Smalltalk Die Kunst des Small Talk

Aus Small Talk Kapital zu schlagen ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Im Interview verrät Stilexpertin Carolin Lüdemann, worauf es dabei ankommt.

Tina Groll / Zeit.de | , aktualisiert

Frau Lüdemann, angenommen wir treffen uns auf einem Empfang und ich möchte Sie in einen Smalltalk verwickeln. Wie spreche ich Sie richtig an?
Mit jedem positiven Thema, das eine Gemeinsamkeit herstellt. Sie könnten mich fragen, wie mir der Empfang gefällt. Das Gespräch von sich aus zu suchen, ist jedenfalls immer eine gute Idee. Viele Menschen trauen sich leider nicht. Vor allem scheuen sich viele, einen Ranghöheren anzusprechen. Man kennt diese Situation von Firmenfeiern: Der Vorgesetzte steht allein auf weiter Flur. Dabei zeigt sich beim Smalltalk, wer über Sozialkompetenz verfügt.

Wieso?
Wer es schafft, andere in eine angenehme Unterhaltung zu verwickeln, kann wahrscheinlich auch gut mit Kunden oder anderen Mitarbeitern umgehen.

Welche Themen eignen sich?
Solche, bei denen jeder mitreden kann. Bei einer Firmenfeier kann das der Wein, das Essen, die Musik oder das gute Betriebsergebnis sein. Bei einem Empfang oder Firmenevent mit externen Gästen können Sie über die Veranstaltung, das Wetter, Kultur oder Sport reden.

Wichtig ist auch die Körpersprache.
Ja, sie ist sehr wichtig. Halten Sie Blickkontakt, lächeln Sie, seien Sie aufgeschlossen. Achten Sie darauf, ob der andere sich wohl fühlt. Wenn er unsicher ist, dürfen Sie die Gesprächsführung übernehmen. Aber seien Sie sensibel. Ein gelungener Smalltalk ist wie ein Spiel mit einem Ball. Beide Partner können sich den Ball solange zuwerfen, wie sie Freude daran haben. Darum ist auch wichtig, dass Gesprächsthemen miteinander verknüpft werden.

Warum?
Weil das Gespräch sonst ins Stocken gerät, der Ball also auf den Boden fällt. Leider neigen viele dazu, nichts oder nur wenig von sich preiszugeben und den anderen stattdessen mit Fragen zu löchern. Ein solcher Smalltalk hat den Charme eines Verhörs und könnte dazu führen, dass der andere das Weite sucht.

Manche freuen sich aber auch darüber. Endlich interessiert sich mal jemand für sie.
Ja, das sind meist Selbstdarsteller. Die meisten Menschen fühlen sich jedoch eher dann wohl, wenn die Redeanteile der Beteiligten in etwa ausgewogen sind.

Wie wichtig ist es, authentisch zu sein?
Beim Smalltalk geht es um die Anbahnung oder Pflege von Businesskontakten. Dafür eignen sich positive, eher oberflächliche Themen. Bleiben Sie also professionell, ohne sich aber zu verkrampfen. Verstellen muss sich niemand.

Eine eigene Meinung ist also durchaus erlaubt?
Natürlich, das macht Sie doch interessant und eben auch authentisch. Wenn Sie allerdings den Wein für miserabel halten, sollten Sie das dem Gastgeber nicht unbedingt auf die Nase binden.



Was ist mit Politik?
Früher hat man davor gewarnt, politische Themen im Smalltalk aufzugreifen. Heute gehen die Meinungen auseinander. Die Frage hängt von den Personen und der Situation ab. Auf einer Firmenfeier in Stuttgart kann die Debatte über den neuen Bahnhof durchaus ein Thema sein. Und es darf sich auch eine politische Diskussion entfachen, wenn sich alle Beteiligten damit wohl fühlen.

Was ist zu tun, wenn der Gesprächspartner über ein Thema spricht, von dem man überhaupt keine Ahnung hat? Wäre es ein Fehler, zuzugeben, dass man sich nicht auskennt?
Der Fehler liegt doch bei Ihrem Gegenüber. Wenn er über ein Spezialthema fachsimpelt und nicht bemerkt, dass sein Gesprächspartner ins Schwimmen kommt, ist er ein Smalltalk-Versager. Wer so auftritt, vermittelt seinem Gegenüber das Gefühl, etwas verpasst zu haben oder ungebildet zu sein. Sie können dann durchaus sagen, dass Sie noch keine Gelegenheit hatten, sich so intensiv mit diesem Thema zu befassen. Wenn Sie das Thema interessiert, können Sie dem Spezialisten Fragen stellen. Sie dürfen das Gespräch aber auch wieder auf ein gemeinsames Thema lenken.

Wie verhalte ich mich, wenn ich bemerke, dass mein Gesprächspartner bei dem Thema gar nicht mithalten kann?
Kommen Sie ihm freundlich entgehen. Wenn er sich langweilt, wechseln Sie das Thema. Wenn es ihn interessiert, sprechen Sie allgemeiner darüber und betonen Sie, dass es nicht zwingend ist, sich in diesem Gebiet gut auszukennen. Sie könnten beispielsweise sagen, dass Sie vor einer Weile selbst nicht gedacht hätten, dass Sie sich einmal so sehr dafür interessieren würden.

Und wie wird man einen Langweiler los, von dem man bereits seit geraumer Zeit belagert wird?
Das ist wohl die einzige Situation in einem Smalltalk, in der Sie sich verstellen müssen. Lassen Sie ihn keineswegs allein stehen und lassen Sie ihn auch nicht spüren, dass Sie sich langweilen oder genervt sind. Das ist sehr unhöflich. Nehmen Sie ihn mit ans Buffet, an die Bar oder stellen Sie ihm ein paar Kollegen vor, mit denen er gemeinsame Themen hat. Erst dann dürfen Sie sich zurückziehen. Machen Sie auch deutlich, dass es nicht an Ihnen liegt, dass Sie das Gespräch beenden. Sagen Sie nicht: Ich wollte noch mit Frau Müller sprechen, sondern: Frau Müller wollte noch mit mir sprechen.

Und was ist zu tun, wenn ich merke, dass sich der andere mit mir langweilt?
Wenn Sie merken, dass der andere sich nervös im Raum umblickt, unruhig oder abweisend ist, können Sie sich gerne selbst entschuldigen. Wenn es nicht passt, müssen Sie es sich auch nicht antun, so behandelt zu werden.

Was ist, wenn ich mir den Namen meines Gesprächspartners nicht gemerkt habe?
Haben Sie keine Hemmungen und fragen Sie am besten frühzeitig nach, aber mit der höflichen Floskel, dass Sie den Namen leider akustisch nicht verstanden hätten. Andernfalls vermitteln Sie dem anderen, dass Sie sich nicht richtig für ihn interessieren und sich deswegen nicht den Namen gemerkt haben. Haben Sie auch keine Furcht vor kompliziert klingenden Namen. Der Betreffende weiß, dass sein Name oft nicht sofort verstanden wird. Und komplizierte Namen können durchaus auch ein erstes Thema für einen Smalltalk sein.

Wann sollte man dem anderen seine Karte geben?
Das kann während des Gesprächs passieren, wenn man Gemeinsamkeiten entdeckt hat. Geeignet ist auch das Ende des Gesprächs. Visitenkarten zu überreichen ist ein Tauschgeschäft. Daher darf der Ranghöhere entscheiden, ob er seine Karte ausgibt und im Gegenzug die Karte des Rangniederen erhalten möchte. Es wäre schon nicht ganz kniggelike wenn der Rangniedere den Tausch "erzwingt". Möglich sind für ihn nur animierende Formulierungen nach dem Motto "wüde mich freuen, wenn wir uns darüber bei Gelegenheit näher unterhalten könnten".

(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)

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