Shell-Jugendstudie | JOBWÜNSCHE Maximale Sicherheit bei maximaler Flexibilität

Junge Menschen blicken optimistisch in ihre berufliche Zukunft: Die meisten sind davon überzeugt, dass ihre Jobwünsche in Erfüllung gehen, hat die Shell-Jugendstudie 2015 herausgefunden, bei der 2.558 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren befragt wurden. Ihre Erwartungen hinsichtlich Jobsicherheit und flexibler Arbeit sind dabei sehr hoch – und viele Unternehmen sind auch bereit, diese zu erfüllen. Im Interview erklärt Gudrun Quenzel vom Leitungsteam der Jugendstudie, was die jungen Menschen antreibt.

Anne Koschik | , aktualisiert

Maximale Sicherheit bei maximaler Flexibilität

Jugendstudie_Optimismus

Foto: Kalim/Fotolia.com

Was wünschen sich junge Menschen für ihren Berufseinstieg?

Es ist erstaunlich, wie viele junge Menschen sich für einen guten Berufseinstieg engagieren und dafür zunächst viel in ihre Bildung investieren. Dieser Trend hat 2002 begonnen, setzt sich aber immer stärker fort. Die meisten sind davon überzeugt, ihre beruflichen Wünsche verwirklichen zu können. Pessimistisch bleiben vor allem Hauptschüler und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Einerseits erleben die jungen Leute einen entspannten Arbeitsmarkt, wie es ihn lange nicht mehr gegeben hat. Zum anderen zeigt die Statistik, dass die von den Jugendlichen angestrebten Abschlüsse stetig steigen, sehr viele speziell auch über den zweiten Bildungsweg ihr Abitur erreichen. Das alles führt zu einem Grundoptimismus, den wir so in den vorangegangenen Studien nicht festgestellt haben.

Für viele junge Menschen beginnt das Arbeitsleben mit einem Nebenjob in der Schule. "Jobben" ist auch in der Ausbildung und während des Studiums ein großes Thema.

Interessant dabei ist, dass Kinder aus der Mittelschicht stärker jobben als die aus den unteren Schichten. Bei den Studierenden sind es schon 65 Prozent. Das Jobben dient aber den meisten dem Zweck, etwas dazuzuverdienen – erst in zweiter Linie dem Kennenlernen von Beruf und Arbeitswelt.

Dafür sind ja auch Praktika da. Wie empfinden junge Menschen dieses "Instrument"?

Von denjenigen, die sich zum Zeitpunkt unserer Befragung in einem Praktikum befanden, hat die überwiegende Mehrheit ihr Praktikum sehr gerne gemacht. Ich bin aber der Überzeugung, dass sehr viele junge Leute der Meinung sind, heute auch ohne längere Praktikumsphase nach dem Studium oder der Ausbildung einen guten Zugang in den Beruf zu erreichen.

Aber findet man seinen Traumjob ohne Praxiserfahrung?

Die duale Ausbildung ist seit jeher sehr praxisnah, aber auch schulische Ausbildungen und Bachelorstudiengänge haben heute reichhaltige Praxisbezüge, nicht zuletzt durch studienbegleitende Pflichtpraktika. Hier ist die Beliebtheit des Praktikums auch ungebrochen. Aber die längeren Praktikumsphasen nach einer Ausbildung oder einem Studium gehen zurück und der direkte Berufseinstieg nimmt wieder zu.

Laut Umfrage von TNS Emnid wünschen sich 90 Prozent der Studierenden, parallel zum Studium mittels Praktika in das Arbeitsleben hineinzuschnuppern. Können Sie das bestätigen?

Das haben wir so konkret nicht erfragt, aber meine Erfahrung an der Uni zeigt mir, dass das Praxisinteresse bei Studierenden groß ist und nahezu alle auch Praktika während des Studiums machen.

Mit welchen Erwartungen starten junge Leute ins Berufsleben?

Sie erwarten maximale Sicherheit und maximale Flexibilität. 95 Prozent der Befragten wollen einen Job, bei dem sie bleiben können – und keine unsicheren oder befristeten Beschäftigungsverhältnisse. Mit einem ungewohnt starken Selbstbewusstsein verlangen sie dazu nach einer Arbeit, die sich ihrem Leben anpassen soll. Der Wunsch nach Freizeit ist groß, Kinder kriegen soll auch ohne Karriereknick möglich sein. Ganz oben auf der Skala steht zudem, sinnvoll arbeiten zu können, Anerkennung, gute Aufstiegsmöglichkeiten und ein hohes Einkommen.

Diese Erwartungshaltung erscheint mir nicht neu.

Neu ist die Synthese von allem. Jetzt sind auch die strukturellen Voraussetzungen da. Entsprechende Forderungen an die Arbeitgeber werden bereits formuliert.

Ist das die Zukunft?

Der Arbeitsmarkt wird reagieren. Das Bedürfnis der Unternehmerseite ist groß, die junge Generation richtig ansprechen zu wollen.

Wodurch unterscheidet sich die diesjährige Studie am auffälligsten von Ihrer letzten Studie von 2010?

Große Veränderungen sehen wir vor allem beim politischen Interesse. Dieses nimmt deutlich zu. Die Hauptsorge der jungen Generation gilt den Kriegen dieser Welt und dem Terror – und weniger der Tatsache, keinen Job zu finden. Arbeitslosigkeit, Hartz IV oder eine Wirtschaft, die sich nicht weiterentwickelt – also diese Grundverunsicherungen, die wir in früheren Befragungen festgestellt haben – gibt es nicht mehr. Insgesamt finden wir eine sich politisierende Generation vor, die sich engagiert und Individualismus sowie Idealismus stärker lebt als zuvor. Es ist wohlgemerkt eine politischere, aber noch keine politische Generation. Insbesondere das Misstrauen gegenüber den etablierten Parteien ist nach wie vor groß.

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