Social Sabbatical Sinnvolle Auszeit mit Karrierepotenzial

Das Leben von Menschen verbessern: Das erklärte Ziel des größten europäischen Softwareherstellers SAP ist nicht nur ein florierendes Geschäftsmodell, es ist zugleich auch soziale Verpflichtung. Mit dem "Social Sabbatical" werden jetzt traditionelles soziales Engagement, Aus- und Weiterbildung der zukünftigen Führungskräfte und die Förderung von Unternehmertum in Schwellenländern zusammengeführt.

Anne Koschik | , aktualisiert

Interessierte High Potentials aus allen Kulturkreisen engagieren sich in dem Pilotprojekt gemeinsam in gemeinnützigen Organisationen (NGO) verschiedener Kontinente. Das sorgt für interkulturelles Verständnis im Kollegenkreis, schult die Nachwuchs-Führungskräfte und setzt Zeichen für das Unternehmertum in den Schwellenländern, die große Zukunftsmärkte für die SAP darstellen.

Zunächst galt das Interesse Brasilien, wo das Entwicklungszentrum ausgebaut werden soll, Südafrika, das strategisch wichtig für den gesamten afrikanischen Markt ist und Indien mit dem zweitgrößten SAP-Entwicklungszentrum.

"Erwartungen übertroffen"

Die Pilotprojekte sind mittlerweile abgeschlossen und "haben die Erwartungen übertroffen", sagt Projektleiterin Sabine Herzberg. Die Probleme ausgesuchter NGOs wurden angegangen und Lösungswege gefunden – mittels des (IT-)Wissens der international gemixten Teams.

"Aus der Vielfalt heraus konnte etwas Besseres gestaltet werden, denn Vielfalt ist sehr fruchtbar!", betont Sabine Herzberg.

Weitere Länder im Visier

Die Erfolge und Erfahrungen der in sich abgeschlossenen Projekte werden bei SAP offiziell kommuniziert – und finden Nachfolger: Waren in diesem Jahr 30 Teilnehmer involviert, werden 2013 bereits 50 Führungskräfte teilnehmen. In Planung sind Projekte in Brasilien, Indien, Südafrika und China.

André Wagner, 34, aus Pirna hat als einer der Ersten an dem Pilotprojekt teilgenommen. Mitte des Jahres 2012 flog er nach Brasilien und half mit, dem Bürgernetzwerk Rede Cidada eine Zukunftsperspektive zu geben.

Er absolvierte ein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie in Dresden und ist seit dem Jahr 2000 bei SAP beschäftigt. Nach drei Jahren Berufserfahrung als Entwickler erwarb er berufsbegleitend 2004/2005 in England seinen M.Sc. in Management und ging im Anschluss einen weiteren Karriereschritt zum Software-Architekten.

Bis 2011 arbeitete er an SAPs Internet Produkten, wie zum Beispiel SAP Business ByDesign, und ist verantwortlich für das Mentoring-Programm in seiner Abteilung.

Wie wurden Sie auf das Social Sabbatical aufmerksam?

André Wagner: Anfang 2012 habe ich über die High Potential Community der SAP vom „Social Sabbatical“ erfahren. Ich habe mich dafür mit einem Motivationsschreiben beworben. Mich interessieren nicht nur die kulturellen Aspekte. Spannend finde ich auch, andere Top-Talente aus verschiedenen Ländern kennenlernen zu können und mir ein Netzwerk aufzubauen. Ganz besonders hat mir aber gefallen, gemeinnützige Organisationen im Rahmen der Corporate Social Responsibility-Strategie unterstützen zu können.

Wie hat SAP Sie auf den Job vorbereitet?

André Wagner: Für meinen vierwöchigen Einsatz in Brasilien im Juli 2012 wurde ich zwei Monate im Vorfeld vorbereitet: Ich lernte viel über das Zielland, die kulturellen Aspekte, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sprachliche Grundlagen und dort übliche Kommunikationsformen. Auch Sicherheitsfragen wurden geklärt. Dann habe ich natürlich die Organisation in Belo Horizonte kennengelernt und das Problemstellung erfahren.

Worum ging es genau?

André Wagner: Es handelt sich bei dem Projekt um das Bürgernetzwerk Rede Cidada. Das wurde im Jahr 2002 gegründet und hatte damals nur fünf Mitarbeiter. In den letzten drei Jahren ist dieses Netzwerk stark gewachsen und beschäftigt nun rund 130 Mitarbeiter. Diese kümmern sich um 14- bis 20-jährige sozial schwache Jugendliche, geben ihnen eine Grundlagenausbildung und vermitteln sie an Unternehmen. Im Grunde geben sie ihnen also eine Zukunftsperspektive.

Diese Organisation hatte es nun in der ganzen Zeit verpasst, sich um die Personalentwicklung und -richtlinien zu kümmern. Es gab keine Karriereperspektiven, keine Gehaltsentwicklung und keine Jobentwicklung. Das führte zu einer erhöhten Fluktuation.

Das Bürgernetzwerk war in ernsthafter Gefahr?

André Wagner: Das muss man so sehen, denn keine Organisation kann ohne engagierte Mitarbeiter erfolgreich sein. Unser dreiköpfiges Team hat also in der ersten Woche das Problem identifiziert: Es musste eine bessere Mitarbeiterkommunikation geben, Karrierepläne, Zusatzleistungen und eine Gehaltsentwicklung. Dazu haben wir ein Konzept ausgearbeitet.

Wie ist Ihnen das gelungen?

André Wagner: Das war schwer in einem fremden Land, mit noch unbekannten Kollegen. Man fragt sich: Schaff ich das und kann ich dabei meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden? Die erlernten Instrumente und theoretischen Grundlagen aus meinem Masterstudium waren dabei essentiell.

Extrem erstaunlich ist aber, zu was man in einem kleinen Team wirklich in der Lage ist, was man leisten kann, wenn man sich auf ein Thema konzentrieren kann. Durch das gewohnt vielschichtige Arbeiten im "normalen" Job erliegt man doch vielen Ablenkungen. Gut war auch, dass wir einen offenen Zugang zum Management-Team vor Ort hatten. Da eines unserer Team-Mitglieder zudem im HR-Bereich tätig ist, konnten wir unglaublich produktiv arbeiten.

Können Sie das ein bisschen genauer erklären?

André Wagner: Mit Hilfe von Interviews und der SWOT-Analyse, einem strategischen Planungsinstrument, haben wir uns des Problems angenommen und eine Strategie entwickelt. Wir haben einen ganzheitlichen "HR-Kompass" mit Personalrichtlinien entwickelt. Dieser hilft Rede Cidada, die Mitarbeiteranerkennung zu fördern. Mit Hilfe eines 3-Jahres Projektplans und praktischen, einfach handhabbaren Werkzeugen konnten wir Rede Cidada helfen, auch in Zukunft weiterhin erfolgreich im Sozialbereich zu arbeiten. Generell waren dabei auch meine Erfahrungen im Beratungsbereich extrem hilfreich. Es ist gut zu erfahren, welch praktische Relevanz unser Wissen und Können hat.

Was hat das Social Sabbatical gebracht?

André Wagner: Der Einsatz in Brasilien war eine wertvolle Erfahrung, an die ich mich lebenslang erinnern werde. Eine "once in a life time experience". Für mich war es wichtig zu sehen, was "Non-Profit-Organisationen" schaffen: Dass sie einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten, ohne Profitstreben. Das ist eben ganz anders als im normalen Wirtschaftsleben, in dem oft nur Zahlen für das Ergebnis und als Zielsetzung von Bedeutung sind.

In Brasilien ist die Lücke zwischen Arm und Reich sehr groß. Hier helfen zu können, hat mir viel bedeutet.

Wichtig war aber auch, Kollegen aus aller Herren Länder kennenzulernen, zu erfahren, wie sie arbeiten und an Themen herangehen. Und ich muss sagen, ich habe nicht nur Kollegen getroffen, sondern neue Freunde gewonnen. Zudem hat mir das Social Sabbatical persönlich geholfen. Ich konnte meinen Horizont erweitern und durch die Zusammenarbeit mit Kollegen unterschiedlicher Nationalität meine interkulturelle Kompetenz weiter ausbauen.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

André Wagner: Im Anschluss an den Social Sabbatical in Brasilien werde ich in Newtown Square, einem amerikanischen Standort der SAP in der Nähe von Philadelphia, bis Mitte Februar 2013 in der Strategie-Abteilung "Corporate Strategy Group" mitarbeiten. Dort helfe ich bei der Strategieentwicklung und Implementierung und sammle weitere internationale Erfahrungen.

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