Schnappschuss Generation Y – wirklich so spießig und faul?

Unentschlossen, spießig, faul – über die Generation Y kursieren so einige Vorurteile. Welche davon stimmen und welche nicht, zeigt eine neue Typologie.

von Lin Freitag, wiwo.de | , aktualisiert

Generation Y – wirklich so spießig und faul?

Foto: Ivan Kruk/Fotolia.com

Wahrscheinlich sieht sich keine Generation mit so vielen Vorurteilen konfrontiert wie die Generation Y, also diejenigen, die zwischen 1990 und 2010 zu den Teenagern zählen. Etwa: "Wollen keine Verantwortung übernehmen" – sagen die Manager. Oder "Fragen als erstes nach der Work-Life-Balance statt den Aufgaben" – sagen die Personaler. Oder auch "Kommunizieren nur über Facebook und Whatsapp und nicht von Angesicht zu Angesicht" – sagen die Kollegen.

Doch stimmt das tatsächlich? Strömt da gerade wirklich eine Generation von Spießern in die Unternehmen, die keine Lust auf Arbeiten haben und nicht anständig in der realen Welt kommunizieren können? Die Unternehmensberatung Consulting Cum Laude, hat sechs Typologien zu den verschiedenen Vertretern der Gen Y erstellt. Das Ergebnis: Diese Generation ist vielfältiger als gedacht. Vom Karrierebewussten Manager, über den Unternehmer bis zum Unentschlossenen ist alles dabei.

1. Die Bausparer

Partner und Kinder, ein gutes Gehalt, das eigene Häuschen – das treibt die Gruppe der Bausparer an. Ihre eigenen Eltern würden sie wohl Spießer nennen, schließlich sind die zu einer Zeit groß geworden, in der alles Konventionelle und Bürgerliche abgelehnt wurde. Doch das ist den Bausparern egal. Sie wollen Sicherheit, mögen langfristige Pläne, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, sind sie bereit einiges zu leisten. Aber verlangen dafür auch Eingeständnisse ihres Arbeitgebers: Work-Life-Balance, flexible Arbeitsstrukturen und vor allem Transparenz sind essentiell. Die Bausparer wissen, dass sie zu den Leistungsträgern des Unternehmens gehören und scheuen sich auch nicht, Freiheiten gezielt einzufordern. Mit 30 Prozent bilden sie die größte Gruppe innerhalb der Gen Y.

2. Die Sinnsuchenden

Sie wünschen sich Zufriedenheit, wollen dem Leben gelassen entgegen sehen. Die große Karriere streben sie nicht an, vor allem nicht in einem Konzern: viel zu unpersönlich, viel zu durchorganisiert. Die Sinnsuchenden haben keine großen beruflichen Visionen und Ziele, doch auch ihnen ist ein gewisses Auskommen wichtig: Sie suchen den Mittelweg. Das gleiche gilt für den Beruf: Karriere bedeutet für sie, weder über- noch unterfordert zu sein. Ihnen ist finanzielle und berufliche Sicherheit wichtig, aber vor allem wollen sie genügend Zeit für Freizeit und Familie. Mit 25 Prozent bilden die Sinnsuchenden die zweitgrößte Gruppe der Generation Y.

3. Die Wetteifernden

Ihr Antrieb ist die Konkurrenz. Ist jemand anderes schneller, ehrgeiziger oder klüger, versucht der Wetteifernde seinen Konkurrenten zu übertreffen. Deadlines sind seine Motivation, Leistungsdruck spornt ihn zur Hochtouren an. Doch er hat auch eine andere Seite: Der Wetteifernde braucht viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. Von seinen Kollegen und Vorgesetzen, aber auch aus seinem privaten Umfeld. Deshalb wird ihm im Laufe seiner Karriere eine gute Work-Life-Balance immer wichtiger, er will nicht sein Leben lang so viel schuften wie zu Beginn. Doch am Anfang ist das okay, schließlich will er ein gutes Einkommen haben. Finanzielle Sicherheit ist dem Wetteifernen nämlich genauso wichtig, wie der beste zu sein. Laut Studie gehören rund 18 Prozent zu dieser Gruppe.

4. Die Unabhängigen

Während des Studiums die erste Geschäftsidee entwickeln, mit Anfang 20 schon Investorengespräche führen, diverse Praktika in Start-ups verbringen: Der Unabhängige sucht keinen Beruf, sondern eine Berufung. Dafür ackert er auch bis zur totalen Erschöpfung - Hauptsache er ist sein eigener Chef. Denn die Selbstständigkeit ist sein Antreiber, dafür verzichtet er auch gerne erstmal auf Sicherheit – er ist ja noch jung. Denn Geld ist für ihn Freiheit. Doch auf lange Sicht, sucht auch der Unabhängige die finanzielle Absicherung. Dieser Wunsch ist allen Vertretern der Gen Y gemein. Rund 14 Prozent gehören zu den Unabhängigen.

5. Die Neuanfänger

Anerkennung ist ihre Währung, Stillstand ihr Tod. Sie stürzen sich mit vollem Einsatz in immer neue Projekte, neue Aufgabenbereiche, Länder und Kulturen – Hauptsache es passiert was, Hauptsache es geht weiter voran. Und solange sie für die erbrachte Leistung auch Wertschätzung erfahren. Die eigene Freiheit ist den Neuanfängern sehr wichtig, die Selbstständigkeit aber kein primäres Ziel. Sie schätzen den Wettbewerb mit ihren Kollegen und vor allem wollen sie sich nicht allzu sehr an eine Aufgabe oder ein Unternehmen binden. Die Neuanfänger halten sich lieber alle Optionen offen. Dafür sind sie auch bereit, Abstriche in Kauf zu nehmen. Zum Beispiel bei der Freizeit. Laut Typologie der Unternehmensberatung cum laude, gehören etwa elf Prozent zu dieser Gruppe.

6. Die Unentschlossenen

Weder Fleisch noch Fisch – eines der vielen Vorurteile, mit denen sich die Generation Y konfrontiert sieht. Und so ganz lässt sich das auch nicht entkräften. Die Unentschlossenen wollen alles, aber es fehlt ihnen an einer klaren Vision. So ist ihnen die Familie und Freizeit genauso wichtig, wie die finanzielle Sicherheit. Sie wünschen sich Zufriedenheit, aber auch immer wieder neue Erfahrungen zu machen. Anerkennung ist ihnen extrem wichtig, aber sie fürchten sich vor der Überforderung. Karriere ist okay, aber nicht um jeden Preis. Das Beratungsunternehmen schätzt den Anteil der Unentschlossenen allerdings nur auf gut drei Prozent.–

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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