Service Was zahlt die Versicherung?

Versicherungen locken mit speziellen Studenten-Tarifen. Doch die meisten Policen halten nicht, was sie versprechen. Junge Karriere erklärt, welche Versicherungen wirklich notwendig sind und wie Sie sich am besten schützen können.

Steffi Sammet | , aktualisiert

Die Slogans der Versicherungen versprechen eine Menge. Von "Krankenversicherung für Studenten - jetzt zu Top-Konditionen privat versichern" ist die Rede, oder von "Bezahlbarer Rechtsschutz für Studenten". Und das Engagement der Firmen ist verständlich. 300000 Erstsemester nehmen jedes Jahr ein Studium auf, gut zwei Millionen Studenten gibt es insgesamt - und alle sind unerfahren bei der Frage, welche Versicherungen sie abschließen sollten.

Doch kann man sich im Ernstfall auf die Angebote verlassen? Und welche Police braucht ein Student überhaupt? Auf jeden Fall nicht alles, was unter dem Studentenlabel angepriesen wird. Da sind sich die Experten einig. "Berufsunfähigkeits-, Kranken- und private Haftpflichtversicherung - diese drei Policen sind ein absolutes Muss für Studenten", sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater (BVVB). Je nach persönlicher Situation könne dann beispielsweise noch eine Kfz- oder Auslandskrankenversicherung dazukommen. Damit wären dann die größten Risiken abgedeckt.

Studenten, die sich trotz dieser kurzen Liste um ihre Finanzen sorgen, kann Helge Kühl, unabhängiger Versicherungsmakler im schleswig-holsteinischen Neudorf, beruhigen: "Viele Studenten sind noch bei den Eltern mitversichert, so dass sie ohnehin kaum zusätzliche Verträge abschließen müssen."

Wer um den Abschluss eigener Versicherungen nicht herumkommt, muss nach Ansicht des Experten nicht nach Studententarifen suchen. Zwar werben und verkaufen viele Gesellschaften Policen mit einem entsprechenden Aufdruck. Doch wer genau hinsieht, stellt fest, dass sich viele Verträge nicht von den normalen Tarifen unterscheiden. "Wie bei anderen Kunden wird die individuelle Situation jedes Studenten vor dem Abschluss einer Versicherung genauestens analysiert und der Tarif entsprechend dem Ergebnis ausgerichtet", betont Kühl. Wer in der Freizeit gerne surfen geht, muss in der Haftpflichtversicherung einen höheren Risikozuschlag akzeptieren, unabhängig davon, ob er studiert oder berufstätig ist. Angesichts dessen sei es Quatsch, mit besonders günstigen Studententarifen zu werben, sagt Kühl.

"Der Preis für eine Police sollte bei der Entscheidung ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen", ergänzt Versicherungsberater Albers. Entscheidend sei vielmehr, was die Versicherung im Ernstfall leistet. Und da sind die Vertragsbedingungen aufschlussreicher als die Werbeslogans. Worauf sollte man also achten?

Krankenversicherung

In Deutschland sind die meisten Studenten gesetzlich krankenversichert (GKV). Bis zum Alter von 25 Jahren - plus eventueller Bund- und Zivi-Zeiten - sind sie beitragsfrei in der Versicherung der Eltern, wenn diese in der GKV Mitglied sind. Danach gibt es die studentische Krankenversicherung für monatlich etwa 65 Euro inklusive der obligatorischen Pflegeversicherung. Erst ab 30 Jahren oder ab dem 14. Fachsemester enden die bezuschussten Zeiten für Studenten. Dann kostet eine freiwillige Weiterversicherung in der GKV rund 120 Euro.

Alternativ kann sich ein Student komplett privat versichern (PKV) oder den gesetzlichen Schutz per privater Zusatzpolice zum Beispiel für Krankenhausaufenthalte aufstocken. Ein 21-jähriger gesunder Student müsste für eine private Vollversicherung etwa 61 bis 75 Euro monatlich kalkulieren, eine gleich alte Studentin zahlt 86 bis 129 Euro. Dafür liegen sie im Krankheitsfall im Zweibettzimmer und erhalten die Behandlung vom Chefarzt. Wer auf weitere Extras wie die 100-prozentige Übernahme aller Zahnarztkosten besteht, muss mehr zahlen.

Studenten, die sich eine PKV leisten wollen, sollten jedoch wissen, dass sie erst dann wieder in eine gesetzliche Krankenkasse zurück dürfen, wenn sie einen sozialversicherungspflichtigen Job haben. Deshalb rät Versicherungsmakler Kühl von einem kompletten Wechsel in eine private Krankenversicherung ab, sofern nicht die Eltern auch privat versichert oder bei der Beamtenbeihilfe Mitglied sind.

Wer mehr in seine Vorsorge investieren will, kann über eine private Zusatzkrankenversicherung allein für den stationären Aufenthalt im Krankenhaus nachdenken, empfehlen Versicherungsexperten. Eine solche Police ist für einen 21-Jährigen ab etwa zehn Euro monatlich zu haben.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Mal ist es ein Ski- oder Verkehrsunfall, mal eine plötzlich auftretende Krankheit, deren Folgen einen daran hindern, das Studium oder den Beruf weiter auszuüben. Da die staatlichen Hilfen für Studenten kaum zu haben und ohnehin lächerlich gering sind, ist es enorm wichtig, sich mit einer privaten BU-Police abzusichern, die einem dann im schlimmsten Fall ganz oder teilweise den Lebensunterhalt sichert.

Je nach Studiengang und angestrebtem Beruf bieten einige Versicherungen BUs für Studenten an. Diese Angebote sollte man jedoch kritisch prüfen: Die Beispielbeiträge werden oft auf der Basis eines Eintrittsrentenalters von 60 Jahren oder mit einer BU-Rente zwischen 600 und 800 Euro berechnet. Branchenexperten empfehlen dagegen den Tarif mit einem Rentenalter von 67 Jahren sowie einer monatlichen Rente von mindestens 1000 Euro zu nehmen.

Da die Gesellschaften die Gesundheit prüfen und Kunden mit Vorerkrankungen ablehnen oder hohe Zuschläge fordern, sollten Studenten nicht trödeln. Schon ein Besuch beim Uni-Psychologen wegen Überarbeitung bei der Prüfungsvorbereitung treibt den Preis nach oben. Wichtig ist es, auf folgende Kriterien im Vertrag zu achten.

Fortsetzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung:

Leistung ab Eintritt: Manche Versicherer bestehen auf einer Wartezeit von sechs Monaten. Erst ab dem siebten Monat Krankheit gibt's Geld. Das ist schlecht. Gute Tarife zahlen rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit.

Rückwirkende Leistungen: Um auch Leistungen für die Vergangenheit zu erhalten, falls man den Versicherungsfall nicht umgehend hat melden können, sollte eine BU diese Klausel unbedingt enthalten.

Erhöhung der Leisung: Bei Berufsstart, Hochzeit, Aufstieg oder Familienzuwachs sollte es möglich sein, die Höhe der monatlichen Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung anzuheben.

Weltweiter Schutz: Die BU-Rente wird gezahlt, egal wo einen der Unfall oder die Krankheit ereilte. Nötige ärztliche Untersuchungen sollten auch im Ausland vorgenommen werden können.

Verzicht auf abstrakte Weisung: Dabei verzichtet die Versicherung darauf, einem im Krankheitsfall die Leistung zu versagen, weil man ja einen artverwandten Beruf ausüben könne.

Prognosezeitraum: Gibt an, wie lange der Patient voraussichtlich nicht arbeiten kann und wann die Police einspringen muss. Schlecht: voraussichtlich dauerhaft (dann sind drei Jahre Krankheit Voraussetzung). Gut: sechs Monate. Das ist heute fast üblich.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die diese Kriterien erfüllt, kostet für einen 20-jährigen gesunden Studenten etwa 55 bis 75 Euro, bei einer garantierten Rente von 1500 Euro monatlich bis zum 65. Lebensjahr. Wer vermeiden will, dass die BU-Rente mit 65 oder 67 endet, kann eine lebenslange Rente vereinbaren, die mindestens 82 Euro Beitrag pro Monat kostet.

Private Haftpflichtversicherung

Wer die Brille eines Freundes demoliert oder bei einer Party Rotwein auf die Couch des Gastgebers gießt, kann für die Schäden selbst aufkommen. Teurer wird es, wenn man, etwa durch einen Unfall, eine Person verletzt. Die Ansprüche können Studenten ruinieren. Deshalb sollte man haftpflichtversichert sein.

Wer eine Erstausbildung macht, braucht meist keine eigene Police, sondern fällt unter den Schutz der elterlichen Haftpflicht - sofern diese eine haben. Das gilt bei vielen Versicherern auch, wenn sich nach dem Bachelor- ein Master-Studium anschließt. "Zur Sicherheit sollten Studenten prüfen, ob die Gesellschaft eine Altersbegrenzung verankert hat", empfiehlt Versicherungsberater Kühl.

Wer eine eigene Haftpflichtversicherung benötigt, sollte eine Deckungssumme von mindestens drei, besser fünf Millionen Euro haben, sagt Stefan Albers. Versicherungsmakler Kühl empfiehlt vor dem Abschluss zudem eine kurze Risikoanalyse des eigenen Lebens. "Betreut jemand in seiner Freizeit eine Kindergruppe? Vertraut ihm der Turnverein die Schlüssel für die teure Schließanlage der Sporthalle an? Die Policen berücksichtigen die Haftungsrisiken des Einzelnen", sagt Kühl. Entsprechend mehr muss man dann für die Police ausgeben. Die kostet im Schnitt zwischen 40 und 100 Euro im Jahr. "Der Preis einer Police sollte nur eine untergeordnete Rolle spielen." Stefan Albers, Versicherungsexperte.

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...