Small-Talk-Tipps Wer uns imitiert, den mögen wir

Tiefsinnige Gespräche sind schöner, aber wer peinliche Situationen vermeiden und einen guten Eindruck will, kommt nicht ohne die Fähigkeit zum Small Talk aus. Die besten Tipps fürs erfolgreiche Plaudern.

Daniel Rettig, wiwo.de | , aktualisiert

Wer uns imitiert, den mögen wir

Foto: bayshev/Fotolia.com

Vor einigen Jahren war Angela Merkel auf Staatsbesuch in einem afrikanischen Land. Der Präsident erwartete sie mit seiner Limousine am Flughafen, während der Fahrt saßen die Politiker schweigend nebeneinander. Dann entstand ein denkwürdiger Dialog: "Und Sie sind also die neue Bundeskanzlerin?" – "Ja." – "Das ist doch schön." – "Ja." – "Das war sicher nicht leicht." – "Nein." – "Da müssen Sie jetzt aber verdammt glücklich sein." – "Mir geht es gut." – "Sie tun sich eher schwer mit Small Talk, oder?" – "Ja."

Von diesem Gespräch berichtete die "Süddeutsche Zeitung" im Oktober 2005 – auf der einen Seite das bemühte Oberhaupt aus Afrika, auf der anderen die designierte, aber wortkarge Regierungschefin aus Deutschland. Man meint, die Beklommenheit in der Präsidentenlimousine förmlich spüren zu können. Kein Wunder. Intensive, nachdenkliche Gespräche sind oft nicht nur angenehmer als oberflächliche Plaudereien – es fällt vielen Menschen auch leichter, mit in Falten gelegter Stirn stundenlang tiefgründig zu diskutieren, als ein paar Minuten gut gelaunt scheinbare Belanglosigkeiten auszutauschen.

Small Talk beflügelt Karriere

Doch egal, ob während der Kaffeepause einer Konferenz, auf Geschäftsreisen, auf der Weihnachtsfeier, im Aufzug oder am Kaffeeautomaten: Oft sind es eher die kurzen, lockeren Gespräche, die das Bild prägen, das man von seinem Gegenüber hat. Und die darüber entscheiden können, ob der nächste Karriereschritt gelingt. Niemand kommt ohne ihn aus, egal, ob Absolvent oder Führungskraft. "Small Talk ist für die Karriere definitiv wichtig", sagt auch der Psychologe und Coach Stephan Lermer, "heute sogar mehr denn je".

Kein Wunder, dass der Buchhandel voll ist mit Ratgebern über die Kunst des Small Talks. Zahlreiche Werke geben gut gemeinte Tipps, darunter "Techniken der Schlagfertigkeit", "Die hohe Kunst des kleinen Gesprächs", "Menschengewinner" oder "Das Ideen-Buch für Fortgeschrittene".

Der Tenor all dieser Bücher: Schweigen versilbert die Karriere, Reden vergoldet sie. Wenn sie neue Stellen besetzen, verlangen Unternehmen von Bewerbern Kommunikationsfähigkeit. Wer schnell mit anderen ins Gespräch kommt, knüpft leichter Kontakte – unerlässlich in Zeiten, in denen die Qualität des eigenen Netzwerks immer mehr darüber entscheidet, wer einen Job bekommt und wer nicht. Small Talk sei "ein Assessment Center im Miniaturformat", sagt Psychologe Lermer.

Man könne wunderbar abtasten, ob die Chemie zum Gesprächspartner stimmt – und die Beziehung danach vertiefen. "Sie sollten sich die Zeit dafür nehmen", sagt die Psychologin Amy Cuddy von der Harvard Business School. "Sie werden sehen: Es hilft." Aber wie geht das eigentlich, richtig plaudern? Wir haben die wichtigsten Tipps zusammengestellt: Angenommen, Sie sind zu einem geschäftlichen Abendessen eingeladen und sitzen mit Fremden am Tisch – wie kommen Sie ins Gespräch?

Das Eis brechen

Sollten Sie die Initiative ergreifen? Und wenn ja, wie? Trauen Sie sich, das Eis zu brechen. Und beginnen Sie am besten mit einem Lächeln – nicht nur optisch, sondern auch rhetorisch: Versuchen Sie also nicht, beim Einstieg ins Gespräch vor allem Stärke und Kompetenz zu demonstrieren, sondern strahlen Sie Wärme und Vertrauenswürdigkeit aus.

Lassen Sie Ihren Gesprächspartner zuerst ausführlich zu Wort kommen, etwa durch offen formulierte Fragen. Woher kennen Sie den Gastgeber? Wie gefällt Ihnen die Menüfolge? Oder das Ambiente? So zeigen Sie Interesse an der Situation und bauen subtil eine Bindung zu Ihrem Tischnachbarn auf.

Oder bringen Sie Ihr Gegenüber dazu, etwas Persönliches zu erzählen. Etwa: Was machen Sie beruflich? Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Falls Ihnen gar nichts anderes einfällt: Übers Wetter kann man immer reden. Es bewegt alle Menschen, entzieht sich aber ihrem Einfluss. Kurzum: Es ist unverfänglich, darüber zu plaudern, jeder hat dazu eine Meinung. Und egal, für welches Thema Sie sich entscheiden: Hauptsache, Sie formulieren Ihre Fragen neutral und offen, interessieren sich für Ihr Gegenüber und hören aufmerksam zu – dann bleibt das Gespräch mit großer Wahrscheinlichkeit im Fluss.

Was Peter über Paul sagt, sagt angeblich mehr über Peter als über Paul. Anders formuliert: Lästern ist heikel – vor allem im Small Talk. Davon ist der Psychologieprofessor John Skowronski von der Northern- Illinois-Universität überzeugt. Er hat in mehreren Experimenten herausgefunden: Zuhörer übertragen jene Eigenschaften, die Person A einer Person B andichtet, unbewusst und automatisch auf Person A. Skowronski bezeichnet das Phänomen als "spontane Eigenschaftsübertragung". Dieser Effekt lässt sich für den Small Talk auch positiv nutzen.

Keine bissigen Kommentare

Small Talk führen meist Bekannte, Kollegen oder Geschäftspartner. Soll heißen: Die Beteiligten kennen sich zu wenig, um alle Aussagen richtig einordnen zu können. Deshalb sollten Sie bösartige und bissige Kommentare unbedingt verschweigen. Reden Sie stattdessen positiv und nett über Kollegen und Vorgesetzte.

Sie sind kurz nach Gesprächsbeginn per Zufall auf eines Ihrer Leib- und Magenthemen gestoßen – die heißesten Geldanlagetipps, die angesagten Restaurants und Hotels in London, die süffigsten Rotweine? Schön, dass Sie Ihrem Gegenüber so beredt Rede und Antwort stehen können. Vermeiden Sie dennoch unbedingt mit Eigenlob gespickte Monologe zu Ihrem Lieblingsthema – da schaltet jeder Gesprächspartner bald ab.

Religion und Politik, Geld und Gesundheit, private Probleme – allesamt wichtige Themen, klar. Im Small Talk aber sind sie tabu. Solche Themen sind nur für den Freundes- oder Verwandtenkreis bestimmt. Wer sie im Kollegenkreis anspricht, verstößt gegen ein ungeschriebenes Gesetz. Außerdem hinterlässt er beim anderen einen schlechten Eindruck. Für solche Themen braucht es Vertrauen, doch das muss erst wachsen – auch durch das unverbindliche Plaudern über unverfängliche Themen.

Wer uns imitiert, den mögen wir. Psychologen bezeichnen das als Spiegeltechnik, auch Chamäleon-Effekt genannt. Schenkt uns jemand ein Lächeln, schmunzeln wir beinahe automatisch zurück. Verschränkt das Gegenüber seine Arme, machen wir es mit höherer Wahrscheinlichkeit nach. Wie ansteckend solche Mikrogesten sind, bemerkten die US-Psychologen Tanya Chartrand und John Bargh in einer Studie im Jahr 1999. Ihre Probanden sahen sich zum ersten Mal. Trotzdem ahmten sie Berührungen im Gesicht zu 20 Prozent nach, das Übereinanderschlagen von Beinen gar zu 50 Prozent.

Chamäleon-Effekt

Der Grund: Die meisten Menschen streben nach Harmonie und Symmetrie. Deshalb lässt sich der Chamäleon-Effekt auch beim Small Talk gezielt einsetzen, um Distanz abzubauen und Vertrauen herzustellen. Wer sein Gegenüber allerdings allzu auffällig nachäfft, löst damit eher inneren Protest aus.

Oberste, eigentlich selbstverständliche Grundregel: Verabschieden Sie sich mit ausgesuchter Höflichkeit. Bedanken Sie sich für das nette Gespräch, verweisen Sie auf einen anstehenden Termin oder einen Kollegen, den Sie an einem anderen Tisch entdeckt haben und mit dem Sie noch dringend sprechen müssen. Tauschen Sie mit Ihrem Gegenüber gegebenenfalls Visitenkarten und machen Sie deutlich, dass Sie sich auf eine Fortsetzung Ihres angenehmen Gesprächs bei nächster Gelegenheit freuen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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