Schöne Bescherung Was Sie über das Weihnachtsgeld wissen müssen

Mit dem November-Gehalt gibt es für Millionen Beschäftigte Weihnachtsgeld. Teils ist das ein volles Monatsgehalt extra – und ein warmer Regen für den Handel. Wer wie viel bekommt und was damit passiert.

Andreas Toller, wiwo.de | , aktualisiert

Was Sie über das Weihnachtsgeld wissen müssen

Foto: tunedin / fotolia.com

Beim Blick auf den November-Gehaltszettel steigt bei Millionen Beschäftigten die Laune. Einige Hundert Euro extra stehen dort vielfach oder sogar ein halbes bis ganzes Monatsgehalt zusätzlich: Weihnachtsgeld. Die deutsche Wirtschaft muss dafür zwar Milliarden-Mehrausgaben stemmen, doch zugleich kurbelt das Weihnachtsgeld zum Jahresende kräftig den Konsum an.

Fragen und Antworten zum Weihnachtsgeld:

Ist das Weihnachtsgeld freiwillig oder Bestandteil des Lohns?

Ursprünglich ist das Weihnachtsgeld eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, mit der Betriebstreue und Arbeitsleistung honoriert werden können. Wird es in Betriebsvereinbarungen, Arbeits- oder Tarifverträgen zugesagt, dürfen Arbeitgeber die Zahlung aber nicht einfach einstellen. Auch nach mehrjähriger Zahlung ohne Einschränkungen entsteht vielfach ein Anspruch, wenn der Arbeitgeber nicht ausdrücklich jedes Jahr neu die Freiwilligkeit betont.

Wer bekommt die Leistung?

In diesem Jahr bekommen gut die Hälfte (54 Prozent) der deutschen Beschäftigten Weihnachtsgeld – 56 Prozent in West- und nur 40 Prozent in Ostdeutschland. Das hat das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer Online-Umfrage mit 8.800 Beteiligten herausgefunden. Grundlage sind meist Tarifverträge, die feste Summen (seltener) oder einen Anteil am Monatsgehalt als Jahressonderzahlung festlegen. Dadurch wächst das Weihnachtsgeld auch mit den tariflichen Gehaltssteigerungen – in diesem Jahr nach Schätzungen im Schnitt um knapp drei Prozent. Das bringe den Beschäftigten angesichts der niedrigen Inflation einen kräftigen Reallohnzuwachs, sagt der Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Wie viel kommt da zusammen?

Auf insgesamt rund 50 Milliarden Euro schätzen Lesch und sein IW-Kollege Christoph Schröder die Sonderzahlungen der Wirtschaft am Jahresende. Die Summe enthält allerdings auch andere Formen der Gratifikation – etwa als Gewinnbeteiligungen, wie sie zum Beispiel in der Autoindustrie mit Ergebnisprämien von teils über 8.000 Euro pro Mitarbeiter ausgeschüttet wurden. Solche Angebote seien vielen Firmen eigentlich lieber, weil sie variabler und stärker mit dem Unternehmenserfolg verknüpft seien, sagt Lesch. Dennoch bleibe das Weihnachtsgeld auch im Arbeitgeberlager unumstritten.

Wer legt die Höhe des Weihnachtsgelds fest?

Was die Höhe angeht, haben Arbeitgeber freie Hand. Manche zahlen 60 Prozent eines Monatslohnes, manche ein volles Monatsgehalt. >>> Tipp: Sind Sie eigentlich zufrieden mit Ihrem Lohn? In den Gehaltsreports von karriere.de können Sie sich einen Überblick über Ihre persönlichen Möglichkeiten verschaffen und einordnen, wo Sie gerade stehen.

Muss das Weihnachtsgeld voll versteuert werden?
 
Egal ob Weihnachtsgeld, Bonuszahlung oder Gewinnbeteiligung: Sämtliche Zahlungen eines Arbeitgebers unterliegen der Einkommensteuer. Was noch schlimmer ist: Durch die Sonderzahlung steigt bei vielen Arbeitnehmern im Monat der Auszahlung der Steuersatz aufgrund des progressiven Steuertarifs. Auf das Jahr gerechnet, kann es sein, dass der Arbeitnehmer dann zu viel Steuern zahlt. Um sich zumindest etwas davon zurückzuholen, muss der Arbeitnehmer eine Steuererklärung machen.

Und was machen die Beschäftigten mit dem Geld?

Viele geben es zur Freude des deutschen Einzelhandels gleich wieder aus, sagt der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck: "Nach meiner Einschätzung wird ein großer Teil in der Tat direkt für die Weihnachtseinkäufe verwendet, ist also für das Weihnachtsgeschäft tatsächlich von erheblicher Bedeutung." Außerdem nutzten Beschäftigte das Geld für ihre Alterssicherung, Reisen oder größere Anschaffungen. "Das Weihnachtsgeld trägt ein Stück weit dazu bei, dass der Einzelhandel seinen Umsatzhöhepunkt zum Jahresende erreicht", bestätigt der Chefvolkswirt des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Olaf Roik. Allerdings landet auch nach Roiks Erfahrungen nur ein Teil der Sonderzahlung in Form von Geschenken unter dem Weihnachtsbaum.

Und wer nichts kriegt?

Die Zahlung von Weihnachtsgeld trägt natürlich erheblich zur Attraktivität einer Stelle bei. Das könnte in Zeiten des Fachkräftemangels noch an Bedeutung gewinnen. Stellen mit Tarifvertrag haben dabei aus Sicht der Beschäftigten deutliche Vorteile: 72 Prozent der Tarif-Mitarbeiter bekommen laut der Umfrage die Leistung, aber nur 42 Prozent der nicht tarifgebundenen. Wenn das Weihnachtsgeld gestrichen oder nachträglich verweigert wird, führt das regelmäßig zu Prozessen bei Arbeitsgerichten – etwa um die Frage, ob die Leistung kürzbar ist oder bei vorzeitiger Kündigung gestrichen beziehungsweise zurückverlangt werden kann.

Sachleistungen wären eine Alternative

Arbeitgeber, die wegen der Steuerpflicht und Sozialabgaben das Weihnachtsgeld nicht zahlen wollen, könnten über Sachleistungen als Alternative nachdenken. Das kann etwa Notebook oder ein Smartphone sein, dass zur privaten Nutzung überlassen wird. Derartige Sachleistungen sind steuerfrei. Ein Dienstfahrzeug zur privaten Nutzung muss der Arbeitnehmer jedoch wegen des geldwerten Vorteils versteuern – entsprechend der privaten Nutzung entweder pauschal oder anhand eines Nutzungsnachweises durch ein Fahrtenbuch.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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