Clickonmedia.

Jeder entsprechende Seiten-Betreiber muss also einzeln kontaktiert und von der Löschung überzeugt werden. Garantien kann daher kein Reputationsmanager geben. 

Jeder Löschantrag bei web-killer kostet 39,90 Euro – pro Seite. Das scheint zunächst nicht viel zu sein, ist es aber doch, wenn man bedenkt, dass es oft natürlich um Dutzende oder gar hunderte Seiten geht. Dass die Internet-Reinigung funktioniert, belegt der web-killer unter anderem mit prominenten Kunden: Die Schauspielerinnen Andrea Sawatzki und Nina Kunzendorf lassen sich da zitieren.
 
Schauspieler sagen Danke

"Ich werde euch kräftig weiterempfehlen!", verspricht Kunzendorf. Für den Absolventen auf der Suche nach einem Job-Einstieg oder die zu unrecht gefeuerte Kassiererin sind die Angebote in der Regel kaum erschwinglich.

"Ich kann Privatleuten nur raten, die entsprechenden Seitenbetreiber selbst zu kontaktieren und sie zu bitten, entsprechende Inhalte zu löschen", sagt Ritterspach. "Bei Verleumdungen kann man es auch mit einem Anwalt und rechtlichen Schritten versuchen".
 


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Schwierig und aufwändig sei es allerdings, wenn der Betreiber nicht festzustellen ist oder im Ausland sitzt.

Reputeer.de bietet Unternehmen auch Konzepte, wie sie "die Strahlkraft Ihrer Mitarbeiter zur Stärkung Ihrer Unternehmens- oder Arbeitgebermarke nutzen können".

Zitat: "Ein unsympathisches Online-Erscheinungsbild eines Vertriebsleiters ist ebenso negativ wie ein Vorstandsmitglied, das im Internet kaum gefunden wird."

Persönliches Dossier

Marketing-constructor.de bietet auch an, "Online-Artikel und Meinungen in Blogs, Foren und Newsgroups zu beantworten oder zu korrigieren." Für 490 Euro gibt es ein "umfangreiches, persönliches Dossier, in dem Ihr Online Ruf nach den von Ihnen gesetzten Maßstäben bewertet wird".

Der "Leitfaden Facebook Sicherheitseinstellungen" ist schon für neun Euro im Angebot.


Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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